Umstrittene Plastiktrompeten aus Südafrika ärgern die Fußballer und beflügeln die Fantasie
Johannesburg - "Der Platz war fürchterlich", schimpfte Spaniens Spielmacher Xavi Hernandez nach dem 1:0-Sieg des Europameisters im zweiten Gruppenspiel beim Confederations Cup gegen den Irak, der den Halbfinaleinzug sicherstellte. Freilich schien das Problem nicht unlösbar. Das Geläuf im Free State Stadium zu Bloemfontein war nach Ansicht der Iberer nur zu trocken, um das Kurzpassspiel der nun schon 14 Partien en suite siegreichen Furia Roja zur Entfaltung zu bringen. Schon für Samstag, für das abschließende Gruppenspiel gegen Gastgeber Südafrika , darf auf ordentliche Bewässerung gehofft werden.
Nicht so leicht abstellen wird sich der Lärm in den Stadien lassen. Die Debatte über die Vuvuzelas genannten Plastiktrompeten, die von den Einheimischen mit Begeisterung und vor allem ohne Unterlass geblasen werden, beunruhigt mittlerweile auch Joseph S. Blatter, obwohl die Fifa deren Verteilung und Gebrauch als kulturelle Eigenart des Gastlandes extra genehmigt hatte.
Blatter doch besorgt
"Die Fifa ist durchaus besorgt über den Lärm, der auch im Fernsehen dauernd zu hören ist", sagte der Präsident des Weltverbandes. Der Schweizer will das Problem aber erst nach Ende des Confed Cups mit dem Organisationskomitee erörtern. "Wenn man nach Afrika geht, ist es eben laut. Ich habe immer gesagt: Fußball ist Trommeln, Rhythmus, Tanzen. Das ist Afrika, wir müssen dies so annehmen", gab Blatter allerdings zu bedenken und appellierte an die übertragenden Sender, eine technische Lösung zu finden.
Die Bedenken der Spieler, die ein besserer Sound im TV nicht zerstreuen könnte, hat ebenfalls ein Spanier am deutlichsten artikuliert. "Die Vuvuzelas sind ein Ärgernis und tragen nichts zur Atmosphäre bei. Sie machen es uns Spielern schwer, auf dem Platz zu kommunizieren und sich zu konzentrieren", sagte Xabi Alonso.
Auf dem Weg nach Europa
Geht's nach dem Düsseldorfer Unternehmer Frank Urbas, ertönen die Vuvuzelas aber bald schon auch in europäischen Stadien. Mit Partner Gerd Kehrberg hat Urbas die EU-Lizenz für die Fan-Fanfare erworben, deren dumpfer Klang das Trompeten von Elefanten imitiert. Der Verkaufspreis der in Südafrika zum Teil schon vergriffenen Instrumente stehe noch nicht fest. Er werde aber "zwischen sieben und zehn Euro" liegen.
Das Geschäftspotenzial haben Urabs und Kehrberg schon im Vorjahr erkannt und die Rechte vom südafrikanischen Unternehmen Masincedane Sport CC erworben. Ein Freund hatte eine Vuvuzela aus dem Urlaub mitgebracht. Im Gegensatz zur südafrikanischen Version wird die Fanfare in Europa in drei Teile zerlegt. "Wenn der Fan die Vuvuzela vor Wut wo dagegenschlägt, wird er niemanden verletzen, da das Produkt in Teile zerfällt", sagt Urbas. Dass die Trompeten in den jeweiligen Nationalfarben daherkommen, versteht sich. (sid, red, DER STANDARD Printausgabe 19.06.2009)