FACC expandiert nach Abu Dhabi

17. Juni 2009, 16:36
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Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer baut ein Werk für Flugzeugkomponenten im Auftrag des Staatsfonds Mubadala und wird dieses Werk künftig betreiben

Paris/Wien - Mit einem aus dem Tourismus entlehnten Finanzierungsmodell expandiert der heimische Flugzeugzulieferer FACC in die Arabischen Emirate. Die Oberösterreicher bauen für die Mubadala Development Company in Abu Dhabi ein Werk für Flugzeugkomponenten in Karbonfaser-Bauweise, das sie dann in der Folge als eine Art Generalunternehmer mit Know-how und Aufträgen versorgen. Bei der Pariser Airshow haben FACC und Mubadala jetzt ihre Partnerschaft bekanntgegeben.

"Das ähnelt der Errichtung eines Hotels durch einen Investor, der dann das Hotel-Management einem Betreiber überlässt", erklärt FACC-Chef Walter Stephan im Gespräch mit dem Standard. Mubadala ist einer von mehreren Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi, der mit einem rund zehn Milliarden Dollar schweren Portfolio unter anderem am Chiphersteller AMD, Ferrari und Piaggio beteiligt ist. Luft- und Raumfahrt wird als strategisch wichtige Entwicklung angesehen.

Mit dem Bau des bereits fertig geplanten Werkes, das eine ähnliche Größenordnung wie das Werk IV von FACC in Ried haben wird, wird noch im Juni begonnen, die Fertigstellung soll Ende 2010 erfolgen. FACC erhält dadurch zusätzliche Kapazitäten, ohne zusätzliches Kapital aufstellen zu müssen, erklärt Stephan. Damit kann FACC weiterhin in der ersten Liga der Zulieferer bei Airbus (für die A380 und die A350) sowie Boeing mitspielen; solche "Tier 1"-Lieferanten entwickeln selbstständig Bauteile und finanzieren diese auch vor, sind damit am Risiko eines Flugzeugprogramms beteiligt.

Durch Mubadala verfügt FACC nunmehr über das nötige Kapital, um diese Position abzusichern, ohne selbst Geld aufstellen zu müssen. Obendrein zählen die Emirate zum Dollar-Raum, wodurch die Kooperation für FACC auch eine Währungsabsicherung bringt, da die Flugzeugindustrie weltweit in Dollar rechnet. "Mubadala hat uns unter zwölf potenziellen Partnern ausgewählt, ursprünglich dachten sie daran, eines der europäischen Werke von EADS zu kaufen", erklärte Stephan. "Die Ambition der Emirate ist es, selbst Flieger zu bauen", sieht er eine langfristige Perspektive in der Zusammenarbeit.

Die Wertschöpfung für FACC aus den in Abu Dhabi gefertigten Teilen beziffert Stephan auf 30 Prozent. Aufträge gehen von Flugzeugherstellern an FACC, diese wiederum kontrahieren mit dem Werk in Abu Dhabi. Dabei "machen wir das ganze Engineering, die Administration, die Kontrolle und liefern direkt an Airbus" , beschreibt der mit fünf Prozent an FACC beteiligte CEO. Vorteile zieht FACC auch aus besserem Materialeinkauf durch die Vergrößerung seiner Reichweite. Stephan beziffert das Volumen der in Abu Dhabi gefertigten Teile mit rund 500 Mio. Dollar in den nächsten 20 Jahren. Aufgrund der vom Emirat mit Airbus getätigten Flugzeugeinkäufe, auch im militärischen Bereich, habe Airbus eine rund eine Mrd. Euro hohe Verpflichtung für Gegengeschäfte.

95 Prozent von FACC gehören nach dem Ausstieg von Skihersteller Fischer seit dem Vorjahr in Form von zwei Gesellschaften gemeinsam den Salinen bzw. dem Industriellen Hannes Androsch sowie der Raiffeisen Landesbank OÖ. Trotz Krise konnte FACC seinen Jahresumsatz mit Ende Februar 2009 auf 264,2 (von 251,9) Mio. Euro steigern. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2009)

  • Die Flügel eines Airbus A380, mit Landeklappenverkleidungen von Flugzeugzulieferer FACC aus Oberösterreich.
    foto: helmut spudich

    Die Flügel eines Airbus A380, mit Landeklappenverkleidungen von Flugzeugzulieferer FACC aus Oberösterreich.

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