"Knubbelgesichter" sind unberechenbarer

16. Juni 2009, 08:44
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"Sims 3" soll den Erfolg der bisher meistverkauften Computerspielserie fortschreiben, eingefleischte Fans sehen beim Wechsel zum dritten Teil auch Hürden.

Katharina, 14 Jahre alt, wollte den Fernseher ihrer Nachbarin reparieren. Das war ein Fehler. Sie hat einen "Elektroschock" bekommen, dann ist der Sensenmann gekommen. "Nur weil ich zu wenig Mechanikerpunkte hatte." Wirklich schade: Katharina hatte lange an ihrer virtuellen Kopie im neuen Sims-Universum gearbeitet. "Das hat mich gleich in eine Depression gestürzt", ruft sie und lacht.

Verkauf

"Sims 3" ist da. Der Nachfolger des meistverkauften Computerspiels - "Sims 2" und seine Erweiterungen verkauften sich über 100 Millionen Mal - vereint hohe Erwartungen auf sich, die sowohl Entwickler Electronic Arts als auch Heerscharen von Anhängern der "Lebenssimulation" stellen.

Katharina ist bei "Sims 2" ein absoluter Profi: Alle Spielerweiterungen stehen im Regal, sie meint: Das "könnte ich im Schlaf spielen". Auch ihre Mutter blieb von der Sucht nicht verschont. Die Mama sei ein absoluter "Master": "Die kann acht Sims in einer Studenten-WG steuern." Derart hohe Spezialisierung, bestimmt keine Seltenheit unter Sims-Fans, erschwert offenbar den Wechsel zum Folgeprodukt. Einerseits begeistert etwa die detailreiche Erstellung der Avatare, die bis zur letzten Falte, Strähne und Wimper viel Freiraum lassen. "Wie beim Friseur" fühlt sich Katharina und verpasst der Figur eingedenk der Mama einen weißen Haaransatz. Andererseits enttäuscht die Optik: "Schön, schön, warum wird die nicht schön!", empört sich Katharinas Freundin Helene auch bei ihrer Kreation. Worte wie "Kohlkopf-Puppen" und "Knubbelgesicht" fallen und offenbaren, dass die Veränderung Richtung niedlicheren Aussehens vielleicht die Zielgruppe um jüngere Jahrgänge erweitert, aber zur Hürde bei Älteren wird.

Virtuelle Persönlichkeiten

Nächste Station: Persönlichkeitsmerkmale festlegen. Die Eigenschaften "flirtfaul", "böse", "Snob", "grüner Daumen" und "kleptomanisch" sollen den Charakter formen. Sie werden das Verhalten im virtuellen Leben maßgeblich bestimmen. Fehlt nur noch ein "Lebenswunsch": "Heiratsschwindlerin"? Oder vielleicht das Streben nach dem "perfekten privaten Aquarium"? Mutter und Tochter einigen sich auf Ersteres und nennen ihren Sim "Elfriede Blaustein". Nachdem Elfriede noch die "Beziehungsverbindung" mit einem Ehemann "hinzugefügt" bekam und ein Haus in der weiträumigen 3-D-Spielstadt gefunden war, geht es los mit dem Erkunden der Nachbarschaft, Suchen von Freunden, Verbessern des Charakters, um Geld zu verdienen, Wohnung und Outfit zu verschönern. Und um Fernseher reparieren zu können, ohne dabei das Zeitliche zu segnen. Der Ehemann wird gleich ans Meer Angeln geschickt.

"Unübersichtlicher" findet Katharina das neue Spiel. "Sims" als die "logische Fortsetzung des Puppenspielens mit anderen Mitteln" (Zitat ihrer Mutter) erhält im dritten Teil mehr Tiefe, ermöglicht dynamischeres, mit einer offeneren Umgebung ein vernetzteres Spiel. Die Mechanik des Vorgängers war berechenbarer, besser im Griff zu behalten. Ob Katharina umsteigen wird? Das Alte sei zum Entspannen, das Neue zum Entdecken, gibt sie sich diplomatisch. Und findest du "Sims 3" jetzt gut oder nicht? "Schreib nichts Schlechtes! Sonst kommen vielleicht keine Erweiterungspakete." Ab sechs Jahren für PC und Mac, ca. 45 Euro. (Alois Pumhösel / DER STANDARD Printausgabe, 16.06.2009)

 

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    Die neuen Sims kommen in einer offenen Spielwelt an und sind schon ganz schön komplizierte Persönlichkeiten.

    Die putzige Optik stößt aber nicht nur auf Zustimmung.

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