Wenn der Roboter operiert

16. Juni 2009, 12:15
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In Tirol übernehmen Roboter Herzoperationen über drei kleine Schnitte - Rekonvaleszenz der Patienten ist deutlich verkürzt

Ein Team von Herzchirurgen der Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (TILAK) hat jetzt in einer Studie bewiesen, dass Patienten die mit Hilfe des Operationsroboters DaVinci am Herzen operiert wurden kürzere Erholungsphasen brauchen und eine höhere Lebensqualität haben.

Während bei dem herkömmlichen offenen Verfahren der Brustkorb mit einem 20 cm langen Schnitt geöffnet wird, reichen bei der Roboter-Methode drei knopflochgroße Schnitte um den Eingriff durchführen zu können. Für die PatientInnen ergeben sich dadurch deutliche Vorteile: Der Aufenthalt im Krankenhaus wird verkürzt, die PatientInnen müssen weniger Einschränkungen im Alltag hinnehmen, haben weniger Schmerzen und können schneller wieder ihre normalen Aktivitäten aufnehmen.

Kleine Narben = kleine Einschränkungen

Es sind vor allem die Narben, die einem Patienten nach einer Operation Schmerzen bereiten. Je kleiner diese Narben, desto geringer die Schmerzen und desto kürzer die Erholungsphase. In ihrer aktuellen Studie können die drei Innsbrucker Herzchirurgen Nikolaos Bonaros, Thomas Schachner und Dominik Wiedemann das auch eindrucksvoll mit Zahlen belegen. So kann ein Patient nach einer Roboteroperation bereits nach 16 Tagen wieder Autofahren, während konventionell operierte PatientInnen 35 Tage warten müssen. Haushaltsarbeiten sind nach 18 Tagen wieder möglich und Sport nach nur einem Monat.

Roboter auf dem Vormarsch

Der DaVinci-Roboter ist seit mittlerweile acht Jahren an der Universitätsklinik für Herzchirurgie im Einsatz und sowohl die Zahl der Einsätze, als auch deren Komplexität steigt stetig. Inzwischen führen die drei Innsbrucker Herzchirurgen sogar zweifache Bypassoperationen mit Hilfe des Roboters durch, wobei in Innsbruck die weltweit meisten total-endoskopischen Bypassoperationen in der „arrested heart" Variante durchgeführt werden. Bei dieser Methode wird das Herz während der Operation angehalten. Neben der Bypassoperation werden an der Universitätsklinik für Herzchirurgie in Innsbruck mit dem DaVinci Roboter auch einfache angeborene Herzfehler operiert und spezielle Herzschrittmacher eingesetzt. Mitglieder des Innsbrucker Herzchirurgen-Teams reisen außerdem regelmäßig ins Ausland um die Technik an andere HerzchirurgInnen weiterzugeben.

Vier Arme statt zwei

Der DaVinci Operationsroboter besteht aus einer Steuerkonsole, an der der Chirurg sitzt und aus vier Roboterarmen, an denen die Instrumente und die Kamera montiert sind. Der Operateur bekommt von der Kamera im Körperinneren ein dreidimensionales Bild geliefert und steuert den Roboter mit seinen Händen. Wie bei einer klassischen minimal-invasiven Operation werden die Instrumente über knopflochgroße Einschnitte in den Körper eingeführt, dann übernimmt der Roboter. Neben den erwähnten Vorteilen, kleinere Narben und dadurch weniger Blutverlust, verfügt der Roboter außerdem über eine „Übersetzung". Der Operateur kann zum Beispiel einstellen, dass sich bei einer Bewegung des Steuerknüppels von einem Zentimeter, der Roboterarm im Körperinneren nur einen Millimeter bewegt, was besonders genaues und zitterfreies Operieren ermöglicht.

 

 

  • Völlig zitterfrei kann kein Chirurg operieren.
    foto: tilak - tiroler landeskrankenanstalten gmbh

    Völlig zitterfrei kann kein Chirurg operieren.

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