Gegenwind für Chemiehändler

16. Juni 2009, 18:11
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Branchenführer Brenntag streicht bis zu 120 Arbeitsplätze

Wien - Die Wirtschaftskrise hat so gut wie alle Länder und Sektoren erfasst - mit ganz wenigen Ausnahmen. Dazu gehören die Lebensmittelindustrie und die Pharmabranche. "Die entwickeln sich noch immer gut", sagte der Geschäftsführer von Brenntag CEE (Central and Eastern Europe), Helmut Struger, im Gespräch mit dem STANDARD.

Struger muss es wissen. Das Unternehmen, dem er vorsteht, versorgt rund 30.000 Kunden in 16 Ländern mit etwa 5000 verschiedenen Rohstoffen. Brenntag ist Teil des weltgrößten Chemiehandelsunternehmens. In Wien ist das Ost- und Südosteuropageschäft des gut 11.000 Mitarbeiter starken und 7,8 Mrd. Euro schweren Konzerns aus Mühlheim/Ruhr konzentriert.

Nicht nur autoaffine Bereiche entwickelten sich schwach. Auch bei Baustoffen und Verpackungen gebe es zum Teil kräftige Einbrüche. "Im Segment Farben und Lacke ist ein Viertel der üblichen Menge weggebrochen," sagte Struger. Die Folge sei, dass immer mehr Kunden in Schwierigkeiten gerieten. Lagen die Zahlungsziele vor einem Jahr noch bei 58,5 Tagen, sind es jetzt 60,5 Tage. Umgekehrt verspüre man Druck vonseiten der Lieferanten, früher zu zahlen: statt im Durchschnitt binnen 47 Tagen nun schon binnen 46 Tagen.

Eine Besserung sei nicht in Sicht. Über das Jahr betrachtet rechnet Brenntag CEE heuer mit einem Absatzminus von rund zehn Prozent. Von den 1450 Jobs in der Region werden bis Ende des Jahres rund 120 gestrichen.

Auch Österreich sei betroffen. "Zehn Prozent weniger Menge heißt sieben bis acht Prozent weniger Mitarbeiter", sagte der Brenntag-Chef.

Derzeit beschäftigt der Chemiehändler 350 Mitarbeiter in Österreich - Holdingfunktionen für die Gesamtregion eingerechnet. Ende 2009 könnten es rund 25 Stellen weniger sein. Dass die Einschnitte nicht kräftiger ausfallen, liege daran, dass rund ein Fünftel des Umsatzes von Brenntag CEE auf den Lebensmittelbereich entfalle, der sich nach wie vor gut entwickle. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2009)

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