In 19 Fächern gibt es bereits Zulassungsverfahren

17. Juni 2009, 13:17
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Viele scheiden nach Eingangsphase "freiwillig" aus - Drop-out-Quote sinkt später

Wien  Die von der Regierung abgesegnete Novelle zum Universitätsgesetz (UG) sieht ab 2011/12 für alle Studien ohne gesetzliche Zulassungsregeln die Einführung von Studieneingangsphasen vor. Ein Weiterstudium ist nur bei ihrer erfolgreichen Absolvierung möglich. "Light"-Varianten der Studieneingangsphasen sind bereits jetzt an einem Teil der Unis Realität. Das Bestehen aller Prüfungen dieser Phase, die zwischen einem halben und zwei Jahren dauern kann, war bisher allerdings nicht formale Voraussetzung für das Weiterführen des Studiums.

Eigentlich wurde die Schaffung von Studieneingangsphasen bereits im UG von 2002 festgeschrieben. Demnach sollen Studienanfänger in dieser Phase - eine konkrete Dauer wird im Gesetz nicht genannt - "Lehrveranstaltungen aus den einführenden und das Studium besonders kennzeichnenden Fächern" belegen.

"Ins kalte Wasser geschmissen"

An der Uni Innsbruck gibt es bereits seit 2002 bei allen Lehramtsstudien eine Studieneingangsphase. Dabei werden die Studenten schon nach dem ersten Semester "ins kalte Wasser geschmissen werden" und müssen alleine eine Klasse unterrichten, wie Michael Schratz von der Fakultät für Bildungswissenschaften gegenüber der APA erklärte. Ziel sei es, dass Studenten so früh wie möglich erkennen, ob sie tatsächlich für den Lehrberuf geeignet sind. Früher seien diese erstmals im dritten Semester in der Klasse gestanden - mit negativen Folgen: "An der Uni steht das Fach so im Vordergrund, dass früher Leute den Lehrberuf ergriffen haben, die das besser nicht getan hätten."

Die Studieneingangsphase beginnt mit Kleingruppenunterricht mit einem Uni-Lehrer und einem Praktiker, die den Studenten das Spannungsfeld von Theorie und Praxis aufzeigen sollen. Nach dem ersten Semester folgt der zweiwöchige, selbstständige Klassenunterricht. "Dann merken sie, ob sie sich der fachlichen, pädagogischen und didaktischen Herausforderung weiter stellen wollen", so Schratz. Im Semester danach folgt die "Reflexionsphase", bei der die Studenten ihre Stärken und Schwächen einschätzen und vom Lehrer-Team Rückmeldung bekommen. Seit Einführung der Studieneingangsphase würden 20 bis 30 Prozent der Lehramtsstudenten freiwillig ausscheiden. Bei jenen, die weiterstudieren, ist laut Schratz die Drop-out-Quote deutlich gesunken.

Zulassungsprüfung plus Eingangsphase

An der Technischen Uni (TU) Wien wurde durch die Schaffung einer Studieneingangsphase in allen Bachelorstudien das erste Studienjahr moderat verschult. In dieser Zeit wird großer Wert auf Leistung gelegt. Allerdings nicht, um Studenten am Weiterführen des Studiums zu hindern, meinte TU-Vizerektor für Lehre, Adalbert Prechtl. Ziel sei vielmehr, mehr Verbindlichkeit zwischen Studenten und der Uni zu schaffen. In den meisten Fächern gebe es eher zu wenig als zu viele Studenten, allerdings werde die TU etwa im Fach Architektur von Studenten regelrecht überschwemmt. "Jedes Jahr beginnen 800 Studenten, viele verlieren wir im Laufe des Studiums. Es muss ihnen früher klar gemacht werden, was das Architektur-Studium bedeutet", so Prechtl.

Dasselbe Ziel hat man an der Psychologie-Fakultät der Uni Wien: Nach erfolgreicher Zulassungsprüfung (in der Psychologie gibt es eine Beschränkung auf 480 Plätze im Winter- und 120 Plätze im Sommersemester) müssen die Studenten in der einsemestrigen Eingangsphase eine Reihe von Grundlagenfächern belegen, die Voraussetzung für weitere Fächer sind. Zusätzlich können sie seit 2007 freiwillig am Projekt "Cascaded Blended Mentoring" (CBM) teilnehmen. Die Idee: Bei mehreren Treffen und über E-Learning-Elemente sollen die Neulinge beim Einstieg ins Studium unterstützt werden. Sie lernen u.a. im Team zu arbeiten, ihre Zeit einzuteilen und können herausfinden, ob das Studium für sie das Richtige ist. Laut Studienprogrammleiterin Brigitte Lueger-Schuster nahmen im vergangenen Wintersemester "nahezu hundert Prozent" der Studenten teil.

An der Universität für Bodenkultur in Wien gibt es bei den Diplom- und Bachelorstudien Vorlesungen und Übungen, die innerhalb von drei Semestern absolviert werden sollen. Bei Studenten der Landschaftsplanung und -architektur kommen noch Einführungsübungen im Freiland dazu. Prüfungen aus späteren Studienabschnitten können trotzdem vorgezogen werden. An der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien müssen bereits alle Studenten der Bachelorstudien Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und des Wirtschaftsrechts eine zweisemestrige einheitliche Studieneingangsphase absolvieren. Ein Teil der Prüfungen aus dieser Phase muss bewältigt werden, bevor man Lehrveranstaltungen aus dem zweiten Studienabschnitt bzw. den vier verschiedenen Studienzweigen der Wirtschaftswissenschaften besuchen kann.

Auch an der Montan-Universität Leoben sind bis auf wenige fachspezifische Lehrveranstaltungen die ersten beiden Semester für alle Bachelor- wie Diplomstudenten gleich. In einer Ringvorlesung bekommen sie Einblick in alle montanistischen Studienrichtungen und deren wichtigste Inhalte. Man muss aber nicht alle Prüfungen geschafft haben, um weiterstudieren zu können, hieß es aus der Studienabteilung.

Neben Studieneingangsphasen gibt es an österreichischen Unis auch einzelne Prüfungen, die über die Zulassung zum Studium entscheiden. Im Wintersemester 2007/08 wurden laut Angaben des Wissenschaftsministeriums an zehn Unis für 21 Studien Zulassungsverfahren durchgeführt, 2008/09 waren es 19. Beim Großteil handelte es sich dabei um Aufnahmeverfahren noch vor der Zulassung zum Studium, wie etwa in den künstlerischen Studien und Sportwissenschaften. (APA)

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