Präsolare Körner reisen nicht immer auf Langstrecken

17. Juni 2009, 13:51
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Forscher untersuchten Siliziumcarbid-Körner aus einem Meteoriten - die waren bei weitem kürzer unterwegs als gedacht, ehe sie "verschluckt" wurden

Zürich - Präsolare Körner - vulgo "Sternenstaub" - ziehen nicht nur durchs All, sondern stecken auch im Inneren von Himmelskörpern, die diese Körner bei ihrer Bildung integriert haben - auch in unserer Erde. Ein internationales Forscherteam um Philipp Heck von der Universität Chicago und Rainer Wieler von der ETH Zürich hat sich an die Altersbestimmung von Präsolaren Körnern aus dem Meteoriten Murchison gemacht, der im Jahr 1969 in Australien auf die Erde gefallen war.Und stellte dabei fest, dass diese jünger sind als gedacht.

Herkunft

Präsolare Körner entstehen immer dann, wenn Sterne zerfallen oder explodieren: "In den übrig bleibenden Gaswolken kondensieren Elemente zu winzigen Körnchen", erklärt Wieler. Die Staubkörner fliegen dann für Millionen von Jahren durchs All, bis einige von ihnen schließlich wieder einer Gaswolke beigemischt werden. Entsteht aus dieser Gaswolke ein neues Sonnensystem, werden die Körnchen in die entstehenden Planeten integriert. Auch in der jungen Erde gab es laut Wieler solche Körnchen. Allerdings seien sie heute nicht mehr sichtbar: Denn in der Hitze, die bei der Planetenformung entsteht, werden die Körner aufgeschmolzen und vermischt.

Der Asteroid dagegen, von dem "Murchison" stammt, war so klein, dass er niemals heiß genug wurde, um die Körner zu schmelzen. Deshalb konnten die Forscher insgesamt 22 Siliziumcarbid-Körner untersuchen. Anhand der Konzentration des Edelgases Neon bestimmten sie, wie lange die Körner frei im Weltall geschwebt waren.

Zeiträume

Wie die Forscher im Fachmagazin "Astrophysical Journal" berichten, verbrachten die meisten der untersuchten Körner zwischen drei und 200 Millionen Jahren im interstellaren Raum. "Das ist viel weniger als die bisher von Theorien vorhergesagten 500 Millionen Jahre", sagte Wieler.

Die Verweildauer der Präsolaren Körner hilft den Forschern, die Geschichte von Galaxien zu verstehen. So passe das Alter des Meteoritenstaubes zu einer Theorie, wonach ein bis zwei Milliarden Jahre vor der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren eine besonders rege Sternbildungsaktivität bestanden habe, sagte Wieler. (APA/sda/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    NASA-Illustration: Kristalline Körner werden auf die Reise geschickt.

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