BlackRock wird welt­größte Investmentbank

17. Juni 2009, 15:34
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Ein Tauschgeschäft mit der britischen Barclays macht für den US-Vermögensverwalter den Weg frei an die Weltspitze

London - Die britische Großbank Barclays hat mit einem Tauschgeschäft den Weg für den weltgrößten Vermögensverwalter freigemacht. Barclays nehme das Angebot des US-Vermögensverwalter BlackRock an und wolle ihm die Tochter Barclays Global Investors (BGI) verkaufen. Das teilten die Briten am Dienstagabend in London zwei Tage vor Ablauf eines Ultimatums mit. Barclays wird im Gegenzug Großaktionär bei der neuen BlackRock Global Investors mit Sitz in New York.

Das Tauschgeschäft ist auch für die 410 BGI-Mitarbeiter lukrativ: Sie erhalten durch den Deal 380 Mio. Pfund (446 Mio. Euro). Eine sicher geglaubte Zustimmung der Aktionäre ist umstritten.

Eine Hürde für den Verkauf war zunächst der BGI-Fondsspezialist iShares, der Bestandteil des BlackRock-Deals ist. Die Briten hatten diese Tochter jedoch an die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners in einer Kaufabsicht unter Vorbehalt veräußert. Die Luxemburger sollten eigentlich bis Donnerstag Zeit bekommen, ihr Angebot nachzubessern. Barclays zahlt den Luxemburgern nun aber 175 Mio. Dollar (126,4 Mio. Euro) Vertragsstrafe.

BlackRock hatte Barclays 13,5 Mrd. Dollar angeboten. Die eine Hälfte soll in bar fließen, die andere im Umfang von etwa 19,9 Prozent der BlackRock-Aktien. Die Barclays-Aktionäre müssen dem Tauschgeschäft noch auf einer Hauptversammlung im August zustimmen. BlackRock verwaltet dann mehr als 2,8 Bill. Dollar Vermögen.

Aktien über Bonusplan

Die BGI-Mitarbeiter hatten zuvor über einen Bonusplan Aktien und Aktienoptionen an ihrem Unternehmen erhalten. BGI-Chef Blake Grossman bekommt 55 Mio. Pfund, Barclays-Präsident Robert Diamond 22 Mio. Pfund. Diamond hatte das Geschäft als "aufregende Möglichkeit" für Barclays und BlackRock Global Investors gepriesen. Durch das Tauschgeschäft erhält Barclays dringend benötigtes frisches Kapital.

Barclays-Aktionäre haben die hohen Bonuszahlungen am Mittwoch als "zu großzügig" kritisiert. "Man kann argumentieren, dass Barclays-Investoren übers Ohr gehauen werden", sagte ein anonymer Aktionär der Zeitung "The Guardian". "Anreize sind eine Sache, aber in diesem Fall raubt das Maß einem den Atem", sagte ein anderer.

Finanzminister Alistair Darling wollte unterdessen am Mittwochabend weitere Regulierungen ankündigen, sollten die Banker die Fehler der Finanzkrise vergessen. "Ihr Fokus muss langfristige Vermögensbildung sein, nicht kurzfristige Profite", sagte der Schatzkanzler in seiner jährlichen Mansion-House-Rede an die Bankindustrie laut Manuskript. Barclays hatte bisher keine Staatshilfen in Anspruch genommen, anders als viele Konkurrenten. Bisher nahmen die Royal Bank of Scotland, die Halifax Bank of Scotland und Lloyds TSB insgesamt 37 Mrd. Pfund in Anspruch. (APA/dpa)

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