Polizisten-Auktion

17. Juni 2009, 20:20
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Die FPÖ will 1500 Polizisten - Das Lustige daran: Schwarz und Blau waren es, die Österreichs Exekutive um rund 4000 Planposten verkleinert haben - Von Michael Möseneder

Polizei - Sicherheit hat einen Namen" liest man auf der Homepage des Innenministeriums. Und vernimmt staunend, über welche Erfolge der Wiener Polizei sich die Innenministerin freut. Etwa, dass es heuer durchschnittlich "200,31 geklärte Fälle pro Tag" gegeben hat. Sehr schön. Aber vielleicht hätte es sich der Bürger auch verdient, etwas über die gesamte Aufklärungsquote zu erfahren - die liegt nämlich unter einem Drittel. Bei den Einbrüchen in Einfamilienhäusern übrigens bei 4,9 Prozent.

Auf die Polizistinnen und Polizisten einzuprügeln ist zu billig - die gehen Tätern ja nicht absichtlich aus dem Weg. Dass Arbeit und teilweise wohl auch Motivation durch die ständigen Reformen in den vergangenen zehn Jahren in Mitleidenschaft gezogen worden sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber der entscheidende Faktor ist die Personalstärke.

In diesem Punkt geht es derzeit zu wie bei einer Versteigerung, die Politiker überbieten sich. Unter 1000 Exekutivbeamten extra für Wien gibt es keine Partei mehr, selbst die Grünen schwören auf Polizeipräsenz. Die FPÖ will 1500 Polizisten, die Innenministerin verspricht 1000 neue auf den Straßen innerhalb von fünf Jahren - für ganz Österreich.

Das Lustige daran: Schwarz und Blau waren es, die ab 1999 Österreichs Exekutive um rund 4000 Planposten verkleinert haben. Die roten Polizeigewerkschafter hatten damals keinen Grund zum Streik gesehen, die Grünen wollten am Thema gar nicht anstreifen. Jetzt zu lizitieren ist ziemlich scheinheilig. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 18.6.2009)

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