Prostatakarzinom wird verhinderbar

16. Juni 2009, 12:48
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Für Männer mit hohem PSA: Ein neues Medikament verhindert die Entwicklung von Prostatakrebs

Wien - Gute Nachricht, was das Prostatakarzinom betrifft: Mit einer Erfolgsrate von 23 Prozent lässt sich die bei Männern zweithäufigste Krebs-Todesursache zumindest für Personen mit einem erhöhten Risiko medikamentös verhindern. Das hat eine große wissenschaftliche Studie ergeben, erklärte am Dienstag der Wiener Urologe Stephan Madersbacher (SMZ-Ost) bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Untersuchung ist eines der Themen der Jahrestagung der österreichischen Urologen in den kommenden Tagen (18. bis 20. Juni) in Salzburg.

"Das Prostatakarzinom ist der häufigste nicht-kutane Tumor des Mannes. Jeder sechste bis achte Mann erkrankt, jeder 30. stirbt daran", sagte Madersbacher. Treibender Faktor für die Entstehung und das Wachstum dieser Karzinome ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron. In seiner Entstehung spielt das Enzym 5-Alpha-Reduktase eine entscheidende Rolle.

Wachstum blockieren

Die Blockade der 5-Alpha-Reduktase durch Medikamente soll nun einen Fortschritt bringen. Jahre nach einer ersten erfolgreichen Studie mit der Substanz Finasterid liegt jetzt eine zweite internationale Untersuchung mit 8.000 Probanden mit dem Wirkstoff Dutasterid vor. Die Männer mussten einen erhöhten PSA-Wert im Blut haben, aber noch keinen per Biopsie nachgewiesenen Tumor. Vier Jahre lang erhielten sie pro Tag 0,5 Milligramm des Wirkstoffs oder ein Placebo. Dann wurde wieder biopsiert. Madersbacher: "In der Placebo-Gruppe hatten 20,7 Prozent ein Karzinom, in der Verum-Gruppe 16,1 Prozent. Das heißt, dass jedes vierte Karzinom verhindert worden ist. Man muss 23 Männer vier Jahre behandeln, um einen Krebsfall zu verhindern. Das ist eine extrem gute Zahl." Jetzt müsse man überlegen, ob man eine solche Prävention nicht Hochrisiko-Personen - Männer in deren Familie solche Karzinome aufgetreten sind oder Männer mit erhöhtem PSA-Wert ohne nachweisbares Karzinom - empfehlen sollte.

Roboter bringt keine Vorteile gegenüber konventioneller Methode

Als "Marketing-Hype" bezeichnete Nikolaus Schmeller vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg die Propagierung der da Vinci-Operationsroboter für die Entfernung der Prostata bei einem Karzinom: "Die Schnittlänge ist bei der offenen Operation ähnlich groß wie bei der laparoskopischen Operation. Der Schmerz ist nicht geringer. Bei 27,8 Prozent von Männern die mit dem Roboter operiert wurden, war eine Zweitbehandlung notwendig. Sie waren nicht geheilt. Bei der offenen Operation war das nur bei 9,1 Prozent notwendig. Nach 16 Monaten waren 87 Prozent der Patienten nach offener Operation kontinent, hingegen nach der laparoskopischen Operation nur 69 Prozent." da Vinci sei bestensfalls gleichwertig mit der herkömichen Methode.

Ejaculatio praecox

In Salzburg diskutiert wird auch eine neue Therapie des frühzeitigen Samenergusses. Der Chef des Berufsverbandes der Urologen, Karl Dorfinger: "Jeder fünfte Mann leidet daran. Alle Altersgruppen sind betroffen." Als behandlungsbedürftig gilt diese häufigste Sexualfunktionsstörung des Mannes, wenn es binnen weniger als einer Minute nach der Penetration zum nicht kontrollierbaren Samenerguss kommt. Hier gibt es seit kurzem mit Dapoxetin aus der Gruppe der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs, Anm.) ein Arzneimittel, das die Zeitspanne bis zum Samenerguss in etwa verdreifacht. Dorfinger: "Durchschnittlich sind es beim Geschlechtsverkehr drei bis sieben Minuten. Man kommt mit der Behandlung an den Normalbereich heran." (APA)

 

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