Schule im Sommerloch

16. Juni 2009, 19:09
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Dokusoap übers "(Um-)Erziehen": Schulabbrecher sollen in vierzehn Wochen zum Hauptschul- abschluss geführt werden

Gelbe Karte bedeutet Verwarnung, rote Karte Ausschluss. Im Fußball muss das nicht weiter erklärt werden, im Schulbetrieb ist das weniger gebräuchlich. Unentschuldigt zu fehlen, den Unterricht zu stören und das Handy zu benutzen ist tabu. Das klingt schon eher nach Schule.

Die Regeln seien okay und eben notwendig, zeigt sich Dilara (16) überzeugt. In "Die Superlehrer" sollen vier Lehrer und eine Sozialpädagogin Dilara und fünfzehn weitere Schulabbrecher in vierzehn Wochen zum Hauptschulabschluss führen. Die "letzte Chance", aus dem eigenen Leben noch etwas zu machen, wolle man nutzen, wird einhellig erklärt. Auf dem Poster im Klassenzimmer steht in fetten Lettern: "Yes we can".

Die Superlehrer startete am Montag. Sat 1 baut mit der neuen Sendung auf ein leidlich bekanntes TV-Konzept: Eine Dokusoap über das "(Um-)Erziehen" von schwierigen Jugendlichen vor laufenden Kameras.

Die Probleme der gecasteten Schüler kennt man aus ähnlichen Formaten: Zerrüttete Familien, Gewalt, Alkohol, Drogen, Flucht in Computerspiele. Dilara ist von mehreren Schulen geflogen, lebt bei ihrer Schwester, der Vater hat Drogenprobleme, die Mutter schert das alles nicht. Nicole (20) prügelt sich regelmäßig; unter anderem mit ihrer Mutter.

Für den Sendungsverlauf bedeutet das vor allem eines: Unfrieden. Die Schüler widersetzen sich den Lehrern, diese ermahnen und zücken die erwähnten Karten. Es wird gebrüllt, geweint und beschimpft. Da muss sich der Deutschlehrer schon mal als "Fotzensohn" betiteln lassen.

Sehenswert bestenfalls für Schüler, die für Nachprüfungen lernen: Diese können reinzappen, sich schadenfroh berieseln lassen und weiterzappen. (Benjamin Koffu/DER STANDARD; Printausgabe, 17.6.2009)

  • Die Superlehrer.
    foto: sat.1

    Die Superlehrer.

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