"State of Play – Stand der Dinge": Die gute Nachricht färbt ab

17. Juni 2009, 18:35
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Als ob eine Politintrige noch nicht reichte: Hollywood-Star Russell Crowe muss in Kevin Macdonalds routiniertem Verschwörungskrimi "State of Play - Stand der Dinge" auch den Printjournalismus verteidigen

Wien - Eine junge Kongressmitarbeiterin verunglückt in der Washingtoner U-Bahn tödlich. Ein Politiker bricht daraufhin vor laufenden Kameras in Tränen aus.

Gleich wittern die Medien einen Skandal. Der Mann, Stephen Collins (Ben Affleck), sucht Zuflucht und Hilfe bei seinem alten College-Buddy. Aber dieser ist seinerseits nicht unbefangen - seine Chefin (Helen Mirren) hat ihm bereits zugesetzt, sein privates Naheverhältnis zu Collins gefälligst beruflich einzubringen: Cal McAffrey (Russell Crowe) ist Reporter beim Washington Globe, und dieser ist mit im Rennen um die Breaking News über den ehebrechenden Abgeordneten und seine tote Geliebte.

McAffrey versucht zunächst, sich herauszuhalten. Er verfolgt eine Spur in einem ganz anderen Fall. Erst als sich Anzeichen häufen, dass beides miteinander zusammenhängt, muss auch er sich in dieser Sache positionieren.

Kevin Macdonalds State of Play - Stand der Dinge entfaltet sich in der Folge als routiniert inszenierter, weitreichender Verschwörungskrimi. Neben der Enthüllung der Zusammenhänge treibt diesen vor allem ein permanentes Kräftemessen und Abwägen konkurrierender Interessen vorwärts - zwischen politischen Instanzen und Wirtschaftskonzernen, zwischen Presse und Polizei, Profit und Verantwortung. Oder auch zwischen freundschaftlicher Verbundenheit und professioneller Distanz.

Enthüllungsjournalismus 2.0

2003 eine erfolgreiche Mini-TV-Serie der BBC, wurde State of Play für die Kinoversion von London nach Washington verpflanzt. Der andere Kontext bietet neue Anknüpfungspunkte: Nicht von ungefähr hat McAffrey in seinem ordentlich chaotischen Büroabteil auch einen Zeitungsausschnitt mit Woodward-und-Bernstein-Foto an der Trennwand kleben. Aber seit Watergate (und seit Alan J. Pakulas Die Unbestechlichen) ist einige Zeit vergangen. Ein Aufdeckerjournalismus-Update muss sich anno 2009 auch auf aktuelle Mediendebatten einlassen, und so öffnet sich auf dieser Ebene noch eine weitere Front.

Der Kampf zwischen Online und Print - mit eindeutiger Präferenz für das gedruckte Traditionsmedium - wird zwischen McAffrey und seiner Kollegin Della Frye (Rachel McAdams) von ihrer ersten Begegnung an ausgetragen. Er ist ein Reporter alter Schule (die Benutzeroberfläche seines Schreibprogramms mit dem Blinke-Cursor ebenfalls). Sie bloggt und ist "hungrig und billig". Er sammelt in akribischer Recherchearbeit vor Ort, bei Informanten seine "Fakten". Sie macht in "Meinungen".

Für diesen dynamisch ausgeführten Richtungsstreit, der hier nicht zuletzt die handelsüblichen erotischen Spannungen in Mann-Frau-Teams ersetzt, findet der Film allerdings eine ebenso übereilte, versöhnliche Lösung wie für den Rest der Story: Man werde, sagt die Bloggerin schlussendlich, die entscheidende Nachricht in der Zeitung veröffentlichen, denn man müsse bei deren Lektüre einfach Druckerschwärze an den Händen haben.

Und auch sonst kann es am Ende nur einen moralischen Sieger geben, weil das Drehbuch (Tony Gilroy u. a.) eine entsprechende finale Wendung ermöglicht. Da waren die Verschwörungsthriller der 1970er-Jahre oft unentschiedener, pessimistischer - und damit wohl auch näher an der Wirklichkeit. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.6.2009)

 

  • Komplizierte Medienarbeit auf geschichtsträchtigem Boden: Rachel McAdams und Russell Crowe sind sich als Bloggerin und Zeitungsreporter bei Recherchen in Washington selten einig.
 
 
    foto: universal

    Komplizierte Medienarbeit auf geschichtsträchtigem Boden: Rachel McAdams und Russell Crowe sind sich als Bloggerin und Zeitungsreporter bei Recherchen in Washington selten einig.

     

     

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