PR-Ethik-Rat

Klares Deklarieren von Werbung gefordert

16. Juni 2009 11:50

Gremium veröffentlicht Positionspapier und will ethische Standards in der Branche heben

Der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations hat sich konstituiert. Er will der "oft ungenügende Unterscheidbarkeit von redaktionellen Beiträgen und entgeltlichen Einschaltungen in den Medien" den Kampf ansagen, heißt es in einer Aussendung. Der Rat spricht von einem "weit verbreiteten Problem" und hat ein Positionspapier veröffentlicht. Der Appell, sich für eine klare Kennzeichnung einzusetzen und damit zur Hebung der ethischen Standards in den Berufsgruppen PR, Werbung und Journalismus beizutragen, geht an die gesamte Kommunikationsbranche.

PR-Ethik-Rat seit Ende 2008

Seit der PR-Ethik-Rat Ende 2008 seine Arbeit aufgenommen hat, wurden schon zahlreiche Beschwerden wegen "mangelnder Abgrenzung von Werbung und redaktionellen Inhalten in verschiedenen Medien" an ihn herangetragen. Dabei geht es sowohl um die Kennzeichnung entgeltlicher Veröffentlichungen laut
§26 Mediengesetz als auch um (vermutete) Gefälligkeitsberichterstattung als Gegenleistung für die Schaltung von Inseraten.

Keine Einzelfälle veröffentlicht

Die Beschwerden beziehen sich auf neun konkrete Fälle. Der Rat will aber keine Einzelfälle publik machen, da es sich um ein "branchenweites Problem" handle. Ratsvorsitzender Wolfgang Langenbucher, emeritierter Vorstand des Wiener Publizistik-Instituts: "Mit der neuen Vielfalt an Medien hat sich auch eine Vielfalt an neuen Werbeformen herausgebildet, bei denen die klare Unterscheidbarkeit von redaktioneller Berichterstattung und Werbung zunehmend verschwimmt." Ob das mit Absicht geschehe oder nicht, sei unerheblich: "Wenn die Konsumenten getäuscht werden, so untergräbt das auf Dauer die Glaubwürdigkeit der Medien, die dann ihre gesellschaftliche Aufgabe nicht mehr erfüllen können."

Geschaffen wurde der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations im Dezember 2008 von den Berufsverbänden der österreichischen PR-Branche ­ dem Public Relations Verband Austria (PRVA), der PR Quality Austria (PRQA) und dem Verband für integrierte Kommunikation (VIKOM). Der Rat ist ein Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der in Österreich tätigen PR-Fachleute. Seine Aufgabe ist es, die Einhaltung ethischer Grundsätze in der Öffentlichkeitsarbeit zu überwachen und zu fördern. (red)

Birger Jarl II
17.06.2009 08:14

Da müßten hier ca 60% der "Artikel" (insbesondere bei "Web") als Werbung gekennzeichnet sein.

Leo Naphta
16.06.2009 20:44

Dass es einen Verein gibt, der meint, in Österreichs Medien gäbe es nichts Schlimmeres, als dass positive Artikel über irgendwelche Unternehmen erscheinen, wobei für das Erscheinen Geld in irgendeiner Form gezahlt wird - das beweist, wie völlig daneben diese Herrschaften stehen.

Jujilla
16.06.2009 15:56

sieh mal einer an, da sitzt ja ein gewisser gerfried sperl im prethikrat:)

gueldensternn
16.06.2009 15:25

jetzt sitzt prof. langenbucher endlich am richtigen platz. das pkw-institut wien hat er jahrelang als moralische anstalt geführt. wie's draußen wirklich zugeht und wie was geht, hat man zwar nicht erfahren, dafür alles über "ethik" - in der pr, im journalismus, wo auch immer.

P Reb
16.06.2009 14:50

die wirtschaftskrise provoziert aus der produktiven langweile heraus die gründung zahlreicher ethikräte, stichwort überwachungsunsinn: onlinrat.at, internetrat, wtf-rat, unrat etc....

Jujilla
16.06.2009 14:12

juhu! Das Ethikbusiness trotzt der Wirtschaftskrise!
Medienrat.at, PR-Ethikrat, onlinerat.at - aber der beste ist nun mal der http://internetrat.at
;)

Fony MC
16.06.2009 12:27
Und wo ist die Transparenz?

"Die Beschwerden beziehen sich auf neun konkrete Fälle. Der Rat will aber keine Einzelfälle publik machen, da es sich um ein "branchenweites Problem" handle."

In Österreich muss alles im sprichwörtlichen Keller, also hinter verschlossenen Türen, stattfinden, damit ja niemandem öffentlich auf die Füße getreten wird. Warum nicht ein branchenweites Problem angehen indem man öffentliches Problembewußtsein schafft? Nein, dass darf nicht sein, dann könnte sich ja wirklich was verändern.

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