Vertrauen ist gut, Prüfung ist besser

16. Juni 2009, 18:06
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Am Beginn stand die Suche nach dem Fluss des Geldes, mit dem Doping finanziert werden könnte. Der ÖSV hat geantwortet

Wien - Aus einer Frage lässt sich nicht immer auf die Natur der Antwort schließen. Die Umfrage des Standard hatte ihren Ursprung in der Überlegung, wie der kostenintensive Dopingmissbrauch möglicherweise alimentiert wird. Die Erkundigung nach den Abrechnungsmodalitäten der Vereine und Verbände in Österreich mit Eigenbelegen findet Klaus Leistner, der Generalsekretär des Skiverbandes, namens des Präsidiums "befremdlich" . Denn sie unterstellte den Adressaten, "wenn auch in subtiler Form, Unkorrektheit".

Dabei es geht um Transparenz, nicht um Verdächtigung. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sagte die Beantwortung der Fragen zu, und so kann der Standard aus einem Schreiben der Süd-Ost-Treuhand (SOT) über die Prüfung des aktuellen ÖSV-Jahresabschlusses (1.Mai 2008 bis 30.April 2009) schöpfen.

Laut SOT machen öffentliche Förderungen des ÖSV "weniger als fünf Prozent der Gesamteinnahmen" aus. "Zur Verwendung von Eigenbelegen wird uns von den Budgetverantwortlichen und von der Innenrevision bestätigt, dass diese prinzipiell nicht akzeptiert werden." Bei der Stichprobenüberprüfung seien keine Eigenbelege "aufgefallen".

Zu den "mannigfaltigen" internen und externen Prüfungen des ÖSV-Rechnungswesens, so heißt es dort, gehört eine Rechnungsgebarung von qualifizierten Leuten "im eigenen Haus" (ÖSV), die von einer internen Revision kontrolliert wird, welche "nach fachlich anerkannten statistischen Methoden im Stichprobenauswahlverfahren Belegs- und Gebarungskontrollen durchführt" . Den Jahresabschluss erstellt ein "externer Steuerberater" , der das Rechnungswesen nochmals durchsieht. Das gilt auch für die ÖSV-Töchter und die "nicht über den ÖSV abgewickelten Veranstaltungen" . Die SOT prüft gemäß Vereinsgesetz den Jahresabschluss und erstellt auf Wunsch des ÖSV-Präsidenten einen "konsolidierten Gruppenabschluss" des ÖSV und aller Unternehmen der Gruppe.

Auch anderswo erregt die Standard-Umfrage Interesse. Der Präsident des Kanuverbandes, Walter Aumayr, empfindet sie "als eine Zumutung" und vermutet, dass der Fragensteller "wenig Ahnung vom österreichischen Sport" hat, denn sonst müsste dieser wissen, dass "Vereine und Verbände dem Vereinsgesetz unterliegen" und eine "registrierte ZVR-Zahl" haben. Vielleicht hat Aumayr übersehen, dass im Artikel vom 12. Juni, der die Veröffentlichung der Fragen begleitete, das Vereinsgesetz zitiert wurde. Weder sollen "die zahllosen ehrenamtlichen Mitarbeiter" hinterfragt oder Zweifel "an deren ordentlicher Arbeit" angemeldet werden, wie Aumayr befürchtet. Es geht um die gesetzlich vorgesehene Verwendung von Eigenbelegen in Österreich (und Europa). Darüber, also über Ausgaben, die den Verbandsprüforganen "glaubhaft" erscheinen müssen, verlor Aumayr kein Wort.

Reitverband scheut

Im krassen Gegensatz zu Schröcksnadel sieht Elisabeth Max-Theurer, die Präsidentin des Reitverbandes, "keine Notwendigkeit, Ihnen oder Ihrer periodischen Druckschrift "Der Standard" detaillierte Auskunft über seine Finanzgebarung zu geben" . Die jährlich von "Rechnungsprüfern und einer Wirtschaftstreuhandkanzlei" geprüfte Buchhaltung werde "stets als einwandfrei qualifiziert" . Max-Theurer weist "Pauschalverdächtigungen" zurück und weist auf die ihrer Meinung nach "intransparente Finanzsituation in und um das ÖOC" hin, die eine von Sportminister Norbert Darabos eingesetzte Wirtschaftsprüfungskanzlei seit Wochen zu klären sich bemüht. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17.6. 2009)

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    Präsident Peter Schröcksnadel lässt aus der Prüfung des ÖSV-Jahresabschlusses schöpfen.

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