Kompetenzzentrum Politik

16. Juni 2009, 19:15
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Es gäbe viel zu lernen von österreichischen Politikern - allein vom Sprachlichen her

44 Prozent der Österreicher interessieren sich laut Wertestudie kaum bis gar nicht für Politik. Schade. Es gäbe nämlich so viel zu lernen von österreichischen Politikern, allein vom Sprachlichen her; man muss bloß die Ohren spitzen, zuhören.

Zugegeben, ein Herbert Haupt mit seinen wunderbar verschlungenen Satzgirlanden samt philosophischen Einsprengseln ist weit und breit nicht mehr zu finden. Doch sprachlicher Erfindungsgeist und Wortwitz, manchmal gar mit Anstößen zum Nachdenken sind vorhanden.

Bei Innenministerin Maria Fekter etwa. Ihr verdankt der deutsche Sprachraum die Begriffskreation "Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen" . Wienerisch-zynischer könnte man nicht umschreiben, was anderswo nur Schubhaftzentrum heißt.

Oder Othmar Karas vom Brüsseler Kompetenzzentrum für Vorzugsstimmen. "Keine Stimme ist umsonst" , verriet er zwar, über den Preis jedoch und wer ihn zahlt - darüber ließ er nichts verlauten, keine Silbe.

Dabei hatten wir nach wochenlangem Zuhören endlich zu verstehen geglaubt; hatten gedacht, genau das zu erfahren sei unser moralisches Recht. (Renate Graber/DER STANDARD-Printausgabe, 17. Juni 2009)

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