Stiftungsrat soll ORF-Bilanz absegnen

15. Juni 2009, 19:09
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Im ersten Quartal 2009 nahm der ORF sechs Millionen Euro weniger ein als geplant, im zweiten sei die Werbung im Plan

Die ORF-Bilanz 2008 soll der Stiftungsrat absegnen, empfahl dessen Finanzausschuss mit Mehrheit am Montag. Im ersten Quartal 2009 nahm der ORF sechs Millionen Euro weniger ein als geplant, im zweiten sei die Werbung im Plan.

Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, befürchtet, dass es in punkto Sparen zwar "viel Papier und öffentliche Ankündigungen gibt, die tatsächlich kostenreduzierenden Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen aber ausbleiben".

Das Jahr 2008 hat der ORF-Konzern mit einem Minus von 79,7 Millionen abgeschlossen. Die Umsatzerlöse gingen im Vergleich zum Jahr 2007 von 934,4 Millionen auf 899,2 Millionen Euro zurück. Um die Bilanz aufzufangen, löste Wrabetz freie Rücklagen auf, das Widmungskapital zuzüglich freier Rücklagen schrumpfte von 276,4 auf 181,9 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2009 lag der ORF knapp sechs Millionen Euro unter Plan, was vor allem auf die Planunterschreitungen bei den Werbeeinnahmen zurückging.

Einige Stiftungsräte befürchten, dass der ORF das für 2009 geplante Konzernergebnis von minus 29 Millionen Euro nicht einhalten könnte. Kommunikationschef Pius Strobl entgegnet, dass die Geschäftsführung dieses Ziel nach wie vor anpeilt. Wrabetz hat laut Strobl aufgrund des konjunkturbedingten Rückgangs der Werbeeinnahmen im ersten Quartals bereits zusätzliche unterjährige Einsparungen von 15 Millionen Euro verordnet. Insgesamt muss der Sender damit heuer zwischen 75 und 80 Millionen Euro einsparen, um das geplante Ziel zu erreichen.

Strukturbereinigungen und Sachkosteneinsparungen

Das soll laut Strobl unter anderem durch Strukturbereinigungen und Sachkosteneinsparungen in allen Teilen des Hauses erreicht werden. Schlagend werden außerdem bereits 2008 erfolgte Pensionierungen. Weiters verzichtet der ORF auf teure Rechtepakete, sowohl bei Filmen und Serien als auch im Sport. So wird etwa der Vertrag mit der UEFA nicht fortgesetzt. Auch die Kosten für Eigenproduktionen, Investitionen und Material wurden heruntergeschraubt, "möglichst ohne dass Programm weggekürzt wird", so der Kommunikationschef.

Einen wesentlichen Teil des ausgabenseitigen Budgets macht das Personal aus, wo Wrabetz derzeit mit dem Zentralbetriebsrat über Vertragsveränderungen verhandelt. Laut Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser sind die Verhandlungen "in vollem Gange, das Ziel der Geschäftsführung ist ein ambitioniertes". Nicht steuerbar sind laut Strobl hingegen die Einnahmen. Noch sei nicht abschätzbar, wie viele Österreicher in Folge der Wirtschaftskrise die Gebührenbefreiungen in Anspruch nehmen und dadurch dem ORF als Gebührenzahler entgehen. Ebenso keinen Einfluss habe der ORF auf die Finanzerträge, "die so wie der Umfang der realen Werbebuchungen maßgeblich von der allgemeinen Wirtschafts- und Konjunkturlage sind", so Strobl. Im Bereich der Sonderwerbeformen, wo verstärkt Nachfrage vorhanden wäre, unterliege der ORF weitgehenden gesetzlichen Reglementierungen, gibt Strobl zu bedenken.

Ausgliederungen von Teilbereichen des Unternehmens werden noch nicht schlagend - ein Gesamtausgliederungskonzept will Wrabetz bis Ende des Jahres vorlegen. Gegen Einsparungen etwa bei den Landesstudios setzen sich derzeit nicht nur die dortigen Belegschaftsvertreter, sondern auch die Landeshauptleute zur Wehr. Am Montag meldete sich der steirische Landeshauptmann Franz Voves (S) zu Wort und kritisierte in einem offenen Brief an Wrabetz die kolportierten Einsparungen von mehr als zwei Mio. Euro im Landesstudio Steiermark. Die notwendigen Maßnahmen sollten zuerst in der Zentrale vorgenommen werden, findet Voves. (red, DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2009/APA)

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