Mit dem Auto ans Meer

17. Juni 2009, 11:45
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Rund 2.333 Euro gibt ein österreichischer Haushalt für den Urlaub aus. Beliebtestes Urlaubsziel ist und bleibt das Meer, Onlinebuchungen boomen

Wien - Die Finanzkrise hat die Österreicher in ihrem Reiseverhalten kaum eingeschüchtert - allerdings ist eine deutliche Spargesinnung erkennbar. Die Urlauber vergleichen verstärkt die Preise und bevorzugen Länder, in denen der Euro einen höheren Wert hat. Obwohl die Österreicher heuer knausriger sind und im Schnitt um 93 Euro je Haushalt weniger ausgeben, liegen sie mit einem durchschnittlichen Urlaubsbudget von 2.333 Euro an der europäischen Spitze, geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts IPSOS im Auftrag der Marketing-Agentur Europ Assistance hervor.

Das Europ-Assistance-Urlaubsbarometer analysiert die Urlaubspläne von 3.500 Europäern aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien und Österreich.

Das Durchschnittsbudget, das europäische Konsumenten heuer für ihren Urlaub einplanen, liegt bei 2.066 Euro. Das sind um 6 Prozent (140 Euro) weniger als im Vorjahr. Außer den Belgiern - mit stabil 2.228 Euro in der Urlaubskasse - wollen alle europäischen Urlauber ihre Ausgaben zurückfahren.

Am meisten sparen die Briten und kappen ihr Urlaubsbudget dieses Jahr um 14 Prozent (354 Euro) auf 2.230 Euro. Dies ist unter anderem auch auf den starken Verfall des britischen Pfunds gegenüber dem Euro zurückzuführen.

Während 60 Prozent der Italiener angeben, dass die Finanzkrise einen starken Einfluss auf das Urlaubsbudget hat, sind es in Österreich nur 18 Prozent. Waren aber letztes Jahr noch 29 Prozent der Befragten in Österreich bereit, mehr als 2.500 Euro für ihren Urlaub auszugeben, sind es heuer nur noch 26 Prozent.

Europäer urlauben 2009 weniger

In den europäischen Vergleichsländern planen heuer weniger Konsumenten einen Urlaub als im Vorjahr. Die Österreicher hingegen bleiben auf ihrem niedrigen Niveau von 62 Prozent. Nur die Deutschen sind laut Statistik noch größere Reisemuffel (56 Prozent). 21 Prozent der Europäer (18 Prozent der Österreicher) werden diesen Sommer dafür sogar mehrmals verreisen.

Am häufigsten (39 Prozent) wird in Österreich ein zweiwöchiger Urlaub gebucht, für eine Woche verreisen 36 Prozent. Verdoppelt hat sich allerdings der Anteil jener, die für eine kürzere Zeit Ferien machen wollen (16 Prozent). Kurzaufenthalte scheinen also wieder populärer zu werden.

Europa stellt dabei auch Sommer 2009 das Hauptreiseziel der Österreicher dar (81 Prozent), der Anteil der Asien-Reisenden hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 2 Prozent gedrittelt. Die Österreicher erweisen sich beim Urlauben als relativ schwache Patrioten - nur 27 Prozent verbringen die Ferien in der Heimat. Zum Vergleich: Mehr als doppelt so groß ist der Anteil der Urlauber im eigenen Land bei den Italienern (68 Prozent) und bei den Spaniern (67 Prozent).

Erholung und Entspannung sind gefragt

Die Mehrheit sucht im Urlaub Erholung und Entspannung. Im Ranking der gewünschten Kulisse für den Urlaub hat sich kaum etwas verändert - beliebt sind das Meer, ländliche Gebiete, Berge und fremde Städte. Der Urlaub am Meer ist immer noch der Traum der Europäer (64 Prozent) und Österreicher (60 Prozent). Vor allem die Italiener (75 Prozent) zieht es an den Strand. Dafür sind die Italiener (6 Prozent) für einen Urlaub auf dem Land kaum zu begeistern; davon träumen eher die Österreicher (22 Prozent) und die Belgier (25 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Österreicher (55 Prozent) tritt den Urlaub mit dem Auto an, 40 Prozent mit dem Flugzeug - gegenüber dem Vorjahr sind hier keine Änderungen feststellbar. Die Entscheidung über die Destination fällt hauptsächlich aus budgetären und klimatischen Erwägungen. Naturkatastrophen, terroristische Anschläge und lokale Epidemien haben immer nur einen sehr kurzfristigen Einfluss auf die Entscheidung und sind meist vergessen, wenn die Medien aufhören, darüber zu berichten.

Onlinebuchungen boomen weiterhin

Die Hälfte aller Europäer verwendet das Internet, um den Urlaub zu buchen. Die Online-Reservierung der Traumreise erfreut sich stetig steigender Beliebtheit in Europa - gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Anteil um 3 Prozentpunkte auf 50 Prozent, gegenüber 2005 betrug der Zuwachs 22 Prozentpunkte. Federführend bei der virtuellen Buchung sind - wie jedes Jahr - vor allem die Briten (60 Prozent).

Aber auch in Österreich wird das Internet mittlerweile von 48 Prozent als Informationsquelle und zur Buchung genutzt). Nur noch 35 Prozent nutzen das klassische Reisebüro. 

Indivudualität ist gefragt

Der Trend scheint wieder weg vom Pauschalurlaub zu gehen, hin zu selbst zusammengestellten Paketen, die bereits etwa drei Viertel der Urlauber für sich schnüren. Die meisten Europäer, die befragt wurden, planen den Urlaub weit im Voraus. Vor allem die Deutschen (78 Prozent; +1 Prozentpunkt) und Österreicher (75 Prozent) scheinen keine Freunde der Spontanreise zu sein und planen schon Monate früher. Ein Viertel hingegen zeigt Spontaneität und entscheidet sich in letzter Minute.

"Diese Studie zeigt, dass sich der Österreicher von Krisen kaum beeindrucken lässt und auch seine sonstigen Sorgen und Ängste im europäischen Vergleich gering sind. So kann die Reisebranche auf eine rasche Erholung hoffen, wobei vor allem im Internet hohe Wachstumsraten zu erzielen sind", fasste Europ-Assistance-Geschäftsführer Jean-Francois Diet zusammen. Das klassische Reisebüro habe noch lange nicht ausgedient, müsse aber den Spagat zwischen echtem Mehrwert gegenüber dem Internet und günstigem Preis bewältigen. (APA)

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    Urlaub am Meer ist für viele noch immer das Non plus Ultra.

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