Bei Ausschüttungen lauern Steuerfallen

17. Juni 2009, 17:17
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Ausschüttungen von börsennotierten Unternehmen erfreuen Anleger – vor allem in Zeiten sinkender Aktienkurse

In Zeiten, in denen sich Anleger nicht mehr auf steigende Börsenkurse verlassen können, nimmt das Interesse an jenen Unternehmen zu, die eine Dividende ausschütten. Denn dieser Teil des Gewinnes, der an die Aktionäre ausbezahlt wird, stellt in turbulenten Zeiten für viele Investoren ein Zuckerl dar.

Weil die Dividende aber steuerpflichtig ist - in Österreich fallen 25 Prozent Kapitalertragsteuer an - haben sich zuletzt einige Unternehmen (etwa die Deutsche Telekom) dazu entschlossen, ihren Anteilseignern statt einer Dividende eine Einlagenrückzahlung zu gewähren - die nämlich steuerfrei ist.

Für heimische Anleger ist bei Dividenden und Einlagenrückzahlungen aber zu unterscheiden, ob das jeweilige Unternehmen im In- oder Ausland sitzt. Das kann nämlich Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung haben.

Inland oder Ausland

Dividende Inland Zahlt ein inländisches Unternehmen eine Dividende aus, zieht die depotführende Bank die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent ab. Die Steuerpflicht ist somit erfüllt.

Dividende Ausland Fließt die Dividende von einem Unternehmen aus dem Ausland, muss der Anleger ob der Quellensteuer wachsam sein. Grob gesprochen gilt folgende Regelung: Das jeweilige Ausland zieht die Quellensteuer ab - die heimische Depotstelle behält dann nur noch den Rest auf die 25 Prozent KeSt ein. Werden im Ausland Dividendenerträge beispielsweise nur mit 15 Prozent besteuert, werden diese 15 Prozent bei der Überweisung an die inländische Depotstelle einbehalten, die dann (im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens) die Differenz auf die in Österreich geltende 25-prozentige KeSt abzieht - in diesem Fall also noch zehn Prozent einbehält.

Quellensteuer im Ausland

Anders sieht es aber aus, wenn die Quellensteuer im Ausland höher ist als die 25 Prozent KeSt. Das ist etwa in der Schweiz der Fall, dort liegt die Quellensteuer bei 35 Prozent. In diesem Fall kann der Differenzbetrag auf die 25 Prozent KeSt nur vom Anleger selbst über einen Rückerstattungsantrag im Ausland zurückgeholt werden. Die jeweiligen Formulare dafür können von der Homepage des Finanzministeriums heruntergeladen werden (siehe Webtipp).

Einlagenrückzahlung Inland Diese Form der Ausschüttung erfolgt steuerfrei. Das depotführende Institut überweist den Betrag ohne Abzüge.

Einlagenrückzahlung Ausland Fließt so eine Rückzahlung aus dem Ausland, zieht die heimische Depotbank meist automatisch die 25 Prozent KeSt ab - obwohl dieser Ertrag steuerfrei ist. Denn für die Bank ist nicht erkennbar, dass es sich um steuerfreie Erträge handelt. Der Anleger muss sich in dem Fall die Kapitalertragsteuer durch die Einkommensteuererklärung zurückholen. Zur Anwendung kommt Paragraf 240 der Bundesabgabenordnung (BAO) zur "Rückstattung einer zu Unrecht einbehaltenen KeSt". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.6.2009)

 

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    Ausschüttungen von börsennotierten Unternehmen erfreuen Anleger. In der steuerlichen Behandlung gibt es aber Feinheiten, vor allem, wenn das Geld aus dem Ausland fließt.

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