Olympier auf fremdem Terrain

17. Juni 2009, 19:00
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Aufführung der "Dreigroschenoper" durch das Klangforum Wien im Konzerthaus

Wien - Hätte diese Konzerthausproduktion von Kurt Weills "Dreigroschenoper" tatsächlich nur so viel gekostet wie im Titel angegeben, dann wäre darüber kein Aufhebens zu machen.

Aber um drei Groschen werden es das Klangforum und die Solistenschar wohl nicht gemacht haben. Sicher auch nicht Nali Gruber, der dirigiert hat und gleichzeitig den Part des Peachum sang. Und die aufwändige Tonanlage mit Mischpulten und in luftiger Höhe montierten Verstärkern, durch die ein ohnedies aus arrivierten Opernsängern (Angelika Kirchschlager, Hanna Schwarz und Dorothea Rösch) bestehendes Ensemble überflüssigerweise auch noch verstärkt werden sollte, wird wohl auch nicht gratis angeliefert worden sein.

Hoffentlich ist der ökonomische Ertrag dieser gutbesuchten konzertanten Aufführung größer als der künstlerische, welcher etwa mit den im Titel ausgewiesenen drei Groschen beziffert werden kann.

Bei aller Bewunderung, die Weills Musik verdient, dominiert diese Dreigro-schenoper ja trotzdem Bertolt Brechts Text. Nicht umsonst wurde sie von Schauspielern uraufgeführt. Umgekehrt lässt man ja auch Verdis Aida nicht am Burgtheater von der Crème des Sprechtheaters krächzen.

Am ehesten brachte bei dem in Rede stehenden Unternehmen noch Ian Bostridge als Mackie Messer die nötige Schärfe mit, und auch Nali Gruber, der seit mehr als 30 Jahren mit Frankenstein!! als Chansonnier Erfolge feiert, sorgte als Peachum für Brecht-Stimmung - sofern ihm die Damen und Herren des Klangforums, während er sang, nicht aus dem Takt kamen.

Diese Olympier auf dem Gebiet der Moderne-Interpretation ließen mit Ausnahme von Krassimir Sterev (Bandoneon) deutlich hören, dass ohrenschlüpfrige Melodik nicht unbedingt ihr Metier ist. Der Rest war ambitionierter Operngesang. (Peter Vujica / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.6.2009)

 

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