"Barbiefreie Zone" im Bundeskanzleramt

16. Juni 2009, 17:58
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Frauenministerin eröffnete mädchenpolitische Ausstellung, geschaffen von jungen Frauen, im Palais Dietrichstein

Wien/Bregenz - "Niemand gehört einem anderen." "Kein Mann darf bestimmen, ob eine Frau arbeiten darf oder nicht." Bei Gewalt an Frauen sei bei ihr "der Ofen aus" und "Werbung mit halbnackten Frauen, dagegen werde ich was tun". Mit Sätzen wie diesen konfrontierte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) Wiener Schülerinnen und Schüler, die sie persönlich durch die Ausstellung Barbiefreie Zone im Palais Dietrichstein führte.

Barbie, sonst Symbol für Glanz und Glitter, steht in der Wanderausstellung für die Diskrepanz zwischen Konsumwelt und Alltag. Die Barbie-Welt ist ganz und gar nicht die Welt der Ausstellungsmacherinnen. Die Mädchen des autonomen Mädchenzentrums "Amazone" haben sich Barbie dennoch als Hauptdarstellerin ihrer Ausstellung Barbiefreie Zone ausgesucht. Mit der dürren Anziehpuppe als Negativbeispiel für Schönheitskult und Abhängigkeit zeigen die jungen Frauen auf, dass die wirkliche Mädchenwelt ganz anders als Barbies Traumwelt aussieht: Gewalt in der Familie, sexuelle Ausbeutung, Einkommensunterschiede prägen weltweit das Mädchenleben. Ziel der Amazone-Mädchen: Die engen Grenzen der Barbie-Welt sprengen.

Dass man sein Frauenleben selbst in die Hand nehmen soll, möchte die Frauenministerin den Mädchen vermitteln. Vor allem in der Berufswahl: "Es gibt mehr als drei Lehrberufe." Dennoch würden sich die Hälfte der weiblichen Lehrlinge für genau drei aus mehreren hundert Lehrberufen entscheiden. 

Die Barbiefreie Zone ist keine männerfreie. Die Ausstellung könne "den jungen Burschen zeigen, wie Mädchen ticken", sagte die Ministerin und gab den "Burschen" dann auch gleich zu verstehen, dass sie sich von den Mädchen keine Barbiefigur erwarten sollten: "Wer von euch tät denn so eine dünne Freundin wollen." Antwort: Gegrummel.

Auch mit anderen Aussagen waren manche der jungen Männer nicht einverstanden. So ging Andreas Weber (16) mit seinen Freunden mutig zur Ministerin und teilte ihr mit, dass "unsere Generation" ja gar nicht mehr diskriminiere. Die Ausstellung gehe ihm doch zu "stark in Feminismus über". Feminismus bedeute, "dass sich die Frau über den Mann stellt", sagte der junge Mann auf Nachfrage. Man müsse den Männern nicht immer "diese Extreme ins Gesicht klatschen". Dass die Ministerin argumentierte, Extreme brauche man, um Probleme deutlich zu machen, verstehe er aber. Er und seine Freunde, so der Gymnasiast, wüssten aber Bescheid: "Wir diskriminieren fast keine Mädchen." 

Zum Schluss der Ausstellungseröffnung gab es für die Bregenzer Frauen noch eine Überraschung. "Ihr werdet Frauenservicestelle", teilte Heinisch-Hosek Amazone-Geschäftsführerin Amanda Ruf mit. Was für das einzige autonome Mädchenzentrum Österreichs ein Ende der Finanznöte bedeutet.
Die "Barbiefreie Zone" ist bis 26. Juni im Palais Dietrichstein, Minoritenplatz 3, werktags von 9 bis 16 Uhr zu sehen. Eintritt frei. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe 17.06.2009)

  • Barbies Welt und Mädchenrealität. Das Mädchenzentrum "Amazone"
gestaltete eine Wanderausstellung zum Widerspruch.
    foto: der standard/urban

    Barbies Welt und Mädchenrealität. Das Mädchenzentrum "Amazone" gestaltete eine Wanderausstellung zum Widerspruch.

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