Ein Blogger gegen grüne Blockierer

17. Juni 2009, 17:53
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Helge Fahrnberger nimmt das Gebot der Basisdemokratie ernster als es etablierten Politikern lieb ist

Helge Fahrnberger war ein Quälgeist - zumindest in den Augen jener autoritären Lehrer, die am Steyrer Gymnasium in den Achtzigern nicht zu knapp gesät waren. Einmal boykottierte er den Turnunterricht, weil entgegen dem Lehrplan nur Fußball gespielt wurde. Dann wieder bekämpfte er die Wucherpreise am Schulbuffet - obwohl der profitgeile Bäcker als Freund des Direktors galt. Ein Umstand, der die Schulkarriere des Teenagers beinahe jäh beendete.

Einer wie Fahrnberger, könnte man meinen, passt gut zu den Grünen. Doch selbst bei der Partei der institutionalisierten Aufmüpfigkeit eckt der 35-jährige Oberösterreicher an - weil er das Gebot der Basisdemokratie ernster nimmt, als es etablierten Politikern lieb ist. Via Internet-Plattform GrueneVorwahlen.at hat der Blogger 370 Gleichgesinnte motiviert, sich bei den Wiener Grünen zu registrieren, um die Kandidaten für die kommende Wahl mitzuwählen - genug Stimmen, um Machtverhältnisse ins Wanken und arrivierte Funktionäre zum Zittern ums Mandat zu bringen.

"Lust an der Stichelei" wie bei seinen pubertären Eskapaden wolle er heute nicht befriedigen, versichert Fahrnberger: "Ich will die Grünen nicht ärgern." Ob am Ende des Experiments ein Umsturz in der Partei steht, ist dem Erfinder auch eher egal, ihm gehe es darum, die Bresche für ein neues Politikmodell zu schlagen. Fahrnberger faszinieren "Bottom-up-Prozesse", die dank Internet "disruptive" Kraft entwickeln könnten. Genau so, wie Firmen heute mit Kunden kommunizieren, müssten sich Parteien mit den Ideen ihrer Klientel beschäftigen: "Da gibt es natürlich Angst, die Kontrolle zu verlieren."

Für Politik hat sich Fahrnberger schon interessiert, als Gleichaltrige "noch Fix und Foxi lasen" (ein Jugendfreund). Vom Vater, Funktionär der liberaleren Prä-Haider-FPÖ, geprägt, tendierte er erst ins rechte Lager - spätestens das Ausländervolksbegehren sorgte für die persönliche Wende. Ein Wirtschaftsstudium blieb unvollendet, weil es dem ledigen, aber vergebenen Selbstdarsteller gelang, mit seiner Leidenschaft Geld zu verdienen: dem Internet. Fahrnberger war Mitbetreiber von u-boot.com, einem Facebook-Vorläufer, heute entwickelt er mit der eigenen Firma Toursprung Tourismus-Software; die Radroutenplattform bikemap.net etwa setzte sich bis nach Taiwan durch.

In seinen Blog (helge.at) haben sich sogar Lehrer von einst verirrt - über die Fahrnberger heute deutlich milder urteilt. Dass er einmal durchgefallen ist, könne er nur einem in die Schuhe schieben: "mir selbst." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 18. Juni 2009)

  • Zu basisdemokratisch für die Ökos: Web-Freak Fahrnberger.
    foto: gebhart

    Zu basisdemokratisch für die Ökos: Web-Freak Fahrnberger.

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