Mehrweganteil sinkt beständig

16. Juni 2009, 17:16
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Greenpeace und Arbeiterkammer fordern Regelungen für Mehrweggebinde - Wirtschaftskammer gegen "Zwangsbeglückung"

Wien  - Angesichts des stetig wachsender Plastikflaschen- und Dosen-Müllberge drängen die Arbeiterkammer und Greenpeace auf eine Umkehr in der Umweltpolitik und fordern eine wirksame Verpflichtung des Handels zu mehr Pfand- und Mehrwegangeboten. "Die Konsumenten und Konsumentinnen müssen wieder die freie Wahl bekommen zwischen Einweg- und Mehrweg-Gebinden", so AK-Umweltexperte Werner Hochreiter. Die Novelle der Verpackungsverordnung sei eine Chance für verbindliche Regeln für Mehrwegsysteme. Von der Wirtschaftskammer Österreich entschiedene Ablehnung gegen eine derartige "Zwangsbeglückung" der Konsumenten.

"Statt weiter an der nutzlosen, freiwilligen Vereinbarung mit der Wirtschaft festzuhalten, solle der Umweltminister endlich an verbindlichen Regelungsvorschlägen arbeiten," so AK-Experte Hochreiter anlässlich der Tagung "Mehrweg hat Zukunft" am Dienstag im Wiener Rathaus. Die freiwillige Vereinbarung werde vom Handel nur als Freibrief zum Festhalten an den Einweg-Plastikflaschen ausgenutzt. Der Einzelhandel habe seit Jahren auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen gesetzt und die Konsumenten systematisch an Einweg-Verpackungen gewöhnt. Inzwischen hätten die Verbraucher keine freie Wahl mehr zwischen sauberer Mehrwegflasche oder Einweg-Plastikflasche.

Greenpeace: Keine Mehrwegflasche für Limonaden im Regal

Untersuchungen von Greenpeace seit dem Frühjahr 2008 zeigen, dass die schon zuvor bescheidene Auswahl an Mehrweg-Leergebinden ist weiter gesunken. Es findet sich keine einzige derart verpackte Limonade, kaum mehr Fruchtsäfte, eine höchst überschaubare Auswahl an Mineralwasser, zumindest aber noch ein breites Angebot an Bier. Diskonter wie Hofer, Lidl und Penny führen sämtliche Getränke überhaupt nur mehr in Einweg-Verpackungen.

Fehlende politische Rahmenbedingungen führten den Handel in die Sackgasse, Mehrweg verschwinde zunehmend vom Markt, warnt die Umweltschutzorganisation: Getränke-Verpackungen verursachten im Jahr 2007 415.233 Tonnen an CO2-Äquivalenten in Österreich - was den jährlichen Emissionen von St. Pölten oder denjenigen aller im Burgenland benutzten Autos entspreche. "Familien werden vom Handel inzwischen gleichsam gezwungen, ihre alkoholfreien Getränke in Einweg-Gebinden zu kaufen", ärgert sich Greenpeace-Konsumentensprecherin Claudia Sprinz. Umweltminister Niki Berlakovich solle die Fehler seiner Vorgänger beheben und geeignete Rahmenbedingungen zur Erhöhung der Mehrweg-Quote festlegen. Laut der Umweltschutzorganisation beträgt die Mehrweg-Quote ohne Gastronomie nur noch 24 Prozent.

Eine Mehrwegflasche ersetzt laut AK-Umweltexperte Werner Hochreiter bis zu 40 Einwegflaschen, Mehrweg für Wasser oder Limonaden verursache nur halb so viele klimaschädliche CO2-Emissionen wie die Einweg-Plastikflasche. Die Bierdose verursache sogar dreimal so hohe klimaschädliche CO2-Emissionen im Vergleich zu Mehrweg-Glasflasche.

Wirtschaftskammer lehnt ab

Eine Ablehnung der Forderungen kommt umgehend von der Wirtschaftskammer, die vor einer "Zwangsbeglückung der Konsumenten" warnt. Der Anteil von Mehrweggebinden sei zurückgegangen, weil die Konsumenten zunehmend Getränke in Leichtgebinden bevorzugten. Nur bei Bier lege der Kunde offenbar auf Mehrwegflaschen wert - und hier bekomme er sie auch flächendeckend angeboten. (APA/red)

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    Nur bei Bierflaschen ist der Mehrweganteil noch hoch - laut Wirtschaftskammer lege hier der "Konsument drauf wert".

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