Untersuchungen am Schweizertor brachten Überraschung

16. Juni 2009, 15:31
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Das Tor präsentierte sich ursprünglich in Blaugrau und wurde als "hochrangiges Trägermedium für politische Propaganda" genutzt

Wien - Untersuchungen der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt Wien am Schweizertor der Wiener Hofburg ergaben überraschende neue Erkenntnisse hinsichtlich seines früheren Aussehens. Das repräsentative Tor zum Schweizerhof wurde einst im Auftrag von König Ferdinand I. (1503-1564) als Hauptzugang zu seiner Residenz 1552-53 errichtet. Wie sich zeigte, war die Portalarchitektur ursprünglich in der Eigenfarbe des Steins belassen; heute präsentiert sich das Tor in Rot und Dunkelgrau.

Der Befund der Restauratorin Susanne Beseler im Rahmen des Forschungsprojekts "Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg" verblüffte die Wissenschafter. Denn Reparaturarbeiten und Renovierungen der vergangenen 150 Jahre hatten von der ursprünglichen Renaissancegestaltung und Oberfläche "scheinbar nichts" übrig gelassen, hieß es. Renate Holzschuh-Hofer, Renaissance-Expertin und Forscherin des "Hofburgprojekts", untersuchte jedoch eine Stelle des Portals, die heute durch eine Vermauerung der Barockzeit verdeckt ist. Hier zeigte sich ein Stück unzerstörter Renaissance-Architektur und damit ein Rest des originalen Schweizertores. "Die Gestaltung aus der Bauzeit und die originale Vergoldung kamen ebenso zum Vorschein wie alle späteren Renovierungsschichten bis zum 18. Jahrhundert", so Holzschuh-Hofer.

Kühles Blaugrau

Besonders erstaunlich sei laut ÖAW die Erkenntnis, dass die Portalarchitektur zur Bauzeit in der Eigenfarbe des Steins belassen war: dem "kühlen Blaugrau" des Sandsteins aus dem heute nicht mehr existierenden Dornbacher Steinbruch am damals westlichen Stadtrand von Wien. Aus dem gleichen Stein bestünden viele andere der von König Ferdinand I. in der Hofburg in Auftrag gegebenen Bauten, darunter die Stallburg.

Das heutige Erscheinungsbild in Rot-Dunkelgrau geht laut ÖAW "auf eine barocke Gestaltung, angebracht nach 1763 und vor 1828, zurück". Die Experten erstellten eine Rekonstruktionszeichnung des Schweizer Tores mit seiner ursprünglichen "renaissancezeitliche Optik". Die ursprüngliche Farbgebung in Blaugrau-Gold sei ebenso wie die Reliefdarstellungen kein Zufall: "Alle Details an den beiden Seiten des Portals und an der Wandmalerei in der Durchfahrt sind bis ins Detail durchdacht und stellen symbolhaft den politischen Triumph von König Ferdinand I. über seinen mächtigen kaiserlichen Bruder Karl V. dar", hieß es. Ferdinand habe 1552 endgültig durchsetzen können, dass das Kaisertum auf die österreichische Linie der Habsburger übertragen wurde. Nach dem Rücktritt Kaiser Karls V. (1556) wurde er 1558 zum Kaiser proklamiert.

Politische Propaganda

Das Schweizertor als Hauptzugang zur Residenz Kaiser Ferdinands I. sei demnach "als hochrangiges Trägermedium für politische Propaganda genutzt" worden - "eine triumphale Mitteilung in der Sprache der Kunst mit antiken kaiserlichen Sieges-Symbolen und Trophäen in den Reliefs". Es stehe rückblickend als Zeichen für den Beginn der österreichischen Donaumonarchie, in der bis zu ihrem Ende die Stadt Wien mit kurzen Unterbrechungen kontinuierlich die kaiserliche Residenz darstellte.

Der Name "Schweizertor" ist seit Maria Theresia gebräuchlich: Ihrem Gemahl, Kaiser Franz I. Stephan, war es nicht gestattet, die königlichen und erzherzoglichen Garden seiner Gemahlin in Anspruch zu nehmen, also engagierte er eine Schweizer Garde. So bürgerte sich der ÖAW zufolge seit dem späten 18. Jahrhundert der Name "Schweizertor" als Zugang zum "Schweizerhof" ein, der sich bis heute erhalten hat.

Das an der Kommission für Kunstgeschichte der ÖAW durchgeführte "Hofburgprojekt" wird vom Wissenschaftsfonds FWF finanziert. Die Bauforschungen werden von Bundesdenkmalamt und Burghauptmannschaft unterstützt. (APA/red)

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