Automobiler Wertewandler kommt auf leisen Pfoten

16. Juni 2009, 17:48
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i-MiEV: Mitsubishi prescht Ende 2010 mit Serien-Elektroauto vor

Der Herr Minister war schon da gewesen. Um acht Uhr früh. Niki Berlakovich hatte den Standard damit umwelttechnisch um knappe zwei Stunden ausgebremst. Und die Kollegen vom ORF, bei automotiven Themen traditionell unheimlich stark, waren von dem innovativen Japan-Vehikel gleich so hingerissen, dass sie eine halbe Stunde länger wegblieben als vereinbart - was soll's, besser, es wartet wer auf einen als umgekehrt.

Ja, es war ein regelrechtes G'riss um den i-MiEV. Um Mitsubishis ambitionierten Vorstoß in Sachen Elektroauto. Kein Wunder, denn bereits im Juli startet der Verkauf in Japan, ab Jahresende dürfen dort auch private Kunden zugreifen, und mit allen Unterstützungen von Fiskus und Tenno kostet der i-MiEV dort dann 21.500 €.

Aus Kapazitätsgründen und weil's die Linkslenkerausführung noch nicht gibt, dauert es in Europa, wo auch Österreich liegt, noch bis gegen Ende 2010, ab dann können zum Beispiel Behörden wie Ministerien aus dem Lippen- ein echtes Bekenntnis machen, zur Mobilität der Zukunft und Schonung der Umwelt, sozusagen. Privatiers müssen sich noch bis Mitte 2011 gedulden.

Erster Fahreindruck? Mitsubishis automobiler Wertewandler kommt auf leisen Pfoten, außer Reifengeräuschen ist nicht viel zu hören, ein E-Motor macht eben nicht "broooaaarrr!" zur Begrüßung. Tritt man aufs Gaspedal, überrascht der i-MiEV aber durch strammen Durchzug. Daran wird man sich also gewöhnen müssen (was wir gern tun): dass das vermeintlich mickrige Drehmoment von 180 Nm vom Fleck weg zur Verfügung steht.


Besser sauber als schön: Der i-MiEV wird rein elektrisch angetrieben und bietet vier Insassen Platz. Mit 3,45 m Kürze passt er auch noch tadellos in enge Städte.

Damit man die Lithium-Ionen-Batterie aus Enthusiasmus nicht gleich nach 50 km leer gefahren hat, gibt's eine Art Schleichfahrtmodus: Automatik auf "Eco", schon fährt man sittsamer und länger. Geht's bergab, wechselt man auf "Brake": dann lädt sich die Batterie, die wegen des gewünschten niedrigen Schwerpunkts gemeinsam mit E-Motor und Getriebe im Unterboden untergebracht ist, während der Fahrt auf.

Im normalen Fahrtmodus kommt man laut Hersteller mit einer Ladung handelsüblichen Stroms für drei Euro rund 140 km weit, das sollte locker reichen für die durchschnittliche Tageskilometerleistung von Frau und Herrn Österreicher.

Laden an der 220-V-Dose daheim dauert dann sieben Stunden. Sollte aber irgendwann einmal eine Schnelllade-Infrastruktur aufgebaut sein, spielt das zweite Ladesystem an Bord seinen Trumpf aus: Dann nämlich lässt sich die Batterie in nur einer halben Stunde auf 80 Prozent der Gesamtkapazität bringen. Während man im Café sitzt und Standard liest, zum Beispiel. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/12.6.2009)

  • Statt Drehzahlmesser eine Anzeige, die zeigt, wie viel Strom man beim
Gasgeben braucht.
    foto: skarics

    Statt Drehzahlmesser eine Anzeige, die zeigt, wie viel Strom man beim Gasgeben braucht.

  • Die Schaltung hat auch eine Schleichfahrtfunktion
("Eco").
    foto: skarics

    Die Schaltung hat auch eine Schleichfahrtfunktion ("Eco").

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    grafik: der standard
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