Gigantische Teuerung, fehlende Modernisierung

17. Juni 2009, 20:04
7 Postings

Die wirtschaftlichen Probleme heizen die politischen Turbulenzen an

Schon im iranischen Präsidentschaftswahlkampf haben Wirtschaftsfragen eine zentrale Rolle gespielt, und auch die laufenden Proteste haben eine ökonomische Basis. Denn das Land ist ökonomisch unterentwickelt, große Teile der Bevölkerung sind verarmt. Im UN-Index für menschliche Entwicklung (HDI) nimmt der Iran unter 179 Staaten Platz 84 ein (Österreich liegt auf Platz 14). Als ein zentrales Problem des Iran gilt die extrem hohe Inflationsrate, die 2008 einen Rekordwert von 25 Prozent erreichte. Inoffziell ist aber von einer Teuerungsrate von 50 Prozent und mehr die Rede.

Und genau hier versuchten die Reformer zu punkten: Den massiven Anstieg der Preise lasteten sie Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad an. Dieser soll mit Petrodollars nur so um sich geworfen haben, sagen sie. Ein Teil der Reformer fordert auch eine stärkere Öffnung und Liberalisierung der Wirtschaft. Allerdings warnt der Iranexperte Walter Posch vor Vereinfachungen: Dass das Unternehmertum gestärkt und Betriebe privatisiert gehörten, darin würden alle Führungskräfte vom Großayatollah Ali Khamenei abwärts übereinstimmen.

Dabei ist die iranische Wirtschaft schon jetzt nicht rein staatskapitalistisch, es gibt durchaus aktive Privatunternehmen, wenn auch oft mit massiver staatlicher Beteiligung. Als ein gutes Beispiel gilt der Konzern Iran Khodro, einer der größten Autobauer im Nahen Osten. Am Unternehmen hält der Staat 40 Prozent. Bewegung kam zuletzt auch in den Telekommunikationssektor: Im Mai erhielt die kuwaitische Firma Zain eine Lizenz als dritter Mobilfunkbetreiber, die derzeit aktiven beiden Anbieter sind mehrheitlich in Staatshand, was auch die derzeit häufige Störung der Netze erklären dürfte.

Wichtigste Einnahmequelle des Regimes ist Erdöl, wobei die technologischen Probleme sich auch hier bemerkbar machen: Der Iran kommt mit der Raffinierung des Öls nicht nach, das Land muss raffinierte Treibstoffe, etwa Diesel, sogar importieren. Gegen den Iran sind aber vielfältige Sanktionen in Kraft: Neben der Uno schränken die USA und die EU mit separaten Paketen den Handel und Technologietransfer ein. Und so hat China Deutschland als wichtigsten Handelspartner des Iran abgelöst.

Für Österreich ist der Iran der drittwichtigste Partner in Nahost (hinter den Emiraten und Saudi-Arabien). Österreich hat 2008 Waren im Wert von 305 Millionen Euro exportiert, und im Wert von 163 Millionen Euro importiert. Geliefert wurden vor allem Maschinen, eingeführt Erdölprodukte. Die OMV plant seit 2007 die Erschließung iranischer Erdgasfelder, ist derzeit aber operativ nicht im Land tätig. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2009)

 

 

  • Artikelbild
Share if you care.