Gewerkschaft will mehr mitreden

17. Juni 2009, 14:44
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Unterrichtsministerin Schmied will erst im Spätherbt "intensive Verhandlungen" zum neuen Lehrer-Dienstrecht starten

Wien  - Bei den Lehrer-Vertretern regt sich mittlerweile Unmut darüber, dass im Unterrichtsministerium ohne Einbeziehung der Gewerkschaft an einem neuen Lehrer-Dienstrecht gearbeitet wird. "Ich verlange, dass die Lehrer-Vertreter von Anfang an eingebunden werden", so die oberste AHS-Gewerkschafterin Eva Scholik am Mittwoch zur APA. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sagte allerdings im Ö1-"Mittagsjournal", dass sie erst im Spätherbst "intensive Verhandlungen" mit der Gewerkschaft beginnen will.

Schmied geht "guten Mutes in Verhandlungen"

Schmieds Ziel ist nach wie vor, dass das neue Dienstrecht mit Herbst 2010 in Kraft tritt. "Ich gehe guten Mutes in die Verhandlungen." Von Seiten der Lehrer-Vertreter kommen allerdings bereits Zweifel. "Die Ministerin sagt, es wird schon eifrig gewerkt. Das wird die Verhandlungen nachher nicht erleichtern", sagte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, zur APA. Er verglich das Vorgehen mit dem Bau eines Gebäudes: Die Gewerkschaft werde vor ein fertiges Haus gestellt, das man dann vermutlich wegen Problemen in der Praxis schleifen und vom Keller weg neu errichten müsse.

Scholik sprach von "bloßen Ankündigungen der Frau Ministerin", diese "prescht mit ihrer persönlichen Meinung vor". Die Gewerkschafterin glaubt nicht, dass Schmieds Pläne mit dem Regierungspartner ÖVP oder Beamten-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) abgesprochen sind. "Ich habe die Vermutung, dass ihr (Schmieds, Anm.) primäres Interesse das Einsparungspotenzial ist, und nicht ein Dienstrecht, durch das die Lehrer vor Ort ordentliche Arbeitsbedingungen haben", sagte Scholik.

Nachwuchssorgen

Als "fahrlässig" bezeichnete es Riegler, dass Schmied trotz der anstehenden Pensionierungswelle "noch keine einzige Maßnahme gesetzt hat, um Nachwuchs zu suchen". Mangels aktiver Anwerbung für den Lehrberuf sei es "für diesen Maturajahrgang bereits zu spät". Schmied übersehe außerdem offenbar, dass durch die geplante einheitliche Lehrerausbildung mit längerer Studienzeit der Mangel an jungen Lehrern "noch weiter verschärft" werde. Die Situation sei bereits so schlimm, dass manche Landesschulräte älteren Lehrern wegen der Unterbesetzung keinen Umstieg auf ein Teilzeitmodell genehmigen würden, sagte Riegler.

Schmied sprach am Mittwoch in Zusammenhang mit den anstehenden Pensionierungen von einer "Chance, für sehr viele jungen Menschen eine interessante Arbeitsperspektive zu schaffen". Entgegen anderslautenden Berichten plant sie allerdings keine Sonderregelungen, um die Pensionierung von Lehrern zu forcieren. Dass bis 2025 die Hälfte aller derzeitigen Lehrer in Pension gehen wird, ist ein bereits länger bekanntes altersbedingtes Phänomen.

Lehrer auch mit Fortbildung unzufrieden

Auch mit dem Angebot bei der Lehrerfortbildung liegt es laut weiterbilden wollen, dabei habe auch die aktuelle OECD-Lehrerstudie TALIS gezeigt, dass "das Angebot nicht stimmt. Es werden die falschen Themen zum falschen Zeitpunkt angeboten", so Scholik. (APA)

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