Angeblich 800 neue Fotos

17. Juni 2009, 12:47
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Lynndie England ist bekannt als Gesicht zum Folterskandal in Abu Ghraib - Jetzt behauptet sie in einem Interview, noch mehr Dokumente der Entgleisungen zu besitzen

Die junge Soldatin dreht ihren Kopf zur linken Seite. Sie blickt eine Hundeleine entlang, deren Ende um den Hals eines nackten Mannes geschlungen ist. Die damals 21-jährige Lynndie England steht in einem Gang des US-Militärgefängnisses Abu Ghraib im Irak. Dieses Foto ging vor vier Jahren um die Welt. Gemeinsam mit ihrem damaligen Vorgesetzten und Geliebten Charles Graner war England das Gesicht zum Folterskandal im Jahr 2004. England wurde 2005 zu drei Jahren Haft verurteilt. Im März 2007 kam sie auf Bewährung frei.

Leid tue ihr das, was in Abu Ghraib passiert sei, nicht. „Alles was ich gemacht habe, war auf dem Foto zu sein. Wenn ich mich entschuldigen würde, wäre das ein Schuldeingeständnis, aber ich bin nicht schuldig. Ich habe nur meine Pflicht getan", sagt sie in einem Interview mit der Tageszeitung "Daily Mail". Außerdem habe sie noch mehr als 800 weitere Fotos.

Schaden anrichten

Die Bilder würden bei einer Veröffentlichung dem Weißen Haus und der US-Armee großen Schaden zufügen. Es ist nicht klar, ob die Fotos, die sich derzeit in einem Tresor befinden, zu den hunderten Fotos zählen, deren Veröffentlichung Präsident Obama zurückhält. Englands Anwalt, Roy T. Hardy, bestätigt die Existenz der Fotos. In wessen Besitz die Bilder sind und wer aller Kopien davon hat, ist nicht bekannt.

Gary Winkler, der Autor von Englands Biografie, will gegenüber der Daily Mail nicht ausschließen, dass England die Fotos an den höchstbietenden verkaufen könnte.

Heut lebt England gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn, der aus der Affaire mit Graner stammt, in einem Wohnwagenpark in Fort Ashby im US-Bundesstaat West Virginia.

Vergewaltigungen unter nicht veröffentlichten Bildern

Unter den Fotos von Gefangenenmisshandlungen im Irak, die von der US-Regierung von Präsident Barack Obama weiter unter Verschluss gehalten werden, sind nach Angaben eines früheren US-Generals auch Bilder von Vergewaltigungen. Ex-Generalmajor Antonio Taguba, der die Untersuchungen zu den Misshandlungen im berüchtigten Gefängnis von Abu Ghraib leitete, sagte der Londoner Zeitung "The Daily Telegraph", er unterstütze die Entscheidung Obamas, die Bilder nicht zu veröffentlichen. 

Freigabe gefährde Sicherheit der US-Truppen

Die Freigabe der Fotos könne nur zu juristischen Klagen führen und gefährde die Sicherheit der US-Truppen. "Die Beschreibung der Bilder ist schon schlimm genug, glauben sie mir", sagte Taguba. Laut "Daily Telegraph" zeigen die Bilder schlimmere Vergehen als bisher bekannt. Eines zeige, wie ein US-Soldat eine Gefangene vergewaltige, ein anderes wie ein männlicher Übersetzer einen männlichen Gefangenen vergewaltige.

Die US-Menschenrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) klagt seit Jahren, um eine Freigabe der Bilder zu erreichen. (APA/AP/red, derStandard.at, 17.6.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lynndie England auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2005.

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