Neonazi-Szene

Rechtsrock als Einstiegsdroge

18. Juni 2009, 16:47
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    foto: apa

    Besonders am Land hätten Neonazis viele Discotheken praktisch übernommen. Eine Disco in Steyr habe sogar die regionale Neonaziszene einfach als Türsteher engagiert

Die Neonazi-Musikszene boomt - Nationalsozialismus ist eines der ganz wenigen Themen, mit dem pubertierende Jugendliche noch provozieren können

Die Neonazi-Musikszene boomt auch im Black-Metal- und Liedermacherbereich - Salzburger "Cave Club" sperrt nach Neonazi-Vorwürfen zu: "Der Imageschaden ist irreparabel" - Von Markus Peherstorfer

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Salzburg - "Musik ist unsere Waffe, gefährlicher als Panzer und Granaten", sagt die deutsche Rechtsrock-Band "Sturmwehr". Offenbar hat sie damit recht: Die Anzahl rechtsextremer Labels, Bands und Konzerte steigt Jahr für Jahr, damit einher geht eine Verdopplung der Anzeigen rechtsextrem motivierter Straftaten in Österreich zwischen 2006 und 2008.

"Haupteinstiegspunkt für Rechtsextreme"

"Die Musik ist mittlerweile der Haupteinstiegspunkt für die rechtsextreme Szene", sagte Thomas Rammerstorfer vom Infoladen Wels, der den "Rechtsrock" seit Jahren beobachtet, am Dienstagabend bei einem Vortrag in Salzburg. Bei Vortragsreihen vor Schülern müsse er immer wieder feststellen, dass Bands wie "Landser" (Albumtitel: "Das Reich kommt wieder") "in einigen Schulen an die 100 Prozent Bekanntheitsgrad haben". "Landser" wurden 2005 als kriminelle Vereinigung verurteilt - als erste Musikgruppe überhaupt in Deutschland.

"Blood and Honour"

Treibende Kraft hinter dem Rechtsrock sei das europaweit agierende Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour". Gegründet wurde es in den 1980er-Jahren von Ian Stuart Donaldson, dem Frontman der englischen Skinhead-Punkrock-Band "Skrewdriver", die mit einem Schlägertrupp namens "Skrewdriver Security", kurz "SS", durch die Lande tourte.

Antiamerikanismus als neues Thema

Zu den Themen des Rechtsrock gehören Rassismus, Nationalismus, Revanchismus und Revisionismus sowie Antisemitismus. Besonders seit dem Irakkrieg von 2003 sei auch der Antiamerikanismus "wieder ein großes Thema", sagt Rammerstorfer. Die in den Anfangsjahren betriebene Alkoholglorifizierung habe dagegen "ein bisschen nachgelassen, weil sich ein Teil der Szene einen seriösen Anstrich geben will".

Schwerpunkte Vorarlberg und Wien

In Österreich sei die Rechtsrock-Szene seit den 1990er-Jahren vor allem in Vorarlberg und Wien stark vertreten - nachdem vor ein paar Jahren einschlägige Konzerte zurückgedrängt wurden, seien aber interne Querelen aufgetreten, etwa über die Südtirolfrage und darüber, ob man mit italienischen Neofaschisten zusammenarbeiten dürfe. Zurzeit gebe es nur eine aktive österreichische Band, die "Service Crew Vienna", allerdings sei die Szene auch in Kampfsportvereine und in die Fantribünen der Fußballstadien eingesickert.

"National Socialist Black Metal"

Neben dem explizit nazistischen Rechtsrock spiele auch der so genannte "National Socialist Black Metal" (NSBM) eine wichtige Rolle, ergänzt Rammerstorfers Kollege Markus Rachbauer. Das im Black Metal verbreitete "menschen- und frauenverachtende", gewaltverherrlichende, religionsfeindliche, oft satanistische Gedankengut sei "ein idealer Anknüpfungspunkt für Neonazis". Im Unterschied zu Rechtsrock-Bands würden aber NSBM-Bands "meistens nicht zu dem stehen, was sie vertreten": "Das Ganze kommt dann häufig als Religionskritik daher."

Haupteinnahmequelle der NPD

Einen Boom gebe es derzeit in der neonazistischen Liedermacherszene, sagt Rammerstorfer: "Die haben den strategischen Vorteil, dass ihre Konzerte sehr einfach zu organisieren sind - man braucht nur den Liedermacher und eine Gitarre." Sogar im Teenie-Pop ("Prussian Blue") und im deutschen Schlager ("Zillertaler Türkenjäger") werde gewildert. In Deutschland sei der Verkauf rechtsextremer Tonträger mittlerweile zur Haupteinnahmequelle der NPD geworden. In Österreich erfolge der Verkauf oft unter der Hand in Plattenläden oder Army-Shops.

"Viele Discos praktisch übernommen"

Der Nationalsozialismus sei heute eines der ganz wenigen Themen, mit dem pubertierende Jugendliche noch provozieren könnten, sagt Rammerstorfer: Früher habe es schon gereicht, Metallica zu hören, "da haben Lehrer und Eltern schon die Hände überm Kopf zusammengeschlagen". Besonders am Land hätten Neonazis "viele Discotheken praktisch übernommen", berichtet Rammerstorfer. Eine Disco in Steyr habe sogar "die regionale Neonaziszene einfach als Türsteher engagiert".

Salzburg: "Cave Club" sperrt zu

Ein unangenehmes Nachspiel haben Neonazi-Vorwürfe jetzt für eine Salzburger Disco: Der "Cave Club" wird mit 11. Juli seine Pforten schließen. Lokalmedien hatten vor drei Wochen über die dortige Gothic-Veranstaltungsreihe "Overdose" als mutmaßlichen Treffpunkt von Rechtsextremen in Nazi-Uniformen berichtet. Auf Fotos waren unter anderen eine Frau in der Kleidung des "Bund Deutscher Mädel" und ein Türsteher in einer SS-ähnlichen Uniform zu sehen.

Veranstalter: Sexuelles Interesse

Bei dem Türsteher hatte es sich um einen 25-jährigen Österreicher gehandelt, der in Bayern als Neonazi polizeibekannt war. Von ihm habe man sich sofort getrennt, als seine politische Einstellung bekannt wurde, beteuern die Veranstalter. Ansonsten seien in der Gothic-Szene uniformierte Besucher nichts Ungewöhnliches. Die meisten von ihnen hätten ein sexuelles Interesse an dieser Kostümierung.

LVT: Kein Rechtsradikalismus

Dieser Einschätzung schließt sich auch Burghard Vouk an, der Leiter des Salzburger Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT): "Das hat mit Rechtsradikalismus nichts zu tun." Für das Lokal in den ehemaligen Luftschutzkellern im Stadtteil Riedenburg bedeuten die Vorwürfe dennoch das Aus, sagt Pächter Harald Heinzl: "Der Imageschaden ist irreparabel", die Gäste seien ausgeblieben. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 17.06.2009)

Kommentar posten
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Ibsen
00
24.6.2009, 14:14
In Ungarn auch...

www.weicheier.com
02
20.6.2009, 12:45
Das ästhetische Foto:

Das macht deutsches Bier aus deutschen Bäuchen...

invodaseibua
11
20.6.2009, 14:57

Stimmt.
Kaum mehr zu unterscheiden von einem durch amerikanische Burger geformten amerikanischen Bauch.

;)

Lila Strumpf
01
22.6.2009, 15:55
wie..

..singen doch die toten Hosen:
"Die meisten Menschen sind nicht schön,
sie haben eine Sc*heiß-Figur
Sie haben keinen BMW
und nicht mal Abitur"

www.weicheier.com
03
20.6.2009, 18:40
Die haben aber nicht die drei Bier-

Geheimzeichen samt Vize-Braumeister tätowiert ;-)

epep
00
20.6.2009, 18:32
da ist es aber schokolade ...

... denn das light-bier macht nicht solche baeuche ... ;-)

www.weicheier.com
00
20.6.2009, 18:39
Die Schokoladenbäuche bevorzugen Kiffer...

aus Selbsterfahrung ;-)

Ignaz gartengschirrl
12
19.6.2009, 18:19
In Deutschland sei der Verkauf rechtsextremer Tonträger mittlerweile zur Haupteinnahmequelle der NPD geworden.

interessant finde ich hier das in deutschland der verkauf solcher tonträger sowie die gesamte "partei" NPD!!

solange eine derartige horde legal agieren darf, braucht sich niemand zu wundern warum die rechte szene zulauf hat!!

my thoughts...
00
28.6.2009, 06:46

Das von Ihnen gesagt gilt auch für die heutige FPÖ!

AttenTexter
 
17
19.6.2009, 08:27
...

Das Unding, das unsere Kinder zu Mördern macht: Killerspiele

Das Unding, das unsere Kinder zu Nazis macht: Musik

Das Unding, das unsere Kinder geistig verpfuscht:
Faule Lehrer

etc.

... Ist es nicht toll, für jedes schwerwiegende gesellschaftliche Problem einen passenden Sündenbock parat zu haben, um sich nicht mehr um das Problem an sich kümmern zu müssen????

darkwing
21
18.6.2009, 22:00
ein Posting von mir....

......ist nicht durchgekommen, vermutloch weil ich Nazis darin pauschal als vollgepackte Gepäcksstücke bezeichnet habe.
Schrä-häg.

cuvert_
01
18.6.2009, 19:07
auch in wien

wird das im unten verlinkten artikel genannte lokal auch schliessen, weil die gäste ausbleiben werden?

wohl kaum. schade.

http://derstandard.at/fs/124446... r-Vorstadt

rter
01
20.6.2009, 19:30

der juniorchef dürfte ja ein 100% sein
http://www.123people.at/ext/frm?t... wrt_id=258

littletinyflibbertigibbet
11
18.6.2009, 18:29
beunruhigend, dieser artikel...

(finde, gegen organisierte gruppierungen müssten wir uns gegenorganisieren: es geht für mich nicht an, dass neonazis in meiner nähe, gemeine slogans brüllend, johlend die straße hinunterziehen, und jeder läßt das mehr oder weniger schweigend geschehen, weil wir nicht organisiert sind. vielleicht könnten die bezirksorganisationen der anderen parteien (rechne keinesfalls mit der övp) etwas tun, dh verbindungsglieder herstellen, für den kontakt zuständige. man müßte dann halt telefonnummmern austauschen und so.)

gruppenweise organisieren und paroli bieten!, - in einer art nachbarschaftshilfe.

cuvert_
00
18.6.2009, 18:41

warum dieser artikel nicht mit unten angeführtem verlinkt ist, bleibt ein rätsel:

http://derstandard.at/fs/124446... r-Vorstadt

Michel Berger
00
18.6.2009, 18:02
Nein, ich kann das nicht glauben daß Rechte Musik wirklich angesagter ist als Antif und im Zottellook demonstrieren gehen!

Walter Sedlazcek
13
18.6.2009, 20:17
geh bitte, diese rechte lulu musik interessiert eh nur ein paar nie was erreichende nichtnutze.

Lucifer
01
18.6.2009, 17:36
Am Foto schaut es aus, ob der nudelige um seinen Schnuller weint, dabei ist der hart tätowiert!

So zeigt man die wahre Stärke heutzutage?

Wahl 09
05
18.6.2009, 17:10

ja mei...wenn die dann so enden wie der arme mann in dem bild, der sich einen r hess auf seinen wanst tatowieren lässt, hat er sich ohnehin schon selbst lebenslänglich bestraft.

interessant finde ich auch den ausdruck "menschen- und frauenverachtend". also nicht nur menschen werden da verachtet, sondern auch frauen...

Joerg Haider
10
18.6.2009, 22:11

es sollte wohl vor allem die allgemeine misanthropie im black metal und besonders die frauenfeindlichkeit betont werden. das so zu interpretieren, als wäre den frauen das menschsein aberkannt worden, ist haarspalterei und ausserdem böswillige unterstellung.

schipa
04
18.6.2009, 17:57
"menschen- und frauenverachtend"

Genau so wie ein nTV-Reporter "Bei dem Umfall starben 5 Menschen und ein Franzose" :)

Geben wir das einmal gnädigerweise in die Schublade "unabsichtliche Versprecher".

Mucosaprolaps
00
18.6.2009, 17:46

gemeint war vermutlich eher "rassistisch und sexistisch"

aff knete
01
18.6.2009, 17:45

menschen- und frauenverachtet?
konkurrenz für radikalislamisten?

Lucifer
00
18.6.2009, 16:43
Wer es nötig hat, sich durch Diffamierung über andere zu stellen, ist zu blöde um zu merken, dass er in der Jauche lebt!

Darum denke bei den diversen Beleidigungen, wer Gefahren benennt ist doch auf Seite der Österreicher und bräuchte Unterstützung statt kleinlicher Politszene.

BürgerIn erkennt langsam, wer auf wirklich für Österreich eintritt und wer sich nur Selbstbereichern will.

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