Geldkoffer hat wieder Saison

16. Juni 2009, 12:03
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Low Tech statt High Tech ist derzeit offenbar das Motto von Geldwäschern

Den Haag - Hochkomplexe Finanzmodelle, um die Gewinne illegaler Geschäfte zu legalisieren, gehören laut der europäischen Polizeibehörde Europol eher der Vergangenheit an. Der Grund ist klar, wie Europol-Experten jetzt im APA-Gespräch in Den Haag klarlegten: Das geringere Risiko für die Täter. Nach einer vorsichtigen Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurden allein 2007 zwischen 800 Milliarden und 1,7 Billionen Dollar (578 Mrd. bis 1,227 Billionen Euro) gewaschen.

Dabei ist schon die Eingrenzung schwierig: Was ist Geldwäsche überhaupt? "Das hängt von der Definition ab, und das hängt auch von der jeweiligen Gesetzgebung ab", sagte Carlo von Heuckelom, Chef der Abteilung für Finanz- und Eigentumskriminalität bei Europol. Eine der Kernfragen lautet, ob bestimmte Formen von Steuerdelikten einbezogen werden oder nicht. "Wenn wir das einrechnen, glaube ich, dass wir über bedeutend mehr Geld sprechen", meinte van Heuckelom.

Wenig überraschend war in den 70er Jahren Italien das erste Land, das eine Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung erhalten hatte. Die Motivation dahinter war klar: "Was die Mitglieder der Organisierten Kriminalität am meisten schmerzt, ist der Griff in ihre Geldbörsen. Sogar jetzt noch haben wir dokumentierte Fälle, dass eine Verhaftung der Köpfe vom kriminellen Organisationen nicht notwendigerweise heißt, dass dadurch auch die Organisation nicht mehr funktioniert. Viele machen vom Gefängnis aus ganz normal weiter mit ihrem Geschäft", erläuterte Geldwäsche-Experte Mauro Falesiedi.

"Es ist extrem schwer, bei den Spitzenkräften der OK-Netzwerke die nötige Beweisführung für eine Verurteilung zustande zu bringen", so der Experte. Hingegen nehme ihnen der Fokus auf die Geldwäsche - im Idealfall - die Mittel, ihre Operationen zu finanzieren. "Wenn du an ihr Vermögen gehst, hast du Zugang zu ihrer Basis und zur Führungsetage der kriminellen Organisationen."

"Nützliches Werkzeug"

Die Methoden der Geldwäscher haben sich geändert: "Es gibt eine Konsequenz der weltweiten Aufklärungsmechanismen, die verdächtige Transaktionen entdecken und melden sollen: Diese Aufklärungsarbeit ist nämlich ein Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Die Kriminellen sind dahintergekommen, dass sie das internationale Finanzsystem vermeiden müssen. Also sind sie zum Bargeld zurückgekehrt", schilderte van Heuckelom die jüngsten Trends. "Der Euro ist hoch angesehen in der ganzen Welt. Ein 500-Euro-Schein ist ein sehr nützliches Werkzeug."

Das Geld wird über die Grenze geschmuggelt. Dort geht ein Mitglied der kriminellen Gruppe zur Bank, eröffnet ein oder mehrere Konten und zahlt den Betrag dort ein. In anderen Ländern werden weitere Konten - oft von Strohmännern - eröffnet, auf die das Geld weitertransferiert wird. "Der verwundbare Punkt ist, dass man das Geld in den Bankkreislauf einschleusen kann, ohne dass die Banken die zuständigen Behörden informieren müssen", erklärte Falesiedi. Zur Erklärung: Ab einer bestimmten Summe müssen die Geldinstitute an ihre zuständigen Stellen Meldung erstatten. (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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