Großayatollah Montazeri ruft zu friedlichen Protesten auf

17. Juni 2009, 16:43
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Dissident aus der Heiligen Stadt Quom: Jugend soll ihre Rechte einfordern

Der Großayatollah Hossein Ali Montazeri hat am Dienstag die iranische Jugend aufgerufen, die Proteste fortzusetzen, um so ohne Gewalt ihre Rechte einzufordern. In dem an die iranische Nation gerichteten Text mahnt der Kleriker aber auch zu Geduld und Zurückhaltung.

Montazeri, der zeitweise als Nachfolger von Ayatollah Khomeini galt, war wegen seiner liberalen Ansichten kurz vor Khomeinis Tod 1989 in Ungnade gefallen. An seine Stelle trat der heutige religiöse Führer Ayatollah Ali Khamenei. In den 90er-Jahren wurde Montazeri mit mehrjährigem Hausarrest in der Heiligen Stadt Quom belegt.

Rektor verurteilt Angriff auf Studenten

Der Rektor der Teheraner Universität, Farhad Rahbar, hat einen brutalen Angriff auf seine Studenten scharf verurteilt. In einer von der "Tehran Times" veröffentlichten Erklärung heißt es, Montag Früh hätten Unbekannte die Schlafsäle der Universität von Teheran, "ein Symbol der höheren Bildung im Lande" gestürmt und seine "lieben Studenten verprügelt". Dies habe ihn mit tiefem Schmerz und Bitterkeit erfüllt, schrieb der Rektor der Hochschule, die wiederholt Schauplatz heftiger Proteste gegen die iranische Führung war.

Auch im Zuge der Proteste gegen die offiziell verkündeten Ergebnisse der iranischen Präsidentschaftswahl am Freitag war es an der Teheraner Uni zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Universität gilt als eine der Hochburgen der Reformbewegung. Rahbar forderte eine behördliche Untersuchung der Vorfälle in den Schlafsälen, um die Verantwortlichen bestrafen zu können.

In einer gesonderten Erklärung der Universität von Teheran wurde die "Anwesenheit außenstehender, unbefugter Personen auf dem Universitätsgelände" scharf verurteilt, die Studenten angegriffen und die Hoheitsrechte der Hochschule verletzt hätten. Außerdem sei Universitätseigentum beschädigt werden. Justiz und Polizei müssten die Schuldigen ausfindig machen und die Sicherheit der Universität garantieren.

Das Universitätsgelände in Teheran war 1999 im Zuge landesweiter Studentenproteste Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften gewesen. Ein Mensch wurde damals getötet, mehrere hunderte wurden verletzt.

Parlamentspräsident leitet Untersuchung ein

Der iranische Parlamentspräsident Ali Larijani setzte eine Kommission ein, um die jüngsten "unglücklichen Vorfälle" an der Teheraner Universität zu untersuchen. Es scheine, dass "im Verborgenen arbeitende Kräfte" danach trachteten, "ausländischen Medien Stoff für ihre Propaganda zu liefern", sagte Larijani nach Angaben von "Press TV". Die von Larijani mit der Untersuchung beauftragten Abgeordneten forderten die Freilassung festgenommener Studenten und die Verhaftung der Gewalttäter. Auch müssten die Studenten für die erlittenen Schäden entschädigt werden. (red/APA)

Links

Le Monde: Le religieux dissident Montazeri appelle à manifester pacifiquement

Der Brief des Großayatollahs im Original und auf Englisch

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    Hossein Ali Montazeri:

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