Journalistenportal sammelt Spenden für Recherchen

16. Juni 2009, 15:07
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Spot.Us-Nutzer bestimmen über lesenswerte Lokalnachrichten

Der Medienwandel und die Zukunft des Journalismus sind besonders in Zeiten der Krise Thema umfangreicher Debatten. Das Internetportal Spot.Us hat es sich nunmehr zur Aufgabe gemacht, diese Zukunft grundlegend zu ermöglichen und entscheidend mitzugestalten. Die Plattform sammelt Spenden für emsige Lokalreporter, die mit den Recherchen für ihre Storys erst beginnen, wenn diese finanziert sind. Damit bestimmen die Leser, für welche Inhalte sie in Zukunft bereit sind zu bezahlen. Während renommierte Verlagshäuser mit einbrechenden Werbeeinnahmen kämpfen und nicht mehr nur diskutieren, User für Content zur Kasse zu bitten, sondern dies bereits umsetzen, verselbstständigen sich Spot.Us und dessen freie Schreiber und nehmen das Heft in die eigene Hand.

Lokalnachrichten

Trotz einer zunehmend globalisierten Medienwelt und engeren Verflechtungen zwischen traditionellen Nachrichtenkanälen und Online-Angeboten steigt die Bedeutung von Lokalnachrichten. Internet-Medien mit Regional- oder Lokalfokus erfreuen sich eines wachsenden Zustroms vonseiten der Leserschaft, was Werbetreibende nicht lange auf Distanz halten dürfte. So haben zuletzt rund 150 deutsche Tages- und Regionalzeitungen aus 34 Verlagen zur Vermarktung ihrer Online-Auftritte eine neue Mega-Allianz gegründet. "Regionalzeitungen und Lokalteile haben nach wie vor einen hohen Stellenwert und bei der Kommunikation bleibt Regionalität ein wichtiger Faktor. Entsprechend zeichnet sich auch die Entwicklung zum regionalen Web-Journalismus immer deutlicher ab", meint ein Experte für Journalismus und Medien gegenüber pressetext.

Die Idee, Nutzer für Online-Medieninhalte bezahlen zu lassen, ist zwar grundsätzlich keine neue. So hat zuletzt etwa die Wirtschaftszeitschrift BusinessWeek angekündigt, Teile ihres Printmagazins auf ihrer Web-Präsenz ausschließlich zahlenden Benutzern verfügbar zu machen. Dem war bereits eine Reihe von Angeboten unter Federführung durch Medienmogul Rupert Murdoch vorausgegangen. Neu an dem Spot.Us-Ansatz ist jedoch, dass Nutzer durch ihre Finanzierung bereits im Vorfeld der Recherchen über die Inhalte bestimmen und nicht wie üblich von den Redaktionen gefüttert werden.

Experten zufolge dürfte dem Angebot bzw. den Journalisten eine breite Akzeptanz und finanzielle Unterstützung vonseiten der Leser widerfahren. Diese würden im gelieferten Qualitätsjournalismus einen Dienst am Gemeinwohl erkennen und mit einer ähnlich hohen Bereitschaft spenden wie auch für andere gemeinnützige Organisationen. So wurden in den ersten sechs Monaten seit Bestehen 23 Spot.Us-Storys finanziert und die Idee fand in diversen US-amerikanischen Städten sowie in Neuseeland, Kanada und Japan bereits Nachahmer. Ob sich das Angebot an schreibwilligen Journalisten und an gespendetem Kapital mit wachsender Bekanntheit künftig die Waage halten können, bleibt dennoch offen. (pte)

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