"Auf die Straße, fertig, los!"

16. Juni 2009, 19:11
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    Das Organisationsteam der Freeparade merkt an: "Es gibt kaum mehr Freiräume, in denen wir selbstbestimmt leben können. Unser Leben wird bestimmt von rassistischen, sexistischen und kapitalistischen Normen. Davon haben wir genug!"

    "Deswegen rollt die Freeparade wieder. Auch heuer  werden wir lautstark die Straßen zurückerobern. Wir sind viele, wir sind wütend und wir sind überall! Wir wollen unser Leben und wir wollen es jetzt!"

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    "Jeder von uns muss täglich in diesem Wahnsinn leben. Daran wird sich nichts ändern, wenn wir's nicht tun. Wir müssen uns vernetzen und uns dem entgegenstellen!"

Am Samstag bumpert wieder die Freeparade als Demo durch Wien - Polizeirepression und eine zeitgleiche, unpolitische Veranstaltung sorgen für Ärger

Am Samstag, den 20. Juni rollt sie bereits zum dritten Mal durch Wiens Straßen, die Freeparade. Doch der lautstarke Umzug mit zahlreichen schwer beladenen Musik-Trucks ist keine Spaßparade im eigentlichen Sinn, sondern eine politische Demonstration gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Die OrganisatorInnen der Freeparade haben mit allerlei Problemen zu kämpfen, wenn es darum geht, die Route der Parade und den Ort der Abschlusskundgebung mit der Polizei auszuverhandeln, oder durch eine parallel stattfindende kommerzielle Veranstaltung einen scheinbaren Konkurrenzkampf aufgezwungen zu bekommen.

Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit

Die fünf Hauptslogans der Freeparade: "Die Krise heißt Kapitalismus", "Kampf gegen Sexismus und Homophobie", "Gegen eine Festung Europa" , "Stopp der Überwachung", "Raum leer, Raum her", machen deutlich, worum es geht. Die Freeparade und ihre TeilnehmerInnen wollen selbstorganisierte, alternative Lebensformen zum derzeitigen System aufzeigen und ins Bewusstsein rufen, dass tatsächliche Veränderungen in der Verantwortung jeder und jedes Einzelnen liegen. Der Wunsch nach Veränderung wird durch Musik und Tanz ausgedrückt.

Ziel ist es, ein Lebensgefühl zu vermitteln, das auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit basiert. Dem liegt die Meinung zugrunde, dass Politik von Menschen und nicht von Parlamentsparteien ausgeht. Aus diesem Selbstverständnis heraus ist die Freeparade finanziell und parteipolitisch unabhängig.

"Die Motivationen der Demo-TeilnehmerInnen sind sehr unterschiedlich", berichtet Aktivist Michael W., der die Techno-Bewegung als "linke Ursuppe" bezeichnet. "Der Common Sense ist der, dass wir das bestehende Wirtschaftssystem ablehnen", sagt Michael W., "und auch die gesellschaftlichen Strukturen, die bei uns vorherrschen", ergänzt Aktivistin Claudia K.

Probleme mit der Route

Vom Europaplatz beim Westbahnhof ausgehend soll sich der Zug die Mariahilferstraße hinunterwälzen, sofern es die Polizei zulässt. Claudia K. weiß aus Erfahrung, dass die Route immer wieder für Ärger sorgt: "Die Polizei versucht jedes Jahr wieder, die Demonstration daran zu hindern, sich durch die Mariahilferstraße zu bewegen, weil dadurch Einkaufssamstage in Mitleidenschaft gezogen werden. Das aber ist eine unserer Hauptmotivationen, weil solche Einkaufsstraßen Zentren des Kapitalismus sind."

Terminkollision

Die Route wird heuer sicher nicht wie in den letzten Jahren über den Ring führen, da dort zur selben Zeit eine Werbeveranstaltung der Wiener Clubszene, das Streetfestival, stattfindet. Die Terminkollision wird von den AktivistInnen der Freeparade als "feindseliger Akt" der Streetfestival-Organisation betrachtet. Da aber alle Termine vor den Ferien belegt sind und man "gegen Donauinselfest und Regenbogenparade ohnehin nicht ankommt", so Claudia K.,  war der 20. Juni wohl die naheliegendste Variante. Die Organisatoren des Streetfestivals reagierten übrigens bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht auf eine Anfrage von derStandard.at.

Zwei Welten

Mit der politischen Freeparade und dem Streetfestival werden zwei Welten gegenübergestellt. "Das Streetfestival verkörpert die komplette Kommerzialisierung und Ausbeutung von Partykultur", sagt Claudia K., "wir aber wollen mit der Freeparade beweisen, dass antikommerzielle Selbstorganisation funktionieren kann und man auch was Leiwandes auf die Beine stellen kann, wenn man keine Millionen-Sponsoren im Rücken hat."
Für Michael W. ist es "wichtig, unsere Idee in die Praxis umzusetzen und zu zeigen, dass selbstbestimmtes Leben mehr Spaß machen und man ein besseres Gefühl haben kann, als in Richtung Profitmaximierung orientierte Freizeitgestaltungen dies können. Denn der einzige Sinn von kommerziellen Veranstaltungen ist Konsum."

Kommerzielle Parallelveranstaltung

"Was ich an dem Streetfestival so absurd finde", ergänzt Claudia K., "ihr Motto ist Love, Peace und Happiness mitten in Wien. Kurioserweise aber hatte man das Etablissement "Goldentime" als Sponsor vorgesehen. Schwer vorstellbar, wie die Verharmlosung und Legitimation des Verkaufs von menschlichen Körpern in das Konzept des Streetfestivals passen soll. Immerhin stünden solche Etablissements dann in einer Reihe mit der altgedienten Wiener Clubszene rund um Flex, U4, Volksgarten, usw." Michael W. befürchtete, dass es "denen nur darum ging, Prostitution salonfähig zu machen und in der Eventszene zu positionieren."

Auf Betreiben des Freeparade-Kollektivs, welches bei der am Streetfestival beteiligten Jugendorganisation wienXtra bezüglich des zweifelhaften Sponsors aus dem Rotlichtmilieu urgierte, wurde dem Goldentime die Teilnahme an der Veranstaltung untersagt. Mittlerweile wurde auch das Logo von der Homepage entfernt. Ende April diesen Jahres hat der Betreiber des FKK-Saunaclubs, Alexander Gerhardinger, übrigens eine fix-verzinsliche "Rotlicht-Anleihe" auf den Markt gebracht.

Letztes Jahr nahmen rund 7.000 Menschen an der Freeparade teil. Nach der Veranstaltung gab es Anzeigen gegen die Anmelderin der Demo. In einer Stellungnahme richtete der Einsatzleiter der letzten Freeparade "das Ersuchen, solche Veranstaltungen nicht mehr zu genehmigen. Die Lärmentwicklung verursacht ungemeinen Stress in jedem Körper und mit Sicherheit Körperverletzung bei Passanten und Einsatzkräften, was zu beweisen aber fast nicht möglich ist". 

Polizeirepression

"In Österreich will keine Polizeibehörde wahrhaben, dass eine Demonstration per Verfassung nicht genehmigungspflichtig ist. In Wahrheit haben sie es zur Kenntnis zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu setzen", erklärt Michael W. die Rechtslage. Wesentlich angenehmer verlaufen "Genehmigungsverfahren" bei kommerziellen Veranstaltungen. Das Streetfestival verursacht zwar ebenfalls eine beträchtliche "Lärmentwicklung", konnte aber ohne Probleme angemeldet werden.

Claudia K. dazu: "Das Demonstrationsrecht ist kein Gnaden- sondern ein Grundrecht." Michael W. weiß von den Polizeirepressionen auch allerhand Kurioses zu berichten: "Wir haben uns mit dem Ort für die Abschlusskundgebung nach ihnen gerichtet, mit dem Ergebnis, dass wir dann dort vor Absperrgittern gestanden sind. Die Bundespolizei-Direktion Wien hat nur das Ziel, solche Demonstrationen zu verunmöglichen und das, obwohl das Demonstrations-Konzept von Anfang an ein friedliches war."

Soundcheck und Personencheck

Damit bei der Parade alles ordnungsgemäß ablaufen konnte, wurde die Behörde in den vergangenen Jahren stets dabei unterstützt, wenn es darum ging, bei allen Systemen einen Soundcheck von Magistratsbeamten durchführen zu lassen, "tatsächlich aber, wie sich erst heuer herausgestellt hat, war bei jedem Soundcheck anstelle eines zweiten Magistratsbeamten, wie ursprünglich angegeben, auch ein Mitglied des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung dabei. Jeder Wagen samt Autonummer und Verantwortlichem wurde notiert", zeigt sich Michael W. verärgert über die Polizeirepression.

Welche Musik auf der Freeparade gespielt wird, ist eigentlich nebensächlich. Warum die Parade aber oft zu einer Techno-Veranstaltung mutiert, hat den einfachen Grund, dass viele aus der Bewegung Lautsprecher, Aggregate und Lastwagen parat haben und schneller mobil sind, als andere.

Politisierung

"Sinn der Freeparade ist vor allem eine Politisierung der Musikszene und des Alltaglebens im Allgemeinen. Politik spielt sich nicht nur innerhalb der Parteien und im Parlament ab. Jede Aktion, die man setzt, weil man für oder gegen etwas steht, ist bereits politisch", findet Claudia K., die an die Demo-TeilnehmerInnen appelliert: "Selbstorganisation setzt ein hohes Maß an Eigenverantwortung voraus. Da es sich um eine politische Veranstaltung handelt, sollte sich jede(r) entsprechend verhalten."

Michael W. findet die Entwicklung der Technobewegung problematisch: "Elektronischer Untergrund ist keine Szene, sondern eine Bewegung - Community not scene." Wichtig wäre, "zum Ursprung zurückzufinden, sonst hat die Bewegung ihre Existenzberechtigung verloren."  (Thomas Hirner, derStandard.at, 16. Juni 2009)

Kommentar posten
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R7000
32
19.6.2009, 20:25

ich persönlich habe ja nichts gegen solche freakshows, aber ich verstehe nicht, warum so etwas immer mitten in der stadt stattfinden muß.
man könnte ja für einen nachmittag einen gesperrten teil der so-tangente dafür verwenden.

und daß die lärmbelästigung für die passanten und einsatzkräfte sicher nicht lustig ist, da brauchts keine beweise um das zu wissen.

gubo4
10
20.6.2009, 11:33
aber genau darum gehts...

dass man mitten in der stadt demonstriert, damit man für alle sichtbar ist und es jeder checkt, dass es auch andere lebensformen gibt!
sichtbarmachung von randkulturen! v.a. auf der mariahilfausverkaufsstraße!

syclone
10
26.6.2009, 14:32

blöd nur, daß die meisten dieser lebensformen auf kosten anderer feiern und leben - meist auf kosten jener gegen die sie protestieren.

_trazk_
12
18.6.2009, 16:21
interessant,

was passiert, qenn man den namen des "streetfestival"-organisators in google eingibt:

http://www.google.at/search?q=... =firefox-a

wie kann man da nur draufkommen, dass das als demo getarnter werbeumzug auf kosten des steuerzahlers ist.

seine marketingagenturen für "szenen- und jugendkommunikation" haben natürlich nichts mit dem "streetfestival" zu tun.
und es hat natürlich nichts mit dem totalen ausverkauf dieser "szenen und jugendkulturen" zu tun.
für wie blöd hält der die leute?

hans der 3te
35
17.6.2009, 17:33

ich werd meinen spass am samstag haben, verstehe die Kritik der demo am derzeitgen system, bin gebildet, bekomme mein leben auf die reihe und bin gesund auch noch

OMG. nach all diesen posts muss ich mich wirklich fragen ob mit mir was nicht stimmt ;)

nein blödsinn , ist eh alles klar

PARTY ON !! INHUMAN CAPITALISM OFF !!

a.k.a. cerealkiller
00
19.6.2009, 14:30

geimpft und wurmfrei auch?

mief quirl
02
18.6.2009, 15:45

Manch einer meint ja Einbildung sei auch eine Bildung.....

hans der 3te
00
18.6.2009, 20:53

irgendeiner meint immer irgendwas....

Toghar
 
13
18.6.2009, 09:21

Sie sind gebildet und ihnen geht es gut.
Ja das is ja das Problem, es geht ihnen zu gut

Und man muss gegen das System sein, um "gebildet" zu sein... ehm ok man lernt nie aus

hans der 3te
00
18.6.2009, 13:30

was da schon wieder frei interpretiert wird. sage ich, dass ich gebildet bin , heisst es dann gleich, dass man gegen das system sein muss um gebildet zu sein. ich würd mal sagen gebildet zu sein schliesst nicht aus das man gegen das system sein kann.

naja solche antworten wie von Toghar sprechen eh für sich selber.

Toghar
 
00
19.6.2009, 10:15

na anscheinend sind sie nicht gebildet sonst würden sie wissen was sie schreiben
zitat:"verstehe die Kritik der demo am derzeitgen system,<b>bin gebildet</b>, bekomme mein leben auf die reihe und bin gesund auch noch"

hans der 3te
00
19.6.2009, 16:29

na ok, von mir aus bin ich nicht gebildet und mir geht es zu gut, und wie du schreibst ist das mein problem und du hast gelernt, dass man gegen das system sein muss um gebildet zu sein obwohl ich das nie behauptet habe , whatever, du musst es ja wissen

derSubStandard
10
17.6.2009, 23:04

Die Sprüche machens einem nicht leicht aber es hat eh jeder seine persönliche Motivation, und das Gefühl, für einen (subjektiv) schönen Gedanken Idee oder Vision öffentlich zu tanzen, kann man eh keinem Arzt beschreiben.
Kann leider erst ab 18h (subj. ehrenhafte Arbeit;) aber wünsche schon vorher und überhaupt
VIEL SPASS

Mike 23
12
17.6.2009, 17:30
Scheint ja eine lustige Gschicht zu sein.

Eine schöne Werbung durch den Standard.
Leider ist mir der Artikel an sich bei Weitem zu unreflektiert. Da ERKLÄRT uns Michael W. gleich mal die Verfassung und WEISS von Polizeirepressionen, ohne dass die derartig schwerwiegende Unterstellungen anders als mit den kuriosen Geschichten untermauert werden.

Mir sind seit jeher Bestrebungen suspekt gewesen, die Jugendbewegungen und deren Musik politisch für sich vereinnahmen wollen. Das hat im Laufe der Geschichte immer in einer Katastrophe geendet.
Michael

clara reimitz1
00
20.6.2009, 18:38
tatsächlich eine lustige geschichte

@mike23: ich weißnicht, was für sie eine kuriose geschichte darstellt, aber es wäre nicht das erste mal, dass man in ö von repression und gewalt von seiten der polizei hört: haben sie etwa den 1. mai vergessen? oder informieren sie sich generell nicht über fakten, die ihrer festgefahrenen meinung gefährlich werden könnten??

Mike 23
00
20.6.2009, 20:58
Interessant, wie mein Kommentar

von Ihnen in eine bestimmte Richtung interpretiert wird.
Es verwundert mich immer wieder, wie einige derjenigen, die sich die Kritik am System auf ihre Fahnen geschrieben haben, selbst nicht den kleinsten Hauch von Kritik ertragen.

Wie Sie oben sicherlich lesen können, wenn Ihre Aggression gegen mich als potentiellen Klassenfeind abgekühlt ist, kritisiere ich nicht, dass von Polizeirepressionen die Rede ist.
Und hier kommen wir zu den von Ihnen erwähnten Fakten. Diese fehlen oben nämlich zur Gänze, und das ist mein Kritikpunkt. Verlangen Sie also bitte nicht, mich über Fakten zu informieren, wenn Sie Gerüchte meinen.
Michael

08154
01
17.6.2009, 22:09

wir vereinnahmen sie nicht, wir sind Teil davon und die Stellungnahmen der lieben Bundespolizeidirektion hängt bei mir an der Pinwand, falls sie mal nachlesen kommen wollen ps: sogar der EUGH hat schon einem der Punkte die vorgeworfen werden widersprochen

Mike 23
00
18.6.2009, 13:54
Danke für Ihre Antwort

Eine Erwähnung des EuGH hätte im Artikel sicherlich Platz gefunden, und würde sofort ein anderes Bild ergeben.
So, wie der Artikel jetzt dasteht, paßt er meiner Meinung nach nicht in ein Qualitätsblatt wie den Standard.

Musik kann immer auch etwas Politisches haben, die z.T. als Kritik an der Obrigkeit, aber auch zur Bildung von Nationen (z.B. Marseillaise) verwendet wurde. Eine Musikrichtung bleibt aber niemals eine Bewegung, und unpolitische Musik verliert auch nicht ihre Existenzberechtigung.
Wer anderes behauptet, und mit Politik nur die eigene Ideologie meint, der vereinnahmt die Musik für seine Zwecke, ob er nun Teil davon ist, oder nicht.
Michael

pfarrwiese
00
17.6.2009, 16:57
Was sagt eigentlich der Verfassungsgerichtshof

zu den behaupteten Polizeirepressionen ?

»Pythagoras«
00
17.6.2009, 17:48

das problem ist, dass ein vfgh-urteil nicht so spontan eingeholt werden kann.

ein halbes jahr später meint der vfgh dass es einen verfassungsverstoß gegeben hat, was aber normalerweise keine folgen mehr hat.

Dr.mumunator
47
17.6.2009, 16:21
Ein weiteres

Straßenverschmutzerfestl..

Kleiner Zwischenruf
00
17.6.2009, 19:01
Sie schon wieder!

Dr.mumunator
01
17.6.2009, 21:40
Kenn ich dich?

Denke nicht

»Pythagoras«
00
17.6.2009, 17:49

also ich find schmutz supa :)

das ende des tages
23
17.6.2009, 16:46

ein weiteres internetverschmutzer-posting :P

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