Demenz und Delir - Herausforderung im Alter

16. Juni 2009, 10:39
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Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit dominieren das Beschwerdebild alter Patienten - Pflege erweist sich häufig als schwierig

Jena - In Deutschland leiden rund 1,1 Millionen Menschen an einer Demenz. Zwischen 14 und 24 Prozent der Patienten befinden sich bei der Aufnahme in ein Krankenhaus im Delir, das heißt in einem akuten Verwirrtheitszustand. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden diese Patientengruppen weiter anwachsen. Deshalb besteht nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei medizinischem Fachpersonal großer Informationsbedarf zu diesen Erkrankungen. Das 2. Jenaer Geriatrie-Symposium der Universitätsklinik für Geriatrie am 17. Juni 2009 richtet sich daher an Ärzte und Pflegepersonal, um Wissenswertes über Diagnostik und Therapie bei betroffenen Patienten zu vermitteln.

Die Zahl der Patienten mit symptomatischen Altersbeschwerden steigt stetig. Um den speziellen Bedürfnissen der Betroffenen besser gerecht werden zu können, wurde am Jenaer Universitätsklinikum 2008 die Klinik für Geriatrie gegründet, die momentan über 39 Betten verfügt. Als Spezialeinrichtung der Altersmedizin möchte die Klinik über die Patientenversorgung hinaus rund um das Thema Geriatrie aufklären und informieren. Deshalb wurde unter der Leitung von Chefärztin Anja Kwetkat bereits im vergangenen Jahr das jährliche Symposium ins Leben gerufen. Auf Grund der zahlreichen Anregungen aus den Reihen der Fachärzte liegt der Themenschwerpunkt in diesem Jahr auf Demenz und Delir.

Gefährliche Verwirrtheit

"Betroffene Patienten, die sich in Raum, Zeit oder Situation nicht richtig orientieren können, stellen in der Diagnostik und Therapie eine besondere Herausforderung für uns alle dar", so die kommissarische Direktorin der Klinik für Geriatrie Anja Kwetkat. "Oft wird unterschätzt, welche Gefahr das Delir für den Patienten darstellt."

Im Mittelpunkt der Expertenvorträge beim 2. Jenaer Geriatrie-Symposium stehen die differenzierte Diagnose, medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten sowie der Zusammenhang von Demenz und Ernährungsmängeln, die die Gebrechlichkeit der betagten Patienten noch erhöhen. Damit werden besonders niedergelassene Ärzte, Internisten und Neurologen angesprochen.

Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal

Ein wichtiges Thema bei der Behandlung von Demenz- und Delirpatienten ist die Einbeziehung der institutionellen und häuslichen Pflege. Deshalb lädt die Klinik für Geriatrie nicht nur Ärzte, sondern auch Pflegepersonal zu dem Symposium ein. Der direkte Umgang mit kognitiv beeinträchtigten Patienten kann sich für Angehörige und Pfleger oft als schwierig erweisen. Dem Patienten fehlt der Bezug zum realen Leben, wodurch er alltägliche Situationen als bedrohlich empfinden kann. Er interpretiert unter Umständen Verhaltensweisen des medizinischen Personals falsch und die Lage kann entgleiten.

Praxisnahe Hinweise zu den Do's und Don'ts im Umgang mit den Betroffenen gibt die Psychogerontologin Dr. Sophia Poulaki in dem Workshop "Der schwierige Patient". Sie wird Handlungsstrategien vorstellen, die einer Eskalation vorbeugen können.(red)

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