Seifenoper im Hause L'Oreal

17. Juni 2009, 10:51
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In der Familienfehde um Milliarden steht Liliane Bettencourt, die 86-jährige Erbin des Unternehmens, im Zentrum

Paris - Eifersucht, Intrigen und Streit um Millionengeschenke: Die Familienfehde im Haus L'Oreal erinnert immer mehr an amerikanische Hollywood-Dramen. Denn nach monatelangem Prozess der Tochter gegen ihre 86-jährige Mutter und Milliarden-Erbin ist die Geschichte um eine der reichsten Frauen der Welt und einen Jet-Set-Fotografen, wieder um ein weiteres Kapital reicher. Presseberichten zufolge, könnte die L'Oreal-Erbin nun womöglich doch nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gewesen sein, als sie ihrem langjährigen Freund Francois-Marie Barnier Geld, Bilder und Vermögensgegenstände im Wert von 993 Mio. Euro übertragen hat.

Bisher konnte sich Liliane Bettencourt, eine der reichsten Frauen der Welt, hinter einem Gutachten eines Arztes verstecken, der sie im Februar diesen Jahres zwei Stunden untersucht hat und in seinem Bericht über ihre geistige Zurechnungsfähigkeit schrieb: "Ihr neurophysischer und physiologischer Zustand ist stabil und zufriedenstellend." Nun tauchen in den Medien Gutachten auf, die aus den Jahren 2002 und 2007 stammen, und das Gegenteil behaupten: Von Gedächtnislücken ist darin die Rede und kognitiven Störungen, das heißt Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit.

Vor diesem neuen Hintergrund wird auch verständlich, warum die elegante Dame, die als freigiebig gilt, den jüngsten Vorschlag des Untersuchungsrichters ablehnte, sich einer neuen Begutachtung einer Ärztegruppe zu unterziehen.

Das Vermögen der L'Oreal-Erbin wird auf bis zu 16 Mrd. Euro geschätzt. Die rund 1 Mrd. Euro, die die 86-jährige Kunstliebhaberin und Philanthropin - sie gründete die Bettencourt-Schueller-Stiftung zur Förderung der Forschung - dem Fotografen geschenkt hat, fallen dabei kaum ins Gewicht. Unverständlich scheint deshalb das angestrebte Verfahren der Tochter Francoise, zumal Liliane Bettencourt ihr das ganze Vermögen vermachen wollte. Das zumindest erklärte die alte Dame noch bis vor wenigen Monaten.

Doch wenn es der 55-jährigen Tochter nicht ums Geld geht, um was dann? Um Eifersucht oder tiefe Abneigung gegen den Künstler, wie die Milliardärin vermutet? Ihre Tochter sei sehr verschlossen, die Extrovertiertheit von Barnier, der als Dandy gilt, würde sie nerven, meinte die 86-Jährige. Der Profiteur Barnier, der mit seiner Kamera Mick Jagger, Karl Lagerfeld und Caroline von Monaco verewigte, hüllt sich desweilen in Schweigen.

Francoise Bettencourt-Meyers jedoch lässt von dem Verfahren nicht ab. Sie mache sich Sorgen, dass ihre alte Mutter die Kontrolle über das Vermögen verliere, meinte sie. Denn ihre Mutter ist Großaktionärin des L'Oreal Kosmetikriesen und besitzt 30 Prozent der Stimmrechte. (APA/dpa)

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