Feinsteuerung des Enzyms mTOR erforscht

16. Juni 2009, 14:27
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mTOR regelt Zellwachstum über zwei Proteinkomplexe - Sie beeinflussen einander aber auch untereinander

Wien - Das Enzym mTOR reguliert Zellwachstum und Zellteilung und stellt derzeit einen wesentlichen Ansatz bei der Behandlung von Krebserkrankungen dar. Hemmstoffe des Proteins sind die neueste Klasse von Arzneimitteln zur Behandlung bösartiger Erkrankungen, auch wenn sie schon seit einiger Zeit in der Transplantationsmedizin zur Unterdrückung der Abwehrreaktion verwendet werden. In einer neuen wissenschaftlichen Arbeit hat jetzt ein Team unter dem Wiener Humangenetiker Markus Hengstschläger zeigen können, wie die Feinsteuerung von mTOR funktioniert.

Der Hintergrund: Rapamycin, Temsirolimus, Sirolimus etc. sind Substanzen, die eine zusätzliche Chance für Krebspatienten mit bisher schwer behandelbaren Krebserkrankungen bieten können. Sie hemmen das Enzym mTOR in Krebszellen.

"Temsirolimus peilt ein Ziel in der Krebszelle an, welches das Wachstum, das Absterben und die Vermehrung kontrolliert", sagte vor einiger Zeit der Chef der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH, der Onkologe Christoph Zielinski, bei einer Pressekonferenz zu diesem Thema.

Unbekannte Wirkung

Obwohl die entsprechenden Arzneimittel mittlerweile schon einige Zeit zugelassen sind, blieben einige Aspekte unbekannt: die genaue Wirkungsweise sowie der Hintergrund, wie mTOR in Zellen funktioniert. Es liegt dort in der Form von zwei verschiedenen Proteinkomplexen - mTORC1 und mTORC2 - vor. Vergangenes Jahr zeigten Markus Hengstschläger von der Medizinische Genetik der MedUni Wien und sein Team, dass Rapamycin auf die beiden Proteinkomplexe völlig unterschiedliche Wirkungen besitzt.

Jetzt gibt es dazu eine weitere Publikation aus dem Team. Hengstschläger: "Man hat gewusst, dass mTORC1 wichtig ist, welche Funktion mTORC2 hat, das hat man nicht gewusst. Wir konnten zeigen, dass auch mTORC2 in der Lage ist, eine Zelle in die Deregulation bezüglich ihres Wachstums und ihrer Teilung zu bringen. Wir haben gewusst, dass Substanzen wie Rapamycin mTORC1 beeinflussen. Doch jetzt müsste man bei allen Studien mit Medikamenten, die hier wirken sollen, auch ihren Einfluss auf die beiden Enzymkomplexe einbeziehen."

Hinzu kommt, dass mTORC2 über eine Rückkopplung auch die Aktivität von mTORC1 beeinflussen kann. Das bedeutet, dass man beim Einsatz von mTOR-Hemmstoffen in der Krebstherapie möglichst genau feststellen sollte, ob die verwendete Substanz eine oder beide Varianten blockiert - oder, ob der Tumor eben eine, die andere oder beide Varianten besonders stark produziert. Umgekehrt sollten - so Hengstschläger - klinische Studien mit derartigen Substanzen eben genau darauf abgestimmt werden, welche Patienten man mit welchen Tumor-Charakteristika in die Untersuchung aufnimmt. (APA)

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