Bewerbung

Drogentests beim Aufnahmegespräch

16. Juni 2009 16:09

Praxis bei Großkonzernen in Deutschland - Persönlichkeitsrechte in nicht-sicherheitsrelevanten Berufen gefährdet

Essen/Frankfurt am Main - Gesundheitschecks vor der Einstellung, bei denen Bewerber immer häufiger auch auf Drogen getestet werden, geraten vor allem bei Datenschützern zunehmend in die Kritik. Selbst wenn Arbeitgeber argumentieren, dass sie wissen wollen, wie es ihren Mitarbeitern geht und ob sie gesund genug sind, um die Anforderungen zu erfüllen, kritisieren Gewerkschafter die Praxis von Konzernriesen wie RWE, ThyssenKrupp Stahl oder der RAG Deutsche Steinkohle. Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, führen diese Unternehmen Tests dieser Art durch. Begründet wird dies mit "Sicherheitsrisiken in sensiblen Tätigkeiten".

Eingriff in das Persönlichkeitsrecht

"Es gibt noch keine gesetzliche Regelung zu dieser Art von Tests. Werden sie in Branchen angewendet, in denen keine Verdachtsmomente vorliegen und auch kein gesetzlich verpflichtetes Interesse des Arbeitgebers besteht, stellen sie einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht dar, das vom Grundgesetz geschützt ist", so Peter Groll, Geschäftsführer der Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner. Der Jurist weist darauf hin, dass es insbesondere bei bewerbungsbezogenen Gesundheits- und Drogenchecks einer freiwilligen Einwilligung der Mitarbeiter bedarf. "Die Freiheit ist aber nur bedingt gegeben. Wer die Wahl zwischen Drogentest oder Nichteinstellung hat, gibt die Einwilligung zwar ab. Ob diese dann jedoch freiwillig geschieht, bleibt dahingestellt", sagt Groll.

Die umstrittenen Drogentests sind für Gewerkschafter ein weiteres Kapitel, das sich direkt an die Datenskandale bei Autogigant Daimler, den Einzelhandelsketten Müller und Lidl sowie der Deutschen Post und Deutschen Bahn anschließt. Zwar seien andere arbeitsrechtliche Praktiken erlaubt oder befänden sich in einer rechtlichen Grauzone, einem positiven Image sei dies jedoch nicht zuträglich, meinen PR-Fachleute. Ins Kreuzfeuer der Kritik gerät bei Drogentests, dass sich Bewerber zu Urintests oder manchmal auch zu Haarproben bereit erklären müssen, um für einen Job im Gespräch zu bleiben. Dabei wird auf THC (Cannabis), Kokain und vier bis fünf weitere gängige Substanzen getestet.

Scheinbar gängige Praxis

Aussagen der im Zentrum stehenden deutschen Großkonzerne erwecken bereits den Eindruck, dass die Praxis zum Standard geworden ist. "Wir machen bei Neueinstellungen generell einen Gesundheitscheck mit Drogenscreening", heißt es von ThyssenKrupp Stahl. RAG formuliert den Hintergrund seiner Testabsicht noch deutlicher: "Wir können keine Leute gebrauchen, die unter Drogen stehen." Auch RWE begründet eine Notwendigkeit von Drogentests damit, dass "Mitarbeiter mit Suchtverhalten sich und andere gefährden könnten". Checks von Bewerbern gehören jedoch längst nicht nur im Einzelhandel, der Stahl-, Auto- sowie Energiebranche zum Standard. Auch in der Chemieindustrie und selbst beim WDR wird "im Einzelfall" getestet. Datenschützer halten Drogentests in nicht-sicherheitsrelevanten Berufen aber für unzulässig.

Nicht zuletzt auch dadurch, dass selbst der Staat die Bewerber für den Öffentlichen Dienst auf Drogen überprüft, ist die Rechtslage nicht eindeutig. Schließlich gibt es in Deutschland bisher keine klare Vorschrift für Tests dieser Art. Rechtsfachleute weisen in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass es zwischen dem Interesse des Arbeitgebers und des Bewerbers abzuwägen gilt. Dass sämtliche Bewerber aller Branchen hingegen generell überprüft werden können, ist umstritten. Schließlich gibt es nur wenige Branchen, wo das Interesse des Arbeitgebers sogar vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist - also dort, wo andere gefährdet werden können (Piloten, Lokführer, Berufskraftfahrer). (pte)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4
El Clandestino ****
08.01.2010 18:04
!!! Nehmt mich !!!


Ich bin freuberuflicher Drogentester;

The Real Zet
 
15.10.2009 21:56

Ah, was für eine Idee. Der electric kool aid acid test...

jMor
 
07.07.2009 08:41
Wer keine Aufputschmittel nimmt

wird einfach nicht eingestellt ....

audio ergo sum.
24.06.2009 18:28
Einfach clean bleiben

den Test mitmachen, Job angeln, und dann nur mehr eingekifft in die Bude kommen...

esistnichtwasesist
18.06.2009 12:56
wie waers

wenn manager verpflichtend im adams kostuem erscheinen muessen, dann wuerden sich alle das vorgeplaenkel ueber das groesste auto, schnellsten laptop und teuerste handy etc. ersparen?

und wenns um eine befoerderung geht, koennte man endlich objektive kriterien einfuehren... der mit dem groessten ego und kleinsten anhang darf eine stufe hoeher klettern :-)

2934632
18.06.2009 09:08
Und wer sich nicht darauf einlässt...

... der vereitelt und verliert für 6 Wochen seine Bezüge.

systemfehler1
18.06.2009 07:48
Freibrief für Kokser und Gelegenheitsjunkies.

Weil wer halbwegs schlau ist weiß, dass sich K und H nur zwei bis drei Tage im Harn nachweisen lassen. Bluttests sind in der Regel zu teuer. THC hingegen hält sich, je nach Körperfettanteil bis zu einem halben Jahr, läßt sich aber zumindest zwei Wochen nach dem Konsum noch feststellen. Am flüchtigsten ist Alkohol.

Paranoider Quatsch, diese "Maßnahmen", bringt haargenau gar nix.......

Viktor Schlauberger
 
17.06.2009 18:59
ist sowas überhaupt legal ?

was ist denn wenn drogen im blut gefunden werden
kriegt der arbeitssuchenden dann nicht nur den job nicht sondern auch noch eine anzeige ?
was geschieht mit den daten die dabei gesammelt werden ?
dagegen gehört ein gesetz gemacht

Colette
07.07.2009 17:19

ich glaub Konsum ist nicht verboten, sondern Besitz (allerdings muss man es besitzen um es zu konsumieren...)

Manni Lekmi
17.06.2009 18:55
Verpflichtende Kokaintests für deutsche Politiker...

... und man könnte gar nicht so schnell schauen, wie rapido das Thema vom Tisch wäre.

SeitenblickDerVonObenKam
17.06.2009 18:44
Drogentests ...

ich würde wirklich wünschen, wenn wir mal den einen oder anderen Politiker auf Kokain bzw. Speed testen ... wenn ich da in so manche (blauen)Augen bei Interviews oder auch schon mal Live in der Disco, sehe könnten wir nen Treffer landen :o)

lg

jussuf jussuf
17.06.2009 18:02

ich bestehe auch immer auf den drogentests der arbeitgeber. wenn die chefs nämlich wieder auf koks sind und euforisch herumhupfen, stellen sie mich in ihrem akuten rausch ein, am nächsten tag ist ihr dealer dann meier und sie laufen mit dem langen gesicht herum und verbreiten überall ihre miese runterkommlaune: da ist nicht gut arbeiten, glauben sie mir.

polzinho
17.06.2009 17:30
is was doc ?

also wenn das so wichtig ist, so fragt man sich wieso nicht ärzte oder zumindest chirurgen getestet werden. dann müsste ich als patient das recht haben vor einer operation auf einen drogentest des ärzteteams zu bestehen.

das würde spannend werden.

BananaRepublic
17.06.2009 17:19
Nicht auszudenken

was passiert wenn diese Daten zu Versicherungen etc
durchsickern würden!
bzw evtl sogar an Pharma/Med Firmen verkauft werden würden???????

Datensätze von Menschen sind begehrt am Markt!

Londo Mollari
 
17.06.2009 17:19
leider war ich noch nie bei einem aufnahmegspräch, bei dem ich gleich drogen testen durfte

bicycle repair woman
17.06.2009 21:05

hast dich anscheinend für die falschen jobs beworben?!

probiers mal bei "check it"! ;)

Hanne Christler
17.06.2009 20:17
Ich auch nicht!

Deswegen ziehe ich mir vor einem ANG einen rein. Beruhigt und überzeugt. Bin seit Jahren bei der VOEST;
aber vielleicht war das damals nur Zufall.

akazienbär
17.06.2009 15:55
argh

also besser keinen mohnstrudel vorm bewerbungsgespräch...

Ich hab mich schon gefragt wann diese hirnlose Praxis auch zu uns kommt.

Wer Drogen konsumiert, ist also am Arbeitsplatz auch auf Drogen.
Aber wer Alkohol trinkt, ist natürlich nicht am Arbeitsplatz betrunken. Sind ja keine hirntoten Drogenopfer, sondern Genießer.

WTF

Sabine Werner
17.06.2009 15:43

Dann müssen auch Alkohol, Nikotin, fettes Essen, falscher Sport usw. untersucht werden. Am besten einen Überwachungschip ins Hirn implantieren, damit der Arbeitgeber (Besitzer) jederzeit weiß, was man wann, wo, mit wem, getan hat;

RT
17.06.2009 15:11
Von der anderen Seite betrachtet...

...sieht das so aus:

Würden SIE als Arbeitgeber jemanden aufnehmen, der/die nach Alkohol riecht, eine übergroße, tiefrot eingefärbte Nase hat oder rote, nasse Augen hat???
der/die also (vermeintlich) ein Alkoholproblem hat???

Ich würde das nicht!

Was bei Alkohol manchmal erkennbar ist, kann ein Arbeitgeber im Zusammenhang mit Drogen also nur mittels Blut/Urintest erkennen.

Oder würden Sie jemanden anstellen, der drogenabhängig ist? also Gefahr läuft, sein Geld nicht verwalten zu können...?

Ich würde das nicht!

Aus meiner Sicht gehen die beschriebenen Test in Ordnung.

Niemand muss schließlich den Test machen und kann einen anderen Arbeitgeber wählen.

(her mit den roten Strichen... dann aber bitte mit Gegenargument!)

fryc
17.06.2009 22:10
dann aber bitte mit Gegenargument!

Stell Dir vor:

Du bist einer der wenigen Auserwählten, die einen Weltführer wählen sollen, einen Präsidenten, der alle Länder unserer Welt steuern und der Mensch und Tier Frieden und Wohlstand bringen soll. Du hast drei Kandidaten, zwischen denen Du wählen kannst.

Doch zuerst wollen wir, dass Du die folgende Frage beantwortest:
Wenn Du eine Frau kennen würdest, die schwanger ist und schon acht Kinder hätte, von denen drei taub sind, zwei blind und eins zurück geblieben ist, und die Frau selbst hätte Syphilis. Würdest Du ihr zu einer Abtreibung raten?

So, nun weiter zu den drei Kandidaten, von denen Du einen wählen kannst:

Kandidat 1:
Er arbeitet mit geschmierten Politikern, konsultiert Astrologen und hat zwei Liebhaberinnen nebenher. A

Phaeton für ZENSUR, Verschrottungsprämie Neu
17.06.2009 21:10
Genuss vs. Sucht


Sie vermischen zwei verschiedene sachen.

Sie haben Recht kein Mensch stellt einen Alki ein, genauso wie keiner einen Junkie einstellt. Denn wenn der jenige ein problem hat sieht/merkt man es!

Und wenn ich am Wochenende mit Freunden eine/mehrere Joint/s rauch, komm ich am Montag genauso fit in die Arbeit wie sie.

Andere arbeitgeber ist unter umständen nicht erwünscht/nicht möglich.

RT
17.06.2009 22:25
Denn wenn der jenige ein problem hat...

...sieht/merkt man es???

* Einen Quartalstrinker erkennt man nicht wenn er trocken ist (und solche können Wochen... Monate trocken sein)

* Und ich persönlich kann anhand von glasigen Augen nicht erkennen, ob einer gekokst hat oder nur überarbeitet ist oder einfach zu wenig geschlafen hat.

diskdusk
17.06.2009 23:55

Würden Sie aber, wenn Sie nun feststellen dass ein Kandidat in den letzten Wochen Alkohol konsumiert hat, darauf schließen dass er Alkoholiker ist und ihn deshalb nicht einstellen? Und angenommen er lehnt den Konsum jeglicher Drogen ab (keine illegalen, keine legalen wie Alkohol, Nikotin, Koffein, etc.) - woher wissen Sie dass er nicht psychische Krankheiten mitbringt, vielleicht ist er latent schizophren, leidet unter Depressionen - oder könnte in Zukunft darunter zu leiden beginnen?

Im Endeffekt bleiben nur 2 Möglichkeiten: totale Überwachung und Gen-Check in Hinsicht auf alle möglichen zukünftigen Krankheiten und Schwächen. Oder Menschenkenntnis und Aufmerksamkeit während der Probezeit. Die Leistung in der Arbeit zählt.

Lectrice
17.06.2009 19:19
Für einen paranoiden Chef/eine Firma in der so paranoide Einstellungen herrschen würde ich generell nicht arbeiten. Und das kann man auch als Mitarbeiter bei einem Bewerbungsgespräch sehr gut

abtasten, wie es umgekehrt die Firma auch macht.

Das ist ja keine einseitige Angelegenheit!

Können umgekehrt Mitarbeiter Ihren Chef testen lassen, ob der massive Persönlichkeits-/ Psycho- usw. Probleme hat, Medikamente nehmen muss, weil er schon knapp am Burnout ist überfordert ist usw.u. deshalb seine Launen an seiner Umgebung auslässt usw.?

Wenn wir das alles beidseitig einführen, weil wir mal vom Schlimmsten ausgehen und anderen mal gar keine Chance/Vertrauensvorschuss geben - na danke, das kann ja sehr angenehm und heiter werden.

Zu guter letzt, kann dann niemand mehr arbeiten, weil die stärkste Psyche das auf Dauer nicht verkraftet!!


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