Politik einig über Seestadt-Umbau

16. Juni 2009, 19:25
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Der Bahnhof weicht einem Öffi-Terminal, der größte Parkplatz der Stadt Geschäftshäusern und Wohnungen

Die Verbindung zum See wird besser. Und ganz neu: Alle Fraktionen sind dafür.

Bregenz – Nach dem Streit um den Hafenumbau samt von der SP initiierter Volksabstimmung bot sich den Bregenzern am Dienstag ein ungewohnter Anblick: Bürgermeister Markus Linhart (VP), Vizebürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne) und Oppositionschef Michael Ritsch (SP) gemeinsam auf einem Podium, einen einstimmigen Beschluss präsentierend: den Masterplan für die Überbauung des Seestadtareals. Dieser Plan, erarbeitet von den Architekten Helmut Kuess, Carl Fingerhut und Martin Riepl ist Basis für ein architektonisches Konzept und Beginn eines ehrgeizigen Stadtentwicklungskonzeptes.

20 Jahre lang war das "Seestadtareal" unbebaut. Versuche, aus dem Areal in bester Lage mehr als einen Parkplatz zu machen, scheiterten an politischen Querelen, Anrainern und fehlender Innovationsbereitschaft. Vor zwei Jahren wurde mit Bernhard Ölz und seinem Stadt- und Regionalentwicklungsunternehmen Prisma ein Investor gefunden. 70 bis 75 Millionen Euro werden in die Überbauung des 26.000 Quadratmeter großen Areals gesteckt, Geschäftshäuser und Wohnungen sollen in mehreren Bauphasen bis 2013 entstehen.

Weil in Bregenz bei jedem größeren Bauvorhaben mit erbittertem Widerstand von Bürgern oder Opposition gerechnet werden kann, setzte Ölz von Anfang an auf Transparenz und Kooperation. Alle Fraktionen wurden ins Boot geholt, ein Bürgerrat (nach Zufallsprinzip zusammengestellt) eingerichtet, zahlreiche öffentliche Veranstaltungen durchgeführt. "Wir haben da ein Modell Bregenz entwickelt", sagt Ölz. "Viele Abende und Nächte" habe er in Diskussionen verbracht, "aber das Ergebnis zeigt, dass sich Geduld lohnt."

Das meint auch die Politik. Michael Ritsch (SP): "Dr Prozess zeigt, dass ein Mehr an Einbindung, das wir immer wieder einfordern und selten genug bekommen, gute Ergebnisse bringt." Bürgermeister Markus Linhart (VP) sieht einen weiteren Vorteil im langen Diskussionsprozess: "Dadurch konnte die ÖBB mit in die Überlegungen einbezogen werden." Die Bahn ist nun nämlich bereit, den Bahnhof umzubauen, 15.000 ihres Areals auf den Markt zu bringen. Damit kann die Bregenzer Innenstadt mit der Vorstadt architektonisch verbunden werden.

Öffis statt Parkplatz

Statt des Bahnhofs entsteht ein Terminal für alle Öffis, sogar eine Straßenbahn könnte hier Platz finden. Die Neuausrichtung auf öffentlichen Personennahverkehr, Radler und Fußgänger entspricht einer jahrelangen Forderung der Grünen. Vizebürgermeister Gernot Kiermayr: "Unser wichtigstes Anliegen ist die Durchlässigkeit des neuen Areals für Radler und Fußgänger." Die Grünen wollen das neue Verkehrskonzept bereits in der ersten Bauphase verwirklicht sehen.

Mehr Platz für Öffis war auch ein Wunsch des Bürgerrates – und ein neuer Übergang zum See. Der soll gebaut werden. Barrierefrei und vielleicht sogar mit Geschäften. Ob aus Bregenz Florenz wird, hängt von den Architektenentwürfen ab. Auch wie hoch der "kleine Turm" (Ölz) am Bahnhof wird. Denn der Masterplan sieht ein "Hochhaus", seit den 60er-Jahren tabu in Bregenz, vor. Und einen "Campus der Ideen". Die Workshops dazu starten demnächst. (Jutta Berger, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.06.2009)

  • Parkplatz in 1a-Lage. 20 Jahre leistete sich Bregenz diesen Luxus - nun
wird gebaut. 2013 soll der neue Stadtteil stehen. Und mit ihm ein neues
Öffi-Konzept mit Terminal.
    foto: dietmar stiplovsek

    Parkplatz in 1a-Lage. 20 Jahre leistete sich Bregenz diesen Luxus - nun wird gebaut. 2013 soll der neue Stadtteil stehen. Und mit ihm ein neues Öffi-Konzept mit Terminal.

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