Ziemlich gut durch die Krise

16. Juni 2009, 18:33
10 Postings

Saison 08/09 brachte mit den Lakers einen von vielen erwarteten Champion - Die Zuschauer-Zahlen entwickelten sich trotz wirt­schaft­lichen Abschwungs erfreulich

New York/Los Angeles - Sport auf höchstem Niveau, aber auch Krise, Kündigungen und Karriereknicks: Die NBA blickt auf eine Saison zurück, die mit den Los Angeles Lakers den von vielen erwarteten Meister hervorbrachte. Für Kobe Bryant und seinen Coach Phil Jackson bedeutete der 15. Titel der Lakers (Rekordhalter mit 17 Meisterschaften ist Boston) die Krönung, während die beste und wichtigste Basketball-Liga der Welt die Finanzkrise zu schaffen machte.

Bryant bewies, dass er die Kalifornier auch ohne Shaquille O'Neal zum Titel führen kann. Er entwickelte sich zum Teamleader. Jackson feierte die zehnte Meisterschaft seiner einzigartigen Trainerkarriere, die von seiner Zeit mit den Chicago Bulls um Michael Jordan geprägt wurde, und überholte damit den legendären Red Auerbach. Doch im Schatten der Glamour-Show brachte das Börsen-Beben an der Wall Street das Millionen-Imperium NBA und einige seiner Klubs ebenfalls ins Wanken.

Bereits im Oktober hatte Liga-Boss David Stern angekündigt, rund 80 Stellen im NBA-Hauptquarter in New York zu streichen. Zudem befürchtete er sinkende Zuschauer-Zahlen. "Das einzige, was wahrscheinlich steigen wird, sind die Einschaltquoten", prognostizierte Stern - und hatte damit Recht.

Die lokalen TV-Sender verzeichneten rund zehn Prozent mehr Zuschauer. In Cleveland, wo die Cavaliers erstmals als Nummer eins der Vorrunde einkamen, gab es einen regelrechten Boom. Die Einschaltquoten von Fox Sports Ohio stiegen um 130 Prozent. "Wir sind in einer Phase des anhaltenden Erfolgs. Cleveland ist zwar kein designierter Wachstumsmarkt wie Phoenix oder Las Vegas, aber wir sind das einzige NBA-Team in Ohio und deshalb sollte es hier rund 15 Millionen Cavs-Fans geben", meinte Präsident Len Komoroski.

Auch die nationalen Fernseh-Sender konnten zufrieden sein. TNT hatte mit 10,1 Millionen Zuschauern beim vierten Conference-Finale zwischen Cleveland und den Orlando Magic die höchste Basketball-Einschaltquote in der Geschichte eines US-Kabel-Programms. Im Westen verfolgten 9,73 Millionen Menschen das vierte Duell der Lakers mit den Denver Nuggets - die beste Quote in der 30-jährigen Geschichte des Sportkabel-Senders ESPN. Die Finalserie zwischen Los Angeles und dem Überraschungsteam aus Orlando sahen im Schnitt 14 Millionen.

Auch Besucherzahlen in den Hallen entwickelten sich besser als erwartet. In der Vorrunde kamen 21,55 Millionen Fans zu den Spielen - 153.662 mehr als in der Saison zuvor. Im Schnitt verfolgten 17.520 Zuschauer die Partien - die dritthöchste Quote der NBA-Geschichte. Den größten Zuspruch hatten die Dallas Mavericks, obwohl die Texaner eine Saison mit Höhen und Tiefen lieferten. Die Heimspiele im American Airlines Center waren dennoch zu 104,4 Prozent ausverkauft. Die zusätzlichen 4,4 Prozent ergaben sich aus dem Absatz von Stehplatz-Tickets.

Dallas war in Zeiten knapper Kassen eine von wenigen Oasen - auch Dank seines innovativen Besitzers Mark Cuban. "In Erwartung schwerer Zeiten haben wir in der Vergangenheit bereits die Ticketpreise gesenkt. Wir wollen trotz der Finanzkrise für unsere Fans erschwinglich bleiben", betonte Cuban. Andere Teams zogen nach, dennoch kostete ein NBA-Spiel für eine Familie mit zwei Kindern inklusive Verpflegung, Programmheft und Parkplatzgebühren im Schnitt 282 Dollar (204 Euro).

Gerade zum Ende der Saison war das für viele Interessierte zu viel - besonders, wenn ihr Team keine Chance mehr auf die Playoffs hatte. Dennoch zog Stern ein zufriedenes Fazit. Die Liga sei gesund, vor allem wenn man sich andere Märkte anschaue, meinte der NBA-Boss. (APA/dpa/red)

Share if you care.