Für ÖH "Tür und Tor für Missbrauch" geöffnet

17. Juni 2009, 16:27
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ÖH-Chef Al-Mobayyed sieht "ein paar Fortschritte, Rückschritte aber größer" und fürchtet "Aussieben und Rausprüfen der Studierenden"

Wien  - Ein "paar Fortschritte" sieht der Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Samir Al-Mobayyed, in der von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) vorgelegten Novelle zum Universitätsgesetz (UG), "die Rückschritte sind aber leider größer". Viele Punkte würden "Tür und Tor für Missbrauch" öffnen, etwa bei den geplanten qualitativen Zugangsbeschränkungen für Master- und PhD-Studien oder der Studieneingangsphase, befürchtet Al-Mobayyed von der VP-nahen AktionsGemeinschaft (AG).

Zugangsbeschränkungen

Bei den Zugangsbeschränkungen für Master- und PhD-Studenten will der ÖH-Chef Sicherheit, dass nicht der Notendurchschnitt oder die Studiendauer des vorhergehenden Studiums herangezogen werden dürfen. Eine entsprechende Passage müsse in das Gesetz eingefügt werden. Zudem sollte es für jedes Bachelor-Studium nicht nur - wie geplant - mindestens ein Master-Studium an jeder Uni geben, das ohne weitere Zusatzqualifikationen von den jeweiligen Bachelor-Absolventen belegt werden kann. Dies würde dem Grundgedanken des Bologna-Systems widersprechen. Stattdessen sollten alle facheinschlägigen Masterstudien ohne zusätzliche Qualifikationen belegt werden dürfen, forderte Al-Mobayyed.

"Aussieben und Rausprüfen"

Bei der in allen Studien geplanten Eingangs- und Orientierungsphase ortet der ÖH-Vorsitzende Verbesserungen, die von den Studentenvertretern erreicht worden seien. Dennoch ist die ÖH skeptisch und befürchtet, dass es angesichts stetig steigender Studentenzahlen zum "Aussieben und Rausprüfen der Studierenden" kommt. Bei Missbrauch will die Hochschülerschaft Studierende unterstützen und ihnen Rechtsschutz anbieten.

Als "Katastrophe" bezeichnete Al-Mobayyed die Uni-Finanzierung. Besonders stört den ÖH-Chef, dass den Unis der Entfall der großteils abgeschafften Studiengebühren nicht vollständig ersetzt wird. Dieser Ersatz sei mit 157 Mio. Euro bis 2013 gedeckelt, was angesichts steigender Studentenzahlen "inakzeptabel" sei. Al-Mobayyed fordert deshalb den vollständigen Ersatz der Studiengebühren sowie die baldige Realisierung des Ziels, die Ausgaben für den tertiären Sektor von derzeit 1,3 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Für die Studenten sollten dagegen die Studiengebühren vollständig abgeschafft werden, die Verwaltung der Ausnahmebestimmungen koste mehr als hereinkomme.

Eine Stärkung der Autonomie sieht der ÖH-Vorsitzende durch die UG-Novelle nicht. Der Senat werde vielmehr entmachtet, etwa bei der Rektorenbestellung oder der Entscheidung über Curricula. Zudem würden durch die Neuregelung der Senatszusammensetzung weniger Studentenvertreter in diesem Uni-Leitungsorgan sitzen. (APA)

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