STANDARD-Interview

"Angsthasen können keine Politik machen"

16. Juni 2009 18:55
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    Foto: andy urban

    Maria Vassilakou: "Es wird Erneuerung bei den Wiener Grünen geben müssen".

Als Oppositionspolitikerin auf das Bürgermeisteramt zu hoffen, findet Wiens Grünen-Chefin Vassilakou "ein bisschen lächerlich"

STANDARD:Ein Gutteil der österreichischen Bevölkerung wünscht sich laut einer aktuellen Studie einen starken Mann an der Spitze des Staates. Schlechte Zeiten für die Grünen?

Vassilakou:In Zeiten von großer finanzieller und gesellschaftspolitischer Verunsicherung ist es nicht weiter verwunderlich, dass man sich nach starken Figuren sehnt. Ich glaube nur, dass die Auslegung dieser Sehnsucht nicht geschlechtsspezifisch zu verstehen ist. Man sehnt sich nach starken Figuren in der Politik, die sagen, was sie meinen und auch charismatisch sind.

STANDARD: Abgesehen von der Gender-Diskussion, was können die Grünen diesen Menschen anbieten?

Vassilakou:Es gibt aber auch in Österreich und weltweit eine große Gruppe von Menschen, die gegen autoritäres Gehabe ankämpfen. Mit ihnen gemeinsam wollen wir auch gegen diesen neuen Trend, der sehr bedenklich ist, antreten.

STANDARD: Ganz ohne Autorität geht's aber offenbar auch bei den Grünen nicht. Nachdem eine Reihe von Internet-Usern mittels Online-Unterstützungserklärungen bei der Wahl der Wien-Kandidaten mitreden will, haben Sie nun die Notbremse gezogen: Wer mitbestimmen will, muss seine Motivation schriftlich erläutern.

Vassilakou:Ich bin nach wie vor begeistert von der Idee der grünen Vorwahlen. Und ich finde es großartig, wenn hunderte von Menschen sich für die Grünen so sehr interessieren, dass sie auch einsteigen, sich engagieren und mitbestimmen möchten. Ich bin dafür, dass wir möglichst großzügig aufnehmen. Denn wir werden viele tausende sein müssen, wenn wir in dieser Stadt etwas weiterbringen wollen. Und es gibt ja mehrere Formen von Autorität. Gute Autorität entsteht überall dort, wo es dir gelingt, in einem offenen Dialog Menschen von deiner Meinung zu überzeugen.

STANDARD: Sie wollen also sämtliche grüne Vorwahl-Aktivisten mittels "guter Autorität" davon überzeugen, dass Sie die beste grüne Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl sind?

Vassilakou: Jeder, der Politik macht, versucht, Menschen von seiner Haltung zu überzeugen. Manchmal gelingt es, manchmal gelingt es weniger gut. In meinem Leben ist es bisher weitestgehend gut gelungen. Angsthasen können keine Politik machen. Dass tausend Menschen bei der Listenerstellung mitreden, kann kein Grund sein dafür, dass einem Gemeinderat schlaflose Nächte drohen. Denn nach der Listenerstellung haben wir erst die schwierigste Prüfung vor uns: 150.000 Menschen davon zu überzeugen, dass wir gemeinsam Wien neu gestalten können.

STANDARD: Das wären 50.000 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl. Vom Bürgermeister-Sessel wagen Sie nicht einmal zu träumen?

Vassilakou:Ich finde, man muss da ein bisschen aufpassen. Der Wahlkampf hat ja noch nicht einmal begonnen. Da kann man sich ein bisschen lächerlich machen, wenn man sich wie Häupl, Strache und Hahn jetzt schon zum Bürgermeister erklärt. 150.000 Grünwähler würden bedeuten, dass sich sehr viel weiterbewegt.

STANDARD: Zum Beispiel?

Vassilakou: Wir würden ein echtes ökologisches Konjunkturpaket schnüren. Grün steht außerdem dafür, dass endlich die Grundsicherung kommt. Und für eine Lösung der eskalierenden Konflikte im Gemeindebau, die derzeit tatsächlich eines der gravierendsten Probleme darstellen. Mit den Grünen gibt es außerdem 1000 Polizisten mehr.

STANDARD: Dazu hätten Sie nicht einmal als Wiener Bürgermeisterin genügend Macht - für die Polizei ist die Innenministerin zuständig.

Vassilakou:Ich bin der Meinung, dass, wenn die Grünen gestärkt aus der Wahl herauskommen, das ein Signal ist, das auch in der Bundespolitik wahrgenommen wird. Immer dann, wenn die Grünen gestärkt wurden, wurde das, was wir wollen, auch umgesetzt.

STANDARD: Aus der EU-Wahl gingen die österreichischen Grünen geschwächt hervor - auch in grün-regierten Wiener Bezirken. Was ging da schief?

Vassilakou: Für uns war es diesmal eine sehr sehr schwierige Wahlauseinandersetzung. Zum einen sind wir in einer Phase, in der mehrere Personalwechsel erfolgt sind. Wenn sich sehr bekannte, sehr beliebte Personen zurückziehen, ist es in der Zeit danach - also bis sich die Nachfolge etablieren konnte - immer schwierig. Insgesamt ist diesmal in Österreich ein extremer Enttäuschungsdrive da. Das trifft die Großparteien und bis zu einem gewissen Grad auch uns. EU-Wahlen stehen aber in einem anderen Kontext als die Wien-Wahlen.

STANDARD: Bei der Listenerstellung für die Wien-Wahl könnte allerdings ein ähnliches Problem auftauchen wie bei der EU-Wahl: Bekannte Persönlichkeiten treten ab, die Neuen kennt noch niemand.

Vassilakou: Diese Gefahr sehe ich nicht. Was bei den Wiener Grünen in den letzten Jahren sehr stark öffentlich diskutiert wurde, ist die Frage der Erneuerung. Wir sind jetzt seit über 20 Jahren im Parlament vertreten und inzwischen auch in allen Landtagen. Die erste Generation hat sehr viel geleistet und ist dankenswerterweise nach wie vor aktiv. Es müssen aber immer wieder neue Gesichter an die vorderste Front. Und dort ist es nun mal zu Beginn ein sehr steiniger Weg. Es wird Erneuerung bei den Wiener Grünen geben müssen. Und wenn wir uns davor fürchten, wäre es absurd.

STANDARD: Sie wollen aber weiterhin Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl bleiben?

Vassilakou:Ich habe sehr große Lust dazu. Und ich weiß, dass ich die Unterstützung dafür habe.

STANDARD: Apropos Unterstützung: Sie haben bei der EU-Wahl für die griechischen Grünen kandidiert. Wollten Sie zur Abwechslung einmal auf der Seite der Sieger sein?

Vassilakou: Ich wurde von den europäischen Grünen gebeten, die Bemühungen in Griechenland zu unterstützen, das erste grüne Mandat in der Geschichte des Landes zu erringen. Weil ich in Griechenland relativ gute Bekanntheitswerte habe. Ich habe das mit Begeisterung getan. Es gibt auf europäischer Ebene entscheidende Fragen, die auch die Zukunft Wiens beeinflussen werden. Zum Beispiel, ob wir in zehn Jahren immer noch von Atomkraftwerken abhängig sein werden. Oder wir gentechnisch veränderte Lebensmittel im Supermarktregal vorfinden.

STANDARD: Wäre es nicht effizienter gewesen, diese Themen über die österreichischen Grünen zu kommunizieren?

Vassilakou: Den Wahlkampf tragen hauptsächlich die Spitzenkandidaten. Wir hatten in Österreich ein sehr engagiertes Team.

STANDARD: So dass Ihre Unterstützung nicht mehr notwendig war?

Vassilakou: Ich war diesmal als Missionarin unterwegs. Im Ernst: Das Ziel, europaweit 50 Grüne Mandate zu erreichen, verfolgten wir alle gemeinsam. Jeder und jede dort, wo sie gerade am meisten benötigt wurde. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 17. Juni 2009)

Zur Person:

Maria Vassilakou, 1969 in Athen geboren, steht seit 2004 an der Spitze der Wiener Grünen.

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Hamit_Hatemi
11.07.2009 17:24

Bitte liebe Wiener GrünInnen, rückt noch weiter nach links;

SPÖ, ÖVP und LIF können die Realos unter euren Wählern gut gebrauchen!!

nisus
07.07.2009 13:16
„Angsthasen können keine Politik machen“

- richtig - daher sind die Grünen (und auch andere Angsthasen) gegen ein Mehrheitswahlrecht.

konsi
27.06.2009 17:24

also mit den themen gemeindebau und 100 polizisten können mich die grünen nicht überzeugen. das wollen alle anderen auch und wenn ich grün wähle möchte ich eine alternative zu den anderen parteien wählen.

rekrow
26.06.2009 01:00
Es gibt genug Themen

Warumm, immer dieses blabla?
Man kann auch deutliche Standpunkte setzen die auch etwas mutiger sind. z.B:
1.) Alternativ- Energie- Konzept für Wien!
2.) Wieder kürzere Intervalle bei den Öffis!
3.) Hausmeister wieder einstellen.
4.) Weg mit den Hobby-Denunzianten (Secur-Firmen, Parkraumsherifs, Müllsherifs, und was es da noch so gibt.) und wieder einstellen der Gretzlpolizisten die streife GEHEN und die Leute kennen.
5.) In "unsicheren" Öffis wieder Schaffner einsetzen.
6.) Die privatisierung des öffentlichen Dienstes stoppen.
Das sind GemeindeWahlkampfThemen.

skip it
22.06.2009 12:51
interessant: "Angsthasen können keine Politik machen"...

...wieso hat sie dann in griechenland fuer einen eu-parlamentssitz kandidiert um gleich vorausschickend anzufuegen, sie wuerde ihn nie annehmen?

kognitive dissonanz?

Ed L. Bitter
18.06.2009 15:49
POLITGEWÄSCH


Was da aus Frau Vassiliakou wie aus der Tube rauskommt, ist eine Apparatchiksprache. Diese Sprache entlarvt genau den Zustand der Grünen. Sie sind keine Bewegung mehr. Sie sind eine stinknormale Politpartei geworden. Mit einem Apparat, der untereinander bis auf´s Blut um warme Parteiposten kämpft. Das Ganze ist äusserst uninteressant geworden.

lemur
17.06.2009 17:35
ämter, gremien, wahlergebnisse...

eine parteisoldatin ist das gegen die der strasser ja noch ein querdenker is

zweyenstein
 
17.06.2009 17:27

das problem ist nicht die frage, ob angsthasen keine politik machen können, sondern dass sich viele nach der permormance der weiblichen grünen führungsriege in den letzten monaten bereits fragen, ob hasen überhaupt politik machen können.

und das wäre ungerecht gegenüber einer angela merkel, einer hertha firnberg oder aber auch gegenüber durchaus fähigen und engagierten grünen wiener bezirkspolitikerinnen.

wahre Lüge
 
17.06.2009 15:37
Suffragetten aller Welt

vereinigt euch
Wärme braucht der Mensch
sonst erfriert er

17.06.2009 14:33


wirst sehen vassi

du wirst dich in athen auch wieder wohlfühlen

Busson
 
17.06.2009 13:08

Ich glaube, Frau Vasilakou, Ihre Probleme werden schon die bei den Wiener Grünen einsickernden Kurden (Bericht Standard 15.6.09) lösen.

Schnallen Sie sich an.

Nicholas Blarney
 
17.06.2009 12:36
Sehr geehrte Frau Vassilakou,

wie würden Sie die "eskalierenden Probleme im Gemeindebau" lösen?

fred h
17.06.2009 14:01
har har

;-)

Gorg Fruchta
17.06.2009 12:12
Grüne Mizzi!


Sie scheint wohl vorallem dazusein, um die "bildungsferneren" Schichten anzusprechen - aber das scheint mir ein Schuss in den Fuß zu sein, solange das, gebildete, Stammklientel entsprechend bedient wird.

Und als Strache-Pendant halt ich sie für ÄUßERST ungeeignet die WIENER Grünen, die ja so wie so als, intellektuelle, Rabauken verschrieen sind, anzuführen.

Alles in allem werden die Grünen für langsam wirklich unwählbar (das erste Mal seit 12 Jahren).

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
17.06.2009 12:39
Für wen schlägt dein Herz bei dieser

Wahl?

Juergen Hoffmann
 
17.06.2009 12:50

schreibt er eh: FPÖ! (hehe)
Was er nicht dazu schreibt: er bekommt für jedes Posting eine ungewaschenen Unterhose von HC als Geschenk!

Externe Festplatte
17.06.2009 11:52
usländer icha

... zumindest redet die vassilakou klartext. ähnlich wie dönmez - offenbar ein vorzug, den die ausländer bei den GRÜNEN mitbringen - kein vergleich zum herumgerede einer glawischnig.
was allerdings passiert, wenn "endlich die Grundsicherung kommt" oder die GRÜNEN die "eskalierenden Konflikte im Gemeindebau" lösen , kann sich eh jeder selbst ausmalen.

biathlet
 
17.06.2009 14:16

ich nicht. klär mich auf!

reinibubi
17.06.2009 11:51
Ich wähle nun schon seit einiger Zeit grün ...

und zwar wegen Typen wie VanDerBellen, Pilz, Voggenhuber, Kogler, Öllinger, Chorherr. Diese Typen werden ja dzt. noch laufend "abmontiert".

Aus der grünen Frauenriege fällt mir aber absolut keine wirklich kompetente Person ein.

Mittlerweile kann ich mich daher nicht mehr mit den Grünen identifizieren und werde bei der nächsten Gelegenheit anders wählen.

Schade drum.

Hamit_Hatemi
11.07.2009 17:26

Na dann könnten Sie ja LIF wählen.

Tritt bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2010 an.

Gorg Fruchta
17.06.2009 12:14
Leider haben Sie recht.


Ich sehe das ganz genau so (obwohl mir Öllinger im zu "Alternativ" war/ist).

Die jetztige Grüne Riege ist wirklich um nichts besser als die (L.)Rudasch-SPÖ.

Schade um unser Land.

bixente uhudla
 
17.06.2009 12:07

lunacek wäre kompetent,daß ist aber in der ganzen voggenhubergeschichte etwas untergegangen,lichtenberger und korun haben auch ihre qualitäten,stoisits kann man kompetenz nicht abstreiten...

bei der vassilakou bin ich mir noch nicht ganz sicher,wenn sie in der intergartionsproblematik die rosa brille abnimmtund probleme ausspricht anstatt alles schönzureden würde ich sie auch zu den fähigeren frauen bei den grünen rechnen...

glawischnig ist aber als spitzenkandidatin untragbar,sburny inkompetent und weltfremd(zumindest schafft sie das bei jeden öffentlichen auftreten so zu vermitteln),bei vana wechseln licht und schatten ganz gewaltig und petrovic ist mir persönlich extremst unsympathisch(sry,aber die kann ich weder sehen noch höhren)

reinibubi
17.06.2009 13:07

Glawischnig ist mit ihren penetranten Floskeln im immergleichen Tonfall definitiv fehl am Platz.

rossgoschn
17.06.2009 13:23
"SprechenohneInterpunktion"

"Ein Seminar von und mit Eva Glawischnig."

hotibaer
17.06.2009 11:51
Die Grünen sind mittlerweile genauso korrumpiert und nur noch auf Machterhalt aus, wie die anderen Parlamentsparteien. Sie sind keine Alternative mehr. Sie wollen nicht mehr das "System" verändern, sonder ihre "Pfründe" erhalten.

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