Das lange Sterben von Semperit

16. Juni 2009, 16:32
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Wenn zu Jahresende die Gummimischung in Traiskirchen geschlossen wird, geht ein Stück Industriegeschichte zu Ende

Von der Fabrik, in der eine der wenigen österreichischen Industriemarken hergestellt worden war, bleibt nichts mehr übrig. Die eigentliche Reifenproduktion wurde bereits Ende 2002 abgezogen.

Die Einstellung der Reifenproduktion hatte sich seit 2001 zu einem Wirtschaftsdrama entwickelt, das sich über beinahe zwei Jahre hinzog. Die ursprünglich gehegte Hoffnung, einen neuen Eigentümer finden zu können, zerschlug sich. Zeitungen berichteten in kampagnenartiger Form. Am symbolischen Höhepunkt der Krise ließ der damalige Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner symbolisch die Reifen an seinem Dienstfahrzeug ummontieren ersetzte sie mit Pneus, die - wie sich später herausstellte - aus Portugal stammten.

Nachdem bereits 2001 laufend Personal abgebaut wurde, machte Conti in der zweiten Jahreshälfte 2002 ernst und schloss die Reifenproduktion, mehr als 1.000 Mitarbeitern den Job kostete. Die Marke Semperit wurde von Conti behalten. Heute werden an mehreren Conti-Standorten noch 4 Millionen der besonders für alpine Verhältnisse geeignete Semperit-Pkw-Reifen produziert. In Traiskirchen verblieben 2002 nur Vertrieb und Gummimischung.

Seit 1902 wurden Semperits in Wien und später in Niederösterreich produziert. Zu seinen besten Zeiten, zu Anfang der 70er Jahre, war Semperit der zweitgrößte private österreichische Industriekonzern mit 4.700 Beschäftigten allein in Traiskirchen. Ursprünglich gehörte auch die Herstellung von Gummihandschuhen und Gummischläuchen zu dem Konzern. Diese Produktion entwickelte sich zur heutigen börsenotierten Semperit AG Holding (Wimpassing).

Mitte der 80er Jahre verkaufte der damalige Eigentümer die größte Bank Creditanstalt (CA), die Reifenfabrik an die deutsche Continental. Schon 1996 drohte erneut ihre Schließung, die damals unter Mithilfe höchster Regierungspolitiker (Bundeskanzler Franz Vranitzky) noch abgewendet werden konnte. (APA)

 

 

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