Die stimmungsmäßige Hegemonie der Rechten

16. Juni 2009, 18:10

Der Befund aus der Studie "Die Österreicher innen" überrascht nicht

Ziemlich katastrophal, die Ergebnisse der Langzeitstudie über die Werte der Österreicher, die ein Team erfahrener Wissenschafter in Buchform veröffentlicht hat (Die Österreicher innen. Wertewandel 1990-2008, Czernin-Verlag). Die Schlagworte, die die Standard-Redaktion dafür gefunden hat ("Zwischen Führersehnsucht und Fremdenhass" , "Hoamatl statt Globalisierung" ), sind Zuspitzungen, aber keine unzulässigen.

Der Befund überrascht nicht. In der Realität ist Österreich ein sehr konservatives, sehr rechtes, wenig weltoffenes Land, in dem eine halbwegs liberale Minderheit unausgesetzt wassertreten muss.

Dass Österreich gleichzeitig ein sehr erfolgreiches und reiches Land ist, kann (auch) damit erklärt werden, dass die Sekundärtugenden, die mit der Grundstruktur des autoritären Charakters einhergehen - Fleiß, Verlässlichkeit, Begabung für technisches Tüfteln, eine gewisse praktische Schläue - die Basis des bisherigen wirtschaftlichen Erfolges bildeten. Darüber hinaus: Eine ziemlich dünne Schicht von Hochbegabten, Visionären und Nonkonformisten retteten und retten auch die Zweite Republik vor der immer drohenden Mittelmäßigkeit. Dazu gehören Künstler, die anfangs beinahe gelyncht worden wären, Wissenschafter, die man mühsam aus dem Ausland zurückholen muss und ein paar Unternehmer, die neue Märkte in Osteuropa erkannten.

Der Befund, den die Studie Die Österreicher innen (eine subtile Spielerei mit einer Sicht "von innen" und dem politisch korrekten Binnen-I) ist allerdings insofern alarmierend, als er eine Verschlechterung wichtiger Parameter zeigt. Kurz gefasst: Die Österreicher sind noch autoritätsgläubiger, demokratieverdrossener , fremdenfeindlicher geworden.

Und das, obwohl sie wohlhabender wurden. Die Erklärung liegt vermutlich in der Angst um das Erreichte. Sie ist nicht unberechtigt. Der Sozialstaat ist nur noch auf Schulden finanzierbar. Am unteren Ende der Sozialskala findet ein Verdrängungskampf zwischen schlecht ausgebildeten jungen Zuwanderern und schlecht ausgebildeten jungen "echten Österreichern" statt. Die Globalisierung verschiebt traditionelle Produktionen in Billiglohnländer.

Der wichtigste Grund für eine berechtigte Angst ist den meisten allerdings nicht bewusst: Österreich kann nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn es viel mehr Bildungs- und Wissensgesellschaft wird. Das ist aber nicht der Fall. Eher im Gegenteil.

Dass Österreich jetzt drei Brüll-und Krawallzeitungen hat statt einer, ist nur ein Symptom. Schon schlimmer, dass alle Parteien außer den Grünen die Brüll-und Krawallpolitik der extremen Rechten und der einschlägigen Zeitungen übernehmen. Aber auch die Grünen machen in Teilbereichen bei populistischer Pseudo-Politik (kontra EU, pro "Reichensteuer" ) mit.

Der öffentliche Diskurs müsste in Richtung Differenzierung, Suchen nach unkonventionellen Lösungen gehen. Er läuft in die Gegenrichtung. Es geht nur noch um Besitzstandswahrung, Reformunfähigkeit, Niederknüppeln von Ungewohntem.


Die Rechte hat schon jetzt fast die stimmungsmäßige Hegemonie. Ob darauf auch die endgültige politische Hegemonie folgt? (Hans Rauscher/DER STANDARD-Printausgabe, 17. Juni 2009)

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Es ist durchaus eine Errungenschaft der Demokratie

wenn das gemeine Volk auch mal seine verehrten Journalisten beschimpfen darf.

"...auch die Grünen machen in Teilbereichen bei populistischer Pseudo-Politik (kontra EU, pro "Reichensteuer" ) mit."

*schimpf!!!*

Der Befund…

…überrascht sehr wohl:

So treffend wurde Österreich selten kommentiert.

OK, Herr Rauscher, arbeiten wir MIT QUALITÄT gegen die rechte Hegemonie. Fangen wir bei uns selbst an

und machen wir dafür ausgezeichneten Journalismus, Journalismus mit Weltformat. Machen wir ein Blatt, das den Namen STANDARD verdient, also einen Standard für europäische Medien setzt. 1. Das angestrebte Niveau ist das der New York Times, des Guardian und Economist, von El Pais, La Repubblica, von der Neuen Zürcher Zeitung, auch der Süddeutschen und der FAZ. Die Dinge werden aus öst. UND europäischer Sicht betrachtet. 2. Dazu: Wirklich viel Recherche und nicht nur Übernahme von Agenturmeldungen, ab und zu Reportagen. 3. Strikte Trennung von Nachricht und Kommentar, 4. Eine gehaltvolle Wochenendbeilage, d.h. auch, aber nicht nur Life-Style, 5. Ausgezeichnetes Deutsch, 6. Eine ordentliche Druckfehlerkontrolle, wieder einen Korrektor. MFG

wie soll österreich eine bildungs- und wissensgesellschaft werden ?

wir importieren in grossem stil völlig ungebildete sozialfälle, die in europa niemand will. deren sprösslinge sind absolut bildungsresistent und behindern nach kräften die ausbildung der anderen. unsere lehrer feilschen rücksichtslos um jede minute unterrichtszeit ( bald kommt die 30 minuten ue) und sind nach 30 dienstjahren angeblich schon total ausgebrannt>> wie sie sagen. wie werden wir denn eine........ ???

nicht nur die immigrierte jugend ist bildungsresistent..

Rau, den hätten Sie sich sparen können:

"Aber auch die Grünen machen in Teilbereichen bei populistischer Pseudo-Politik (kontra EU, pro "Reichensteuer" ) mit."

Und nun auch noch zu allem Überfluß Hans Rauscher!

Die Wähler haben in Österreich selbstverständlich das Recht, rechts zu wählen, wenn sie mit den derzeit gegebenen Umständen nicht mehr einverstanden sind.

In ganz Europa haben wir einen Trend nach rechts, warum soll das in Österreich verwerflich sein?

In einer Demokratie bestimmt nicht die Linkspresse den Kurs, sondern die Wähler und das ist gut so.

seltsam

die dreissig ununterbrochenen jahre der sozialdemokratischen (allein)herrschaft sind noch nicht lange vorbei und schon fantasieren leute von der "rechten hegemonie". und nach der relativ kurzen unterbrechung durch schüssels alleingänge sind die sozialdemokraten schon wieder einige jahre am ruder. also vertritt die spö die "rechte hegemonie" oder ist herrn rauscher schon schwerhörig, dass er nur die lauten stra-che rufe vernimmt?
s.g. herr rau, schon wieder ein vorurteilsgespickter artikel, diesmal nicht gegen die türken, sondern gegen die (b)ösis an sich. wären sie doch beim kurier geblieben, ihr antinazikreuzzug hat weder niveau noch klasse und ufert im einseitigen schlechtmachen des eigenen landes aus!

Schlechtes muss schlecht bleiben und Gutes gut

Außerdem muss Weißes weiß bleiben und Schwarzes schwarz, auch wenn viele Rechte meinen man könnte das nun einfach so austauschen.

besuchen sie einen kurs

politische bildung.
alleinherrschaft ungleich regierungspartei ungleich stärkste partei.

sollte man wissen wenn man zumindest die hauptschule abgeschlossen hat.

aber wenn sie mir eine quelle für die "dreissig(sic!) ununterbrochenen jahre der sozialdemokratischen (allein)herrschaft" zeigen, knie ich vor ihnen.

was für eine spö-alleinherrschaft?

die övp ist seit 1986 regierungspartei gewesen. interessanterweise meinen die vertreterInnen der övp dennoch, dass sie nichts mit all dem zu tun haben, was seit 1986 in österreich passiert ist.

gehens....

...klärens mir das mit den 30 Jahren ununterbrochener sozialdemokratischer Hegemonie? soweit ich mich erinnere gabs da ein Jahrzehnt in den 70ern wo die Sozialdemokratie ein paar Ansätze verwirklichen konnten um sich spätestens in der Mitte der 80jahre überhaupt nicht mehr von einer strukturkonservativen Volkspartei zu unterscheiden.

die sozis konnten also ihrer meinung nach

auch mit ihren absoluten mehrheiten nur "ein paar ansätze" verwirklichen? welche wenigen denn? alles ist ja relativ und wenn man weit genug links steht ist alles andere daneben rechts.
dass die sozis verkrusteten und ihre macht, sagen wir gnädig nicht optimal ausübten ist sicher ein wegbereiter für rechtsparteien.
eigentlich ein normaler politischer prozess, aber sicher nicht für jemanden, für den links automatisch gut und rechts automatisch böse ist.
trocknen sie ihre krokodilstränen und warten sie 30 jahre, dann kommen wir wieder in eine linke hegemonie, ganz sicher! Da wird bösterreich wieder spösterreich heissen, keine sorge.

Rechte Unterwanderungsversuche.

Der die das Österreicher.

Katholische Backhendlfriedhöfe in Lederhosen.

Also ich persönlich bin mit dem Hoamat´l + schweinernem Bratl recht zufrieden und lasse es mir von niemandem madig machen. Schon gar nicht von irgendwelchen komischen Auftragsstudien. Die dünne Schicht unserer Hochbegabten, Visionäre (mit freier Arzt

wahl), Nonkonformisten und solche die es noch werden wollen, retteten und retten die 2te Republik sicher sehr gerne. Schließlich fahren sie damit ja nicht schlecht. Die wissen das und schätzen es.
Konservativ, rechts und wenig weltoffen sein ist auch keine Schand´, wo wir doch wissen dass allzu "fortschrittlich", links und grenzenlos weltoffen oft schnurstracks in die chaotische Scheis(Platzhalter)e führt. Und die Brüllzeitungen, mein Gott, man liest sie oder liest sie halt nicht. Zuviel nur Qualitätszeitung reinziehen würde die dünne Schicht Kapazunder dicker machen und die Ausgewogenheit empfindlich stören.
Darum sag ich, Herr Redakteur Rauscher, fein sein, beinand´bleiben. Mir wern ka Studie brauchen.
Aber das wissens ja eh, oder?

Die Länder sind schuld.

S.g. Herr Rauscher, unkonventionelle Lösungen braucht es gar nicht so sehr wie die Durchsetzung vernünftiger Bund-Länder-Finanzierungsverhältnisse. Das ist die Wurzel der meisten Probleme in Österreich - Budget, Gesundheit, Bildung, Verkehr etc.

IMO Unsinn. Was hat Österreich denn für massive Probleme? Wir zählen zu den reichsten Ländern der Welt, unser Gesundheitssystem ist trotz vieler Problemchen im weltweiten Vergleich weit vorne mit dabei; unser Bildungssystem ist trotz Gehrer und Schmid noch nicht zusammengebrochen; unsere Infrastruktur ist hervorragend.

All das kann man natürlich systematisch schlechtreden und kaputtkritisieren - wie es IMO die Krone macht, die zB auch dem langweilig-ruhigen Ottakring glatt unterstellt, irgendwelche Gemeinsamkeiten mit den Armenvierteln in Berlin oder gleich mit einem "Ghetto" zu haben.

Etwa 26 Prozent zählen zu den Reichen, aber nicht WIR. Wir Poster eher nicht. Die Reichen würden 100 Euro für ein Posting verlangen, wir machen das gratis:-)
Fast alle Infrastrukturen wurden durch die Privatisierungen schlechter, teurer und für viele nicht mehr erreichbar. Gesundheit, Sozialstaat, Schulen, Energieversorgung, öffentl. Verkehr, Sicherheit... Alles was jeder existentiell braucht gehört wieder zurück zum Staat bzw. gestärkt.

wenn man bedenkt dass zb wien die stadt mit der höchsten lebensqualität überhaupt ist ...

ja, muco! alles erkauft durch hohe steuern (auf arbeit!). reichtum ist doch ungleichmässig verteilt!
redens ned von "wir sind reich".

gesundheitssystem ist kurz vor dem bankrott. leistung wird immer mehr eingeschränkt.

ottakring ist gott sei dank noch nicht kreuzberg. aber für die einheimische bevökerung fast schon verloren an rotes stimmvieh aus anatolien.

Das kann ich leider nur bestätigen. Das muss man selbst erlebt haben, sonst glaubt man es nicht.

fühlen Sie sich verfolgt?

nicht reich genug? vom Bildungssystem benachteiligt? vom Steuersystem ausgenommen?

Ich sag's ihnen, dass ist eine sozialdemokratische Verschwörung, gegen Sie persönlich, ja genau, SIE!

Krone, Österreich und ....

komme nur auf 2 "Brüll und Krawall" Zeitschriften. wer kennt die 3.

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