Obama sichert Südkorea militärischen Beistand zu

16. Juni 2009, 22:58
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"Robuste Verteidigungsposition" - Russland: Atom-Drohungen Pjöngjangs "unannehmbar" - Kim junior soll Antrittsbesuch in Peking absolviert haben

Washington/Jekaterinburg/Tokio - Die USA haben Südkorea im Atomkonflikt mit Nordkorea ihren militärischen Beistand zugesichert. Südkorea bleibe unter dem nuklearen Schirm der USA, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung, die anlässlich der Gespräche von US-Präsident Barack Obama mit seinem südkoreanischen Kollegen Lee Myung-bak in Washington veröffentlicht wurde. Beide Präsidenten riefen Nordkorea erneut zur Beendigung seines Atomwaffenprogramms auf.

Das hermetisch abgeriegelte Land werde nicht mehr davon profitieren, dass es mutwillig eine Krise heraufbeschworen habe, betonten die beiden Politiker. "In der Vergangenheit gab es ein Muster, wonach Nordkorea mit Nahrungsmitteln, Energielieferungen und günstigen Darlehen belohnt wurde, wenn es sich nur lange genug kriegerisch gebärdet hat", sagte Obama bei der Pressekonferenz mit Lee. "Unsere Botschaft ist, dass wir dieses Muster durchbrechen."

"Wir werden eine robuste Verteidigungsposition behalten, gestützt von den gebündelten Kapazitäten, die die Sicherheitsinteressen beider Nationen wahren", hieß es in der Erklärung. "Die anhaltende Zusage einer ausgeweiteten Abschreckung, einschließlich des atomaren Schirms der USA, verstärkt diese Zusage." Die USA haben Zehntausende Soldaten an der hermetisch abgeriegelten Grenze zu Nordkorea stehen.

Obama rief die internationale Gemeinschaft zum entschlossenen Handeln auf. Die kürzlich verhängten UNO-Sanktionen gegen Nordkorea seien mit "robusten Kräften" durchzusetzen. Wie die "New York Times" berichtete, haben die USA das geplante Vorgehen gegen nordkoreanische Schiffe mit Moskau und Peking abgestimmt. Im Einzelnen heißt es, die US-Marine solle verdächtige nordkoreanische Schiffe zu einem Hafen eskortieren, wo ihre Fracht untersucht werden soll. Allerdings soll die Marine dabei keine Gewalt anwenden. Obama und Lee betonten in Washington, das nordkoreanische Atom- und das Raketenprogramm sei eine schwere Bedrohung für die Sicherheit in Asien und in der Welt.

In Reaktion auf die UNO-Sanktionen hatte Nordkorea am Wochenende den Ausbau seines Atomwaffen-Programms angekündigt. Lee warnte vor weiteren Raketentests des nördlichen Nachbarn. Die enge Beziehung seines Landes zu den USA werde Nordkorea aber zum Nachdenken zwingen, bevor es Maßnahmen ergreife, die es später bereuen werde.

Russland und China forderten unterdessen Pjöngjang beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ/SCO) zum Verzicht auf Atomwaffen auf. Russlands Präsident Dmitri Medwedew verurteilte die Atom-Drohungen Nordkoreas als "unannehmbar". Das Nuklearpotenzial Pjöngjangs sei eine "ernsthafte Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit", hieß es in einer auf dem SOZ-Gipfel in Jekaterinburg veröffentlichten Erklärung.

Die japanische Regierung beschloss am Dienstag die Einstellung sämtlicher Exporte in das kommunistische Nachbarland. Da Japan bereits unter anderem ein generelles Importverbot von Gütern aus Nordkorea nach dem ersten nordkoreanischen Atomversuch im Oktober 2006 verhängt hatte, bedeutet die neue Strafmaßnahme praktisch eine komplette Einstellung des beiderseitigen Handels.

Für Spannungen hatte jüngst auch die Verurteilung zweier US-Journalistinnen gesorgt: Das höchste Gericht in Nordkorea hatte die beiden Frauen Anfang der vergangenen Woche wegen "schweren Verbrechens gegen die koreanische Nation und illegalen Grenzübertritts" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Wie die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag berichtete, sollen die beiden Fernsehjournalistinnen inzwischen ihre Teilnahme an einer "Verleumdungskampagne" gegen das kommunistische Land gestanden haben. Sie hätten die Grenze des Landes illegal übertreten, um mit Filmaufnahmen gezielt die Menschenrechtspolitik des Landes zu verfälschen.

Kim III.

Unterdessen berichtete die japanische Zeitung "Asahi Shimbun", dass der jüngste Sohn des gesundheitlich angeschlagenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il definitiv seinen Vater an der Staatsspitze beerben soll. Kim Jong-un habe sich jetzt bei einem Geheimbesuch in Peking als künftiger starker Mann in Pjöngjang vorgestellt, berichtete das Blatt unter Berufung auf chinesische und koreanische Quellen. Der junge Kim habe den chinesischen Staatschef Hu Jintao über diese noch inoffizielle Entscheidung informiert. Er soll Mitte Zwanzig sein. (APA/dpa/Reuters)

 

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