Monumentale Sternen-Kalender der Steinzeit

16. Juni 2009, 20:41
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Ein Team rund um Wolfgang Neubauer von der Interdisziplinären Forschungsplattform Archäologie (Vias) konnte die steinzeitlichen Kreisgrabenanlagen in Niederösterreich - sie gehören zu Europas ältesten Monumentalbauten - eins zu eins am Computer nachbauen. In ihrem laufenden FWF-Projekt Astrosim (läuft bis 2011) wollen er und sein Projektmitarbeiter, der Informatiker und Astronom Georg Zotti, durch die Kombination von archäologischen und astronomischen Daten aufzeigen, dass die Kreisgrabenanlagen als eine Art steinzeitlicher Kalender dienten.

Um diese These zu untermauern - oder zu falsifizieren -, musste Georg Zotti zunächst mithilfe astronomischer Computerprogramme den Sternenhimmel "zurückrechnen": "Denn die Position der Sterne verschiebt sich im Laufe der Jahrhunderte", so der Astronom. Das Ergebnis: Jeweils eines der Tore markiert den Aufgang des Siebengestirns (Plejaden), das andere den fast gleichzeitigen Untergang des Sterns Antares. Kalendarisch interessant ist dieses Ereignis vor allem als sogenannter "heliakischer Aufgang" am frühen Morgen wenige Tage nach Frühlingsbeginn. "Gab der Himmel damit ,grünes Licht' für die Frühjahrsaussaat?", spekuliert Zotti. Andere Tore markieren offenbar, wie schon früher behauptet, markante Sonnenauf- und Untergänge, etwa die Sonnenwenden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 17.06.2009)

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