FMA zeigt Bank Austria an

17. Juni 2009, 17:35
23 Postings

Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen das Investmentfondsgesetz

Die Finanzmarktaufsicht hat nach der Bank Medici nun auch die Bank Austria bei der Wiener Staatsanwaltschaft angezeigt. Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen das Investmentfondsgesetz.

***


Wien - Die Causa Madoff dürfte die Bank Austria (BA) intensiver beschäftigen, als ihr lieb ist. Die Wiener UniCredit-Tochter ist zu 25 Prozent an der Bank Medici vonSonja Kohn beteiligt, hat den Primeo Fonds vertrieben, dessen Gelder zu Bernard Madoff flossen. Die BA war Repräsentant und Zahlstelle des Fonds - und sieht sich nun mit einer Sachverhaltsdarstellung der Finanzmarktaufsicht FMA bei der Justiz konfrontiert. Es geht um den Vorwurf, die BA habe rund um den Primeo-Prospekt gegen das Investmentfondsgesetz verstoßen.

Anlass für die Anzeige waren Einvernahmen aktiver und ehemaliger BA-Mitarbeiter. Daraus habe sich ergeben, dass bei Primeo "die Letztentscheidung über den Anlageprozess an die Bernard Madoff Securities LLC ausgelagert war, wodurch Madoff in die Lage versetzt wurde, zu entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt das Anlagevermögen des Fonds zu investieren gewesen ist" . Diese Rolle Madoffs sei im Prospekt nicht veröffentlicht worden, obwohl "der Repräsentant den Verkaufsprospekt bzw. Änderungen auf Vollständigkeit und Richtigkeit hin kontrollieren muss" . Daraus leite man den "Verdacht ab, dass die (...) Verantwortlichen ein strafbares Verhalten im Sinne des § 44 Abs. 2 Investmentfondsgesetz (falsche, nicht vollständige Darstellung, Verschweigung nachteiliger Tatsachen im Prospekt; Anm.) gesetzt haben" . Wäre der Umstand, dass "in Wahrheit" Madoff entschied, offengelegt worden, "ist davon auszugehen, dass Anleger vom Erwerb dieses Finanzproduktes Abstand genommen hätten" , heißt es. Es drohen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe, es gilt die Unschuldsvermutung.

In der BA kennt man die Sachverhaltsdarstellung noch nicht. Grundsätzlich vertrete man aber die Rechtsansicht, dass der Repräsentant eines ausländischen Fonds zur formellen Prospektprüfung verpflichtet ist, diese Aufgabe habe man erfüllt.

Ob die einfachen Medici-Aufsichtsratsmitglieder die Rolle Madoffs kannten, ist nicht klar. Ferdinand Lacina ("Ich bin kein Fondsspezialist" ) etwa sagte aus, dass ihm "der Name Madoff nicht bekannt" war. Anders der von der BA entsandte Medici-Kontrollor, der freilich auch andere berufliche Anknüpfungspunkte hatte: "Mir war bewusst, dass Madoff die Aktien ge- und verkauft hat." Aber: "Ich kann mich nicht erinnern, dass bei den Sitzungen der Name Madoff erwähnt wurde. In den Protokollen kommt er nicht vor."

Mit Kohn zu Madoff

Bei der BA-eigenen Investmentgesellschaft BA Worldwide Fund Management (WWF; war Advisor für Primeo und hat laut Einvernahmen als Subadvisor Kohns Gesellschaft Eurovaleur beschäftigt; die bekam demnach 20 Prozent der WWF-Erträge) war Madoff bestens bekannt. Ein Ex-WWF-Manager ("Vor meiner Anstellung musste ich mich bei Frau Kohn vorstellen" ) schilderte die Zusammenarbeit so: "Dass Madoff Subcustodian war, wussten wir von Anfang an (...) Im Wissen, wie diese (Madoffs; Anm.) Strategie abläuft, wurde die Befugnis erteilt und darüber eine Fondskonstruktion erstellt. (...) Wir haben nie einen Verdacht gehabt, dass Madoff betrügen könnte. Die Unterlagen, die er geschickt hat, haben immer mit dem Markt übereingestimmt."

Die transatlantische Reisetätigkeit nach New York, wo Madoff arbeitete, war rege. Der Ex-WWF-Manager hat "Madoff ab 2000 zweimal jährlich besucht" , anfangs mit Kohn, später allein oder "mit anderen Leuten von der Bank: Werner Kretschmer (heute Pioneer-Aufstria-Chef), Stefan Zapotocky (früher BA und Börsenchef; heute Bast AG, an deren Industriegruppe die Bank Medici 1,6 Prozent hält) oder Wilhelm Hemetsberger (Ex-BA-Vorstand)" . Letzterer habe Madoff einmal "ausführlich befragt - jede Frage wurde ausführlich und zufriedenstellend beantwortet" .

Die BA hatte Primeo-mäßig übrigens Glück. Sie hat laut einemZeugen auch selbst rund 100 Mio. investiert - aber "danach wieder abgezogen". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.6.2009)

Share if you care.