Uni-Reform

Rektoren: "Große Brocken teils nicht mal angeschnitten"

17. Juni 2009, 13:07
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    foto: apa/gindl

    Auch nach der Novelle des Uni-Gesetzes 2002 bleibt die gesetzliche Grundlage für unsere Hochschulen eine Baustelle.

Kapazitätsprobleme bleiben laut Badelt ungelöst - Universitätsautonomie wurde nicht weiterentwickelt

Wien - Einige positive Aspekte und viele Verbesserungen im Vergleich zu früheren Entwürfen bringt die im Ministerrat beschlossene Novelle zum Universitätsgesetz (UG) aus Sicht der Universitätenkonferenz (uniko). Doch "die großen Brocken wurden teilweise im Gesetz noch nicht mal angeschnitten", kritisierte Rektorenchef Christoph Badelt am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten. Er hob besonders die weiterhin ungelöste Frage hervor, wie die Unis mit Kapazitätsproblemen umgehen sollen.

Kapazitätsprobleme

Badelt bemängelte, dass das Gesetz für einige Probleme infolge der Beschlüsse vom September 2008 (u.a. teilweise Aufhebung der Studiengebühren, Anm.) keine adäquate Lösung biete. Wie in Massenfächern ohne Zugangsbeschränkung mit dem Studentenansturm umgegangen werden soll, sei weiterhin offen. Doch die Rektoren hätten "immerhin erreicht, dass der Gesetzgeber die Existenz von Kapazitätsproblemen nicht verbietet. Jetzt wird sie nur noch ignoriert", so Badelt. Positiv bewertete er in diesem Zusammenhang die Einführung qualitativer Zugangskriterien für Master- und Doktoratsstudien, bemängelte allerdings deren Befristung bis 2016. Er sei völlig aufseiten des Gesetzgebers, dass es keine Knock-Out-Prüfungen geben soll, so Badelt. Die Studieneingangsphase bewertete er prinzipiell positiv, "aber zu glauben, dass wir das Kapazitätsproblem lösen können durch mehr Orientierung, ist vermessen."

Selbstdarstellung der Politik

Badelt sieht vor allem finanzielle Fragen ungeklärt, etwa wie die Unis ohne zusätzliches Budget die im Gesetz fixierten Verbesserungen der Studienbedingungen realisieren sollen. "Mich stört die Selbstdarstellung der Politik zu glauben, wenn ich das ins Gesetz hineinschreibe, ist das Problem gelöst".

Auch dass der Bund nicht wie im September 2008 versprochen alle Kosten übernehmen will, die durch den Entfall von Studiengebühren entstehen, ist für Badelt ein Problem. Zwar sei es den Rektoren etwa gelungen, ein Mindestniveau bei der Refundierung sicherzustellen, bei einem zu erwartenden starken Anstieg bei den Studentenzahlen aufgrund der Wirtschaftslage, etc. würden die Gebühren aber nicht abgegolten. "Und was nach 2013 passiert, steht in den Sternen", sagte er. Laut Badelt wurde von Wissenschaftsminister Johannes Hahn jedoch bei "ein paar Punkten versprochen, die Probleme noch im parlamentarischen Prozess zu lösen". Als Beispiel nannte er den Ersatz von Mehrkosten, die durch die Aufhebung von quantitativen Beschränkungen bei Studien wie Wirtschafts- oder Kommunikationswissenschaften entstanden sind. Lob gab es von ihm dafür, dass in der Novelle die "Traumzahlen" vom September 2008 bei den Studienplätzen für Medizin und Psychologie, die eine starke Anhebung bedeutet hätten, "relativiert" wurden.

Universitätsautonomie nicht weiterentwickelt

Als Weiterentwicklung der Universitätsautonomie, wie von Hahn angekündigt, sieht Badelt die UG-Novelle nicht. Die neu eingeführten jährlichen Gestaltungsvereinbarungen würden etwa eher einen Eingriff des Ministers in die Autonomie bedeuten. Allerdings sei es im Vorfeld in diesem Bereich gelungen "weitreichende, geplante Einschränkungen" zu verhindern. "Ich anerkenne, dass die Regierung in den letzten Wochen um Konsens bemüht war." Zu den Verbesserungen im Vergleich zu früheren Entwürfen zählte Badelt, dass nur zwei statt der geplanten fünf Prozent Budgetreserve einbehalten werden. Er lobte auch die Umstellung aller Studien auf das Bachelor-Master-System, die Flexibilisierung bei Berufungsverfahren von Professoren und zeitlich befristeter Professuren, die Klärung der Kompetenzen von Rektorat, Senat und (dem nun doch nicht gestärkten) Rat sowie die neu geschaffene Möglichkeit, dass der qualifizierte Mittelbau Leistungsfunktionen übernehmen darf. (APA)

lessismore
03
18.6.2009, 01:58

Angesichts der Wirtschaftskrise frage ich mich allmählich, wozu die WU überhaupt gut ist.

Tante Luise schneid die Tortn an
 
02
18.6.2009, 13:09
Sind Sie verrückt?

Die WU ist essentiell notwendig! - Stellen Sie sich mal vor, die TypInnen die dort studieren, würden auf die "echte" Wirtschaft losgelassen!

Da ist es allemal besser sie verplempern 10 - 15 Semester an der WU und werden danach ... Taxler, Pizzabote, Kieswegsäuberer oder Journalist ... ;-)

"Probleme die nicht einmal ignoriert werden!" ... good old Austrian tradition ... würd ich sagen ... ;-)

Ähnlich wie:

Es wird schon besser werden

oder

Das entwickelt sich

oder

Bevor wir was Falsches machen

oder

da richten wir eine Expertengruppe ein ... ;-)

Freigeist78
00
18.6.2009, 14:55

Es geht ohnehin maximal die Hälfte nach dem Studium in die "Wirtschaft", die andere Hälfte berät sie dann dabei aus irgendwelchen Consulting-Unternehmen heraus. ;)

chem
00
18.6.2009, 12:00
Das frage ich mich schön länger !!

Wesentliches (Un)Wesen
02
17.6.2009, 22:47

"aber zu glauben, dass wir das Kapazitätsproblem lösen können durch mehr Orientierung, ist vermessen."

Wenn es wenigstens wirklich mehr "Orientierung" wäre - es ist jedoch lediglich Schikane.

hugo wiener2
10
17.6.2009, 15:53
eltern haften...

eltern haften nur für ihre kinder, wenn sie ihre aufsichtspflicht verletzt haben! und kleine kinder ab 6 jahre traut man zu sich auch alleine im hof aufzuhalten (und vielleicht dann unsinn zu machen).
also endlich weg mit dem schild.

genauso grauslich wie. wir bitten um ihr verständnis.
nein, ich habe kein verständnis. wie wärs mit. ES TUT Uns leid?

smea_gol
03
17.6.2009, 14:57

Es passiert ein Rückschritt in der österreichischen Wissenschaftslandschaft, die uns zurück ins 17. Jahrhunder führt....

und was sagt Hr. Badelt?
das er lieber ins finstere Mittelalter möchte...

rege Kommentare ausdrücklich erwünscht.

Freigeist78
00
18.6.2009, 15:09

Eigentlich ist das Klima in der Universitätslandschaft reif für ein zweites 1968. Nur haben die ganzen mehr oder weniger subtilen Mechanismen von Macht und Kontrolle, die sich in den Reformen der letzten Jahre widerspiegeln im Sinne der Erfinder gewirkt. Es wollen alle nur noch eine Berufsausbildung, möglichst schnell, schauen nicht links, nicht rechts, politisches Engagement ist sowieso pfui, umfassende emanzipatorische Bildung, was ist das...
Die SPÖ ist intellektuell so ausgeronnen, dass ihnen die Abschaffung vieler in den 70ern von ihnen selbst eingeführter Demokratisierungen an den Unis nicht mal aufgefallen ist. Danke Broukal, Niederwieser, Höllinger.. Die Grünen sind nur noch mit sich selbst befasst... Nur die ÖVP ist hochzufrieden.

Herzibinki
03
17.6.2009, 13:58
was war schon zu erwarten?

seit mehr als einem Jahr kündigt der Herr Hahn Konzepte für den Tertiärbereich an: nichts geschieht!
Der Mann ist schlichtweg überfordert, überspielt das aber teilweise mit dem "Wiener Schmäh" - das aber ist für die Wissenschaft zu wenig!

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