Für Gericht kämpfte Täter nur um Beziehung

17. Juni 2009, 20:57
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Er will sich nicht erinnern, dass er zu ihr gesagt haben soll, er werde sie und ihre Freunde umbringen

Wien - „Ich kann es mir im Nachhinein nicht erklären. Ich habe mir gedacht: Wie blöd bist du, wie naiv?", wundert sich Doris am Mittwoch bei ihrer Zeugenaussage im Wiener Straflandesgericht. Die gebürtige Tirolerin hatte Markus im März dieses Jahres eine zweite Chance gegeben. Nach all dem, was bereits passiert war.
Kennengelernt hatten sich die beiden vor eineinhalb Jahren bei einer Technoparty. Die ersten Treffen waren sporadisch - denn Markus war nur auf Freigang. Am Anfang ging es gut - so gut, dass Markus eines Tages nicht mehr ins Gefängnis zurück ging und bei Doris untertauchte. 

Bis es ihr dann diesen Jänner zu viel wurde: „Ich hab Angst gehabt", berichtet sie. „Angst vor der Situation, Angst vor ihm." Denn wie sich zeigte, hatte sie sich in Markus getäuscht; „er hat zwei Gesichter", weiß Doris nun nur zu genau. „Er war teilweise so lieb - teilweise so aggressiv, dass er die halbe Einrichtung demoliert hat."

Als Schluss war, begann Markus um die Beziehung zu kämpfen. Aber so, wie er es bis jetzt offenbar immer gemacht hat. 2005 war er das erste Mal wegen Nötigung und Hausfriedensbruch verurteilt worden, nachdem er die Türe einer anderen Exfreundin eingetreten und sie mit dem Umbringen bedroht hatte. Wieder eine andere Exfreundin wurde mit „ich mach dich Meier" bedroht, als Markus ein Messer in der Hand hatte. Und zu noch einer anderen Ex sagte er: „Ich schlag dir die Zähne aus, wenn ich dich mit einem Freund seh."
Für Markus sind das „fantasievolle Aussagen". Er will sich auch nicht erinnern, dass er nun zu Doris gesagt haben soll, er werde sie und ihre Freunde umbringen. Außerdem hatte er sie ständig angerufen, SMS geschickt, vor ihrer Wohnungstüre gelagert.

Bis er wieder auszuckte

Markus ist daher wegen gefährlicher Drohung angeklagt und nach dem „Stalking"-Paragrafen 107a. Doch obwohl Doris ihren Ex-Freund angezeigt hatte, waren sie im März wieder zusammen. Bis Markus dann wieder auszuckte und sie die Polizei rief.

Bemühen um eine Beziehung und beharrliche Verfolgung 

Richterin Katja Bruzek verweist auf eine OGH-Entscheidung, wonach genau unterschieden werden muss zwischen dem Bemühen um eine Beziehung und beharrlicher Verfolgung - mit der die Lebensführung einer Person über längere Zeit stark beeinträchtigt wird.
Bruzek verurteilt Markus daher wegen gefährlicher Drohung zu fünf Monaten Freiheitsstrafe. Vom Vorwurf des Stalkings wird er hingegen freigesprochen.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 18.6.2009)

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