Madoff

FMA zeigt Bank Austria an

17. Juni 2009, 17:35

Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen das Investmentfondsgesetz

Die Finanzmarktaufsicht hat nach der Bank Medici nun auch die Bank Austria bei der Wiener Staatsanwaltschaft angezeigt. Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen das Investmentfondsgesetz.

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Wien - Die Causa Madoff dürfte die Bank Austria (BA) intensiver beschäftigen, als ihr lieb ist. Die Wiener UniCredit-Tochter ist zu 25 Prozent an der Bank Medici vonSonja Kohn beteiligt, hat den Primeo Fonds vertrieben, dessen Gelder zu Bernard Madoff flossen. Die BA war Repräsentant und Zahlstelle des Fonds - und sieht sich nun mit einer Sachverhaltsdarstellung der Finanzmarktaufsicht FMA bei der Justiz konfrontiert. Es geht um den Vorwurf, die BA habe rund um den Primeo-Prospekt gegen das Investmentfondsgesetz verstoßen.

Anlass für die Anzeige waren Einvernahmen aktiver und ehemaliger BA-Mitarbeiter. Daraus habe sich ergeben, dass bei Primeo "die Letztentscheidung über den Anlageprozess an die Bernard Madoff Securities LLC ausgelagert war, wodurch Madoff in die Lage versetzt wurde, zu entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt das Anlagevermögen des Fonds zu investieren gewesen ist" . Diese Rolle Madoffs sei im Prospekt nicht veröffentlicht worden, obwohl "der Repräsentant den Verkaufsprospekt bzw. Änderungen auf Vollständigkeit und Richtigkeit hin kontrollieren muss" . Daraus leite man den "Verdacht ab, dass die (...) Verantwortlichen ein strafbares Verhalten im Sinne des § 44 Abs. 2 Investmentfondsgesetz (falsche, nicht vollständige Darstellung, Verschweigung nachteiliger Tatsachen im Prospekt; Anm.) gesetzt haben" . Wäre der Umstand, dass "in Wahrheit" Madoff entschied, offengelegt worden, "ist davon auszugehen, dass Anleger vom Erwerb dieses Finanzproduktes Abstand genommen hätten" , heißt es. Es drohen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe, es gilt die Unschuldsvermutung.

In der BA kennt man die Sachverhaltsdarstellung noch nicht. Grundsätzlich vertrete man aber die Rechtsansicht, dass der Repräsentant eines ausländischen Fonds zur formellen Prospektprüfung verpflichtet ist, diese Aufgabe habe man erfüllt.

Ob die einfachen Medici-Aufsichtsratsmitglieder die Rolle Madoffs kannten, ist nicht klar. Ferdinand Lacina ("Ich bin kein Fondsspezialist" ) etwa sagte aus, dass ihm "der Name Madoff nicht bekannt" war. Anders der von der BA entsandte Medici-Kontrollor, der freilich auch andere berufliche Anknüpfungspunkte hatte: "Mir war bewusst, dass Madoff die Aktien ge- und verkauft hat." Aber: "Ich kann mich nicht erinnern, dass bei den Sitzungen der Name Madoff erwähnt wurde. In den Protokollen kommt er nicht vor."

Mit Kohn zu Madoff

Bei der BA-eigenen Investmentgesellschaft BA Worldwide Fund Management (WWF; war Advisor für Primeo und hat laut Einvernahmen als Subadvisor Kohns Gesellschaft Eurovaleur beschäftigt; die bekam demnach 20 Prozent der WWF-Erträge) war Madoff bestens bekannt. Ein Ex-WWF-Manager ("Vor meiner Anstellung musste ich mich bei Frau Kohn vorstellen" ) schilderte die Zusammenarbeit so: "Dass Madoff Subcustodian war, wussten wir von Anfang an (...) Im Wissen, wie diese (Madoffs; Anm.) Strategie abläuft, wurde die Befugnis erteilt und darüber eine Fondskonstruktion erstellt. (...) Wir haben nie einen Verdacht gehabt, dass Madoff betrügen könnte. Die Unterlagen, die er geschickt hat, haben immer mit dem Markt übereingestimmt."

Die transatlantische Reisetätigkeit nach New York, wo Madoff arbeitete, war rege. Der Ex-WWF-Manager hat "Madoff ab 2000 zweimal jährlich besucht" , anfangs mit Kohn, später allein oder "mit anderen Leuten von der Bank: Werner Kretschmer (heute Pioneer-Aufstria-Chef), Stefan Zapotocky (früher BA und Börsenchef; heute Bast AG, an deren Industriegruppe die Bank Medici 1,6 Prozent hält) oder Wilhelm Hemetsberger (Ex-BA-Vorstand)" . Letzterer habe Madoff einmal "ausführlich befragt - jede Frage wurde ausführlich und zufriedenstellend beantwortet" .

Die BA hatte Primeo-mäßig übrigens Glück. Sie hat laut einemZeugen auch selbst rund 100 Mio. investiert - aber "danach wieder abgezogen". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.6.2009)

Kommentar posten
23 Postings
Kontrahent1
40
28.6.2009, 13:20
'Hätten nicht angelegt,

wäre ihnen die Sachlage bekannt gewesen'- in Eco dieser Woche konnte man Betroffene sehen und hören, die gerade ganz bewusst bei Madoff anlegten und auch (wie wohl auch Frau Kohn) in direktem Kontakt zu ihm standen. 20% Rendite beeinflusst wohl die Urteilsfähigkeit bei manchen Menschen sehr stark ! Also dieser Vorwurf ist lächerlich.

San Jacinto
03
29.6.2009, 11:04
"ganz bewusst bei Madoff anlegten"

Einige dieser "Betroffenen" werden zur Zeit von Ermittlern der zuständigen Staatsanwaltschaft sehr intensiv vernommen, weil starker Verdacht der aktiven Mitwirkung am "System Madoff" vorliegt. In vielen Fällen dortige "Frau Kohn", sozusagen, die sich, wie sie auch, nun als Opfer darzustellen versuchen.

Über die damalige Einstellung österreichischer Anleger zu Madoff können keine Vermutungen angestellt werden, weil sein Name und seine Rolle als EINZIGER "Kapitalverwalter" verschwiegen wurden, von Bank Austria wie von Bank Medici und Frau Kohn auch.

Oakland Hills
01
23.6.2009, 06:54
Drüben geht es bei solchen Dingen etwas schneller...


http://news.yahoo.com/s/ap/us_s... associates

immogeschaedigte.wordpress.com
 
06
18.6.2009, 12:11
Mein Name ist Hase......

Gut so, daß die FMA nun auch gegen die BA vorgeht. Hoffentlich werden da keine Postendeals vereinbart. Enttäuschend ist die weitere "qualifizierte Ansage" des Exministers F. Lacina als Vorstandsmitglied: "Bin kein Fondsspezialist" und vorher kannte er Madoff auch nicht. So werden die Vorurteile über Politiker noch mehr gefestigt!
http://immogeschaedigte.wordpress.com/

Fritz Wunderlich
00
29.6.2009, 08:54

den fahrnleitner lässt du unter den tisch fallen, warum?

Ceeit
06
18.6.2009, 08:46
Endlich - habe die FMA x-mal aufgefordert Schritte zu setzen

Siehe www.bankaustria-primeo-skandal.com

Langsam fällt das Lügen- und Betrugsgebäuder der BA in sich zusammen. Finger weg von dieser Bank!

bankenfreund
00
18.6.2009, 07:25
wie weiter?

wie kann man nun erfahren was mit der anzeige passiert? wie kann ich mich über verlauf und ausgang selbst informieren?

bitte danke

Ceeit
11
18.6.2009, 08:49
Infos gibt es immer unter

www.bankaustria-primeo-skandal.com

bankenfreund
00
18.6.2009, 12:01
danke

eine sehr wichtige homepage!!!

FatFaceRicky
00
18.6.2009, 03:40

Der 'SubAdvisor' hat 20% der Erträge kassiert? Die Maddoff-Gesellschaft hat wahrscheinlich nochmal mindestens 20% kassiert, und wer weiss wer da noch aller an Kommissionen und Gebühren mitschneidet. Wär mal interessant wieviel Prozente dann tatsächlich bei den Endkunden ankommen. Komplette Abzocke, aber es hat ja anscheinend eh nicht gerade unbetuchte Leute getroffen. Insofern, sskm.

p.s.: gängige HedgeFonds Vergütung ist 20% der Erträge + 1 bis 2% p.a. auf die Substanz.

bankenfreund
00
18.6.2009, 12:09
madoff selbst

hat für das management nichts genommen, somit konnten alles die feederfonds einstreifen die vorgegaukelt haben das management zu machen. das war natürlich ein toller job für die BA und töchter, nichts tun und jedes jahr 2% dafür kassieren. man hat sich schlicht drauf verlassen daß den ganzen job madoff macht (depotbank, management, transaktionen) und das noch quasi gratis. madoff hat zwar belege für seine "transaktionen" geschickt aber daß es für ihn ein leichtes war diese zu fälschen wo er selbst auch noch broker ist ist leider niemand gekommen, oder doch? es gibt ja banken, die nach prüfung von madoff, eine zusammenarbeit mit ihm verweigerten.

mfg

FatFaceRicky
00
18.6.2009, 15:55

In irgendeiner Form wird doch Madoff oder dessen Gesellschaft vergütet worden sein? War ja keine Charity-Organisation..

bankenfreund
00
18.6.2009, 16:48
ja schon

offiziell hat er angeblich gesagt lebt er von den transaktionsgebühren die er selbst als sein eigener broker einnimmt. in wirklichkeit hat er sich halt am kapitalstock bedient, und der ist ja jetzt weg.

mfg

Zivilgeselle
00
18.6.2009, 10:32
Hedge Fonds Abzocke

Da gab es Hedge Fonds von Ex BA Vorständen die 80 % der Erträge abstaubten und ca. 5 % p.a. von der Substanz abgezweigt haben.
Von Ermittlungen wegen Strafanzeigen hört man wenig .......... weil die Masseverwalter und die Aufsicht in Österreich völlig am Sand sind. "Bruck Invest" hat sich dieses oben beschriebene karibische Piratenschiff genannnt ...... Die Anaxo soll eine Anuzeige eingebracht haben ??? Haha, die haben ja selber prächtig abgezweigt und "kontrolliert". Eine Zusammenrottung von falschen Fufzgern und freigesetzten Bankstern.

Erwin Wolfram
010
17.6.2009, 22:19

Verdacht ist gut har har, erinnert mich an Abu Graib, da habens auch noch immer einen Verdacht, sind aber kein Terrorstaat. Bis die Polizei bei der BA antanzt sind die Daten schon 3x korrigiert, die Sicherungen 2x gelöscht und die Mitarbeiter befördert und können sich an nichts mehr erinnern. Die FMA ist ausserordentlich effizient beim decken von Verbrechen. Wenn ein einzelner Händler was falsch macht gibts eine saftige Strafe, wenn eine Bank was falsch macht kriegt jemand aus der FMA einen neuen Job dort. Keine Korruption, nur eine Frage der Qualifikation natürlich.

Karl Grizzl
03
18.6.2009, 09:21

Ja, es ist schon interessant und durchaus nicht selten wie manche ex-FMA Mitarbeiter auf einmal einen guten Job bei einer Bank/Fonds/etc. bekommen. Durchaus nicht außergewöhnlich.

robert rittersmann
01
18.6.2009, 09:03

noch besser, man hat die Daten nach Italien gebracht....

muxel
00
27.6.2009, 03:02
UniCredit Schild bei jeder BA Filiale draufgepappt

... das sagt alles über die Bank "Austria". Finger weg von dieser Bank.

Unsere Daten nach Italien? Nein Danke!

Fu Long
00
17.6.2009, 20:25
Ma doof....!

Karl Krammer
00
17.6.2009, 20:16
der normale Kunde weiß doch bei keinem Fonds,

wer den managed. Es gibt einige Stars unter den Fondsmanagern, aber normalerweise muß man der KAG vertrauen - ein Grund, warum ich nie in Fonds investieren würde. Aber daß irgendjemand nicht in diese Fonds investiert hätte, weil ein gewisser Madoff - bei dem ua ein gewisser Herr Steven Spielberg investiert hat - der Fondsmanager ist? Unwahrscheinlich. Eher im Gegenteil, ein Finanzberater, dem auch die Elie Wiesel Foundation for Humanity ihr Geld anvertraut hat, kann doch nicht schlecht sein.

locken
11
17.6.2009, 19:23
Was ist aus Frau Kohn geworden,hat sie eine Strafe bekommen ??

Ceeit
00
18.6.2009, 09:50
Im laschen Österreich noch nichts -

In den USA hat sich bereits das FBI und die SEC ihrer als Madoff Mittäter angenommen. Zudem hat Sie einen immensen Erklärungsbedarf gegenüber einigen (v.a. aus Russland) sehr aufgebrachten Großinvestoren.
Sie ist aber noch auf freien Fuß.

noch immer ein bisserl fett im kornfeld
00
19.6.2009, 10:40

... freiem fuß!

noch nicht einbetoniert, der fuß?

russen haben ja allerfeinsten zement ...

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