Real-Shoppingtour erhitzt die Gemüter

16. Juni 2009, 12:38
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Gewährte Kredite stoßen bei Finanzministerin Elena Salgado auf wenig Ver­ständnis - Auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge übt Kritik: ­ "Das wird mir zu absurd" - Ribery soll in München bleiben

Madrid - Real Madrid braucht sich um die sündteure Finanzierung der Fußball-Superstars Cristiano Ronaldo und Kaka keine Sorgen mehr zu machen. Der spanische Rekordmeister erhielt nach Presseberichten vom Dienstag von der Großbank Santander und von der Großsparkasse Caja Madrid einen Kredit von zusammen rund 150 Millionen Euro. Als Garantie sehen beide Geldinstitute demnach die Fernseh-Übertragungsrechte der Erstligaspiele, die den "Königlichen" in den kommenden sieben Jahren etwa 1,1 Milliarden Euro an Einnahmen sichern.

Für den Wechsel des Portugiesen Ronaldo vom englischen Meister Manchester United zu Real Madrid will der spanische Club die Rekordsumme von 80 Millionen Pfund (94,4 Mio. Euro) zahlen. Der Brasilianer Kaka, der bisher für den italienischen Spitzenclub AC Milan gespielt hat, kostet die Madrilenen 68 Millionen Euro.

Die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado zeigte sich angesichts des Kredits "überrascht", da die Banken wegen der Finanzkrise den Geldhahn weitgehend zugedreht haben. "Wenn die Geldinstitute für so etwas liquide sind, sollten sie auch kleinen und mittleren Unternehmen sowie Privatleuten Geld leihen", meinte Salgado.

Thema im spanischen Parlament

Die kleine katalanische Linkspartei ICV brachte am Dienstag im spanischen Parlament einen Antrag ein, mit dem Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero zu einer europaweiten Initiative zur Begrenzung der Profi-Gehälter bewegt werden soll. Die Partei fordert zudem, die Regierung müsse dafür sorgen, dass die Fußball-Clubs zunächst ihre Steuerschulden begleichen, bevor sie Millionen für neue Spieler ausgeben.

Die Initiative hat angesichts der Mehrheitsverhältnisse zwar kaum Aussicht auf Erfolg. Mehrere Abgeordnete schlossen sich aber der Meinung an, dass die astronomischen Summen auch angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise gegen jegliche Ethik und Moral verstoßen. Allerdings seien Fußball-Vereine wie Privatunternehmen anzusehen, und es herrsche freie Marktwirtschaft. "Wenn ein Club mit einem 100 Millionen Euro schweren Neuzugang Selbstmord begehen will, ist das sein Problem, nicht das Problem der Spanier", meinte die konservative Abgeordnete Celia Villalobos.

Hitzfeld sieht Wettbewerbsverzerrung

Der deutsche Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld sieht die Transfers als problematisch für einen fairen Wettbewerb an. "Man sollte die Investitionen selbst bezahlen können. Ich finde es sehr fraglich, wenn sich der Verein überschuldet. Real macht ja wieder mehr Schulden, als sie schon haben. Das finde ich etwas unseriös", sagte der Trainer der Schweizer Nationalmannschaft in einem Interview der "tz" (Dienstag). "Wenn sich Vereine maßlos überschulden können, ist das Wettbewerbsverzerrung."

Hitzfeld fände ein klares Lizenzierungs-Verfahren der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gut und auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht sich in dem von ihm schon mehrfach vorangetriebenem Projekt gefordert. "Ich habe mich bereits mit (UEFA-Präsident) Michel Platini verständigt. Wir werden in Sachen Financial Fairplay neue Regeln aufstellen müssen", sagte Rummenigge, der auch Vorsitzender der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) ist. 

"Wir müssen wieder mehr Rationalität reinbekommen. Die Summen, die da im Moment durch die Gegend fliegen, sind keinem Menschen auf der Straße mehr zu vermitteln. Rechnen Sie allein mal die 94 Millionen für Ronaldo plus die kolportierten 11,5 Millionen Netto-Gehalt ­ das wird mir zu absurd."

Keine Freigabe der Bayern für Ribery

Im Transferpoker um Bayern-Spieler Franck Ribery will Rummenigge auch bei einem noch so lukrativen Angebot für den französischen Fußball-Star nicht schwach werden. "Es wird immer der Eindruck vermittelt, Bayern München würde den Preis hochtreiben und dann bei einer bestimmten Summe bereit sein, Franck abzugeben. Ich sage es noch mal mit klaren Worten: Wir wollen, dass Ribery bleibt", betont Rummenigge.

Man wolle deshalb mit Real Madrid nicht über einen Transfer sprechen, "weil wir überhaupt keine Intention haben, Ribery zu verkaufen", erklärte der Bayern-Vorstand. Bisher wurde mehrfach kolportiert, dass die Münchner den bis 2011 gebundenen Mittelfeldspieler bei einer Ablösesumme von mindestens 60 Millionen plus X ziehen lassen und so einen fetten Gewinn einstreichen könnten.

"Wenn man nur kaufmännisch denken würde, wäre es eine Überlegung wert. Aber Fußball ist nicht nur kaufmännisch, sondern auch emotional zu sehen. Wir haben Franck ja vor zwei Jahren nicht gekauft, um mit ihm Kasse zu machen. Sondern, um unsere Mannschaft fußballerisch zu verbessern. Jetzt müssen wir alles tun, damit er in München bleibt. Dazu bin ich fest entschlossen", bekräftigte Rummenigge.

Laut der spanischen Marca bot Real für Ribery zuletzt 25 Millionen Euro plus die beiden niederländischen Nationalspieler Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart. Letzter macht derzeit schwere Zeiten durch: seine als TV-Moderatorin bekannte Frau Sylvie ist an Brustkrebs erkrankt. Die Krankheit sei bereits vor einem Monat entdeckt und erfolgreich operiert worden, erklärte das Management der 31 Jahre alten Niederländerin am Dienstag. Derzeit entspanne sich die ganze Familie van der Vaart im Urlaub. Ab Juli werde sich die Mutter eines Sohnes dann einer vorbeugenden Chemotherapie unterziehen.

Kritik von Torres

Der spanische Stürmerstar Fernando Torres beklagt indes die geringe Wertschätzung spanischer Fußball-Nationalspieler in deren Heimat . "In Spanien werden die Spieler immer noch nicht richtig anerkannt. Wir haben die beste Auswahl der Welt und man könnte viel Geld für unsere Spieler ausgeben, aber es gibt keinen Club, der das macht. Sie machen es nur bei ausländischen Spielern", kritisierte der Profi des FC Liverpool, dem beim 5:0-Sieg des Europameisters gegen Neuseeland zum Auftakt des Confederations Cups ein Hattrick gelungen war, am Montag bei einer Pressekonferenz in Rustenburg.(APA)

Links

kicker.de: "Was Real Madrid treibt, ist Irrsinn"

faz.net: "Koste es, was es wolle"

 

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    Die spanische Finanzministerin Elena Salgado fordert mehr Solidarität für kleine und mittlere Unternehmen.

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    Ähnlichkeiten...

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    ...sind purer Zufall. Scharfschütze Cristiano Ronaldo soll jedenfalls 94,4 Millionen Euro Ablöse wert sein. Für alle die noch immer in Schillingen denken: das sind 1,3 Milliarden Mücken minus ein paar Zerquetschte.

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    Tschüssikowski? Franck Ribery steht bei Real höher im Kurs als den Bayern lieb ist.

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