"Dealer wider Willen?"

17. Juni 2009, 15:37
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Afrikaner in Österreich zwischen Migrationspolitik und Stigmata

Wien - Afrikaner in Österreich im Spannungsfeld zwischen Migrationspolitik und dem Stigma, pauschal als Drogendealer abgestempelt zu werden, war das war das Thema einer Podiumsdiskussion. Anlass war die Präsentation der Neuauflage des Buches "Dealer wider Willen?". Der Bildungsreferent des Wiener Afro-Asiatischen Institutes, Esperance-Francois Ngayibata Bulayumi versucht darin Strategien zu entwerfen, mit denen Menschen schablonenartig als Drogendealer abgestempelt werden.

Als Vater zweier Söhne müsse Bulayumi Angst haben, dass sie verprügelt werden - entweder, weil sie pauschal verdächtigt werden, Drogen zu verkaufen, oder weil sie für Süchtige keinen Stoff dabei haben. Nicht zu Unrecht: Erst Anfang März war in der Wiener U-Bahn ein 27-jähriger, schon lange in Wien lebender Ghanaer, auf seinem Weg zum Arbeitsplatz am Flughafen von mehreren Verdächtigen verprügelt worden, weil er den Tätern keine Drogen verkaufen konnte.

Fehlende Migrationspolitik

Eines der Hauptprobleme sei die fehlende Migrationspolitik: "Einem Land, das keine Migrationspolitik hat, wird das irgendwann einmal teuer zu stehen kommen." Migranten aus Afrika seien "geduldete Menschen: Abschieben nein, hierbleiben ja, Arbeitsgenehmigung nein. Das ist ein Problem."

Ein Beispiel für die nach Meinung Bulayumis mangelhafte Migrationspolitik zeigt sich auf den Unis: Im Jahr 2003 habe es 572 ordentliche Hörerinnen und Hörer aus Afrika in ganz Österreich gegeben, sagte Bulayumi unter Berufung auf Zahlen aus dem Wissenschaftsministerium. Alleine die Technische Universität Berlin hatte in jenem Zeitraum mehr als 270 Studierende aus Kamerun.

Dass Menschen aus den afrikanischen Ländern nach Europa wollen, ist Bulayumi zufolge normal. Die TV-Serie "Reich und Schön" sei praktisch überall zusehen. "Wenn jemand von einem Land hört, wo Milch und Honig fließen, dann will er dort hin. Das ist doch normal", so der Buchautor.

Abwanderung von Rohstoffen und Bildung

Ein weiteres Problem sei das sogenannte "Braindrain". "Die Länder des Südens finanzieren den Wohlstand des Westens. Nicht nur durch Rohstoffe, sondern auch durch Menschen", so Bulayumi. Viele junge Leute mit Studium würden weggehen. Der Vorschlag des Autors: Steuern - zweckgebunden für Entwicklungszusammenarbeit -zu zahlen, Geld das  dann ihren jeweiligen Herkunftsländern zugutekommen.(APA)

Buchtipp: Esperance-Francois Ngayibata Bulayumi: "Dealer wider Willen? Wege afrikanischer Migrantinnen und Migranten nach/in Österreich", 2. überarbeitete Auflage, Wien 2009, aa-infohaus, rd. 140 Seiten, Preis 10.80 Euro, ISBN 978-3-200-01506-7

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