Eine Tanz-Orgie mit politischen Neigungen

16. Juni 2009, 17:44
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Das Programm des Impulstanz-Festivals 2009

Wien - Mit seinem Angebot an Arbeiten zeitgenössischer Choreografie gestaltet das mit fünf Millionen Euro Gesamtbudget arbeitende Impulstanz-Festival auch in diesem Jahr wieder den Wiener Sommer. Über vier Wochen - vom 16. Juli bis zum 16. August - bietet dieses europaweit größte Tanzfest nicht nur die Möglichkeit, jeden Abend ein anderes Stück zu sehen, sondern auch Workshops mit rund 200 Kursen für Laien und Profis.

Wie in den Jahren zuvor baut die Programmierung auch dieses Mal nicht darauf, mit einer sparsamen Auswahl an Publikumsmagneten möglichst vielen Zuschauern ein harmloses Unterhaltungsspektakel unterzujubeln. Stattdessen gibt es eine Reihe von Arbeiten zu sehen, die zeigen, wie herausfordernd der Gegenwartstanz geworden ist. Und damit sind nicht nur Jan Fabres Politdonner Orgy of Tolerance gemeint - oder die kritisch harschen Töne in The Bagwell in me der amerikanischen Provokateurin Ann Liv Young.

Live entwickelte TV-Comedy

Auch subtilere Konfrontationen wie jene des aus den USA immigrierten Belgiers Davis Freeman über die Mentalitäten von Investition und Selbstverteidigung oder Alain Buffards Statement zu Kindesmissbrauch "Les Inconsolés" gehören zu den politischen Stücken des Festivals. Die Kooperation des Österreichers Chris Haring mit dem chinesischen Tanzstar Jin Xing in dem mehrteiligen Projekt Lovely Liquid Lounge thematisiert euro-asiatische Kultur, und die Factory Youdream von Superamas führt in die Spiegelwelten einer live entwickelten TV-Comedy. Eröffnet wird Impulstanz im Haupthof des Wiener Museumsquartiers mit Stepptanz von Savion Glover, der den Tap ins 21. Jahrhundert gerettet und ihm eine neue Intensität verliehen hat. Zu den weiteren großen Namen im Festival zählen Xavier Le Roy, Maguy Marin, Anne Teresa De Keersmaeker mit einem neuen Werk, The Song, und ihrem Klassiker Rosas danst Rosas, Boris Charmatz sowie Wim Vandekeybus. Sogar Altstar Jirí Kylián schaut wieder in Wien vorbei.

In dem Programmteil [8:tension] gibt es acht Positionen der jungen Choreografie zu sehen, darunter auch das Duett Performance must go der Österreicher Andrea Maurer und Thomas Brandstätter. Philipp Gehmacher, der in diesem Jahr das Workshop-Stipendiatenprogramm Danceweb leitet, überführt sein Projekt walk + talk, in dem hochtalentierte Choreografen performativ über ihr Arbeiten reflektieren, vom Tanzquartier Wien zu Impulstanz. Der Wiener Georg Blaschke zeigt seine Bearbeitung einer historischen Choreografie jetzt bist du dran, und das Duo Matsune & Subal warten mit ihrer Installation One hour standing for mit einer Kritik am Tourismus auf.

Einen Festival-Vorgeschmack gibt es kommenden Samstag um 15 Uhr zu sehen - auf dem Bellevue-Platz der Shopping City Süd. Dort zeigen aus Wien und Niederösterreich, was BollyHop ist, den sie mit den Größen Terence Lewis und Niels "Storm" Robitzky in zwei Wochen harter Arbeit entwickelt haben. Auch mit dem neuen Intendanten des Tanzquartiers Wien gibt es eine Kooperation: Im Oktober wird die Trisha Brown Company bei Walter Heun gastieren. (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 17.06.2009)

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    foto: impulstanz
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